Edgar L. Born schlüpft im evangelischen Kirchenzentrum in die Rolle Martin Luthers Im Heringsfass zum Ehemann

Billerbeck. „Ha! Martin Luther und die Frauen – ein Mönch!“ So eröffnet Pfarrer und Luther-Kenner Edgar L. Born eine höchst unterhaltsame Stunde, die den Kirchenreformator im Jahr seines 500-jährigen Jubiläums in Beziehung zu den Frauen zeigt, die sein Leben maßgeblich bestimmt haben.

Von Ursula Hoffmann
Edgar L. Born schlüpft im evangelischen Kirchenzentrum in die Rolle Martin Luthers : Im Heringsfass zum Ehemann
Foto: az

Es ist allerdings kein wissenschaftlicher Vortrag, der die Zuhörer erwartet, sondern Born verwandelt sich mit Talar und Hut vor ihren Augen in den Theologieprofessor und erweckt diesen damit zum Leben. Mal tief über seine Aufzeichnungen gebeugt, mal im direkten Gespräch mit seinem Publikum, liest, schwadroniert und philosophiert Born alias Luther mit Temperament und Witz.

Klasse, wie er sich, unterstützt von sprechender Gestik und Mimik, die altertümliche und oft derbe Sprache zu eigen macht. Manches regt zum Schmunzeln an, manches ist auch starker Tobak, etwa Luthers Aussagen, dass kein Rock einer Frau „so übel ansteht, als wenn sie klug sein will“ und ihr Mangel an Verstand bewirke, „dass Weiberregiment von Anfang der Welt nie nichts Guts angerichtet hat“.

Noch vor seiner Eheschließung hielt Luther eine Universitätsvorlesung „Vom ehelichen Leben“, die Born am Stehpult, das Bild Luthers vor sich, mit Nachdruck zu Gehör bringt. Sein Fazit: Gott schuf die Menschen als Mann und Weib, und in diesem Schöpfungswerk ist angelegt, dass „alles, was ein Mann ist, ein Weib braucht und umgekehrt“.

Doch wie Luther zu seiner Frau Katharina von Bora kam, das ist eine ganz eigene Geschichte, die Born humorvoll und informativ aufblättert. Das Publikum hört von der ersten Frau im Leben eines Mannes, der Mutter, dass sie eine strenge Frau war, die ebenso wie der Vater zu drastischen Erziehungsmaßnahmen griff, obwohl die Eltern es herzensgut mit den Kindern meinten.

Es erfährt, dass der Schüler Martin Luther bei seiner Zimmerwirtin Ursula von Cotta erstmals Zuneigung spürt und lernt, dass es so etwas wie Liebe zwischen Mann und Frau gibt. Und sie begeben sich ins Zisterzienserkloster, wo die verarmte Adlige Katharina von Bora als Novizin lebt. Nicht ganz freiwillig, so dass sie und andere junge Nonnen offen sind für Luthers Schriften, die den Zölibat als Zwang anprangern, der der Schrift nach nicht vertretbar ist. Das ist für zehn Frauen wie eine Offenbarung, und sie bitten Luther um Hilfe, aus dem Kloster zu fliehen. In leeren Heringsfässern schmuggelt ein Kaufmann sie heraus, Luther nimmt sie auf und bringt sie in den Häusern seiner Freunde unter, verheiratet sie nach und nach.

Nur Katharina von Bora bleibt übrig, und auf Betreiben der Freunde heiratet Luther sie, „und dann wurde daraus Liebe“, das Haus füllt sich mit Leben, und Martin Luther lernt Ehemann und Vater zu werden. Schade, dass nur zwanzig Zuhörer diese sehr lebendige Stunde erlebt haben.

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