Journalist Ulli Potofski begeistert sein Publikum in der Alten Landwirtschaftsschule mit seiner direkten Art
„Fußball ist der Kitt der Gesellschaft“

Billerbeck. Kaum traf Ulli Potofski am Abend in der Landwirtschaftsschule ein, wurden im Vorfeld schon eifrig Daten, Fakten, Tore, Namen wie Libuda & Co. ausgetauscht. „Super, da kann ich ja Liebesgeschichten und Sonetten von Shakespeare erzählen“, flachste der Journalist aus dem Pott mit Blick in den Saal.

Montag, 29.01.2018, 06:03 Uhr

Aufmerksam hört das Publikum zu, als Potofski aus seinem Leben erzählt. Foto: az

Dort waren kleine Tischgruppen arrangiert, gemütlich mit Kerzenlicht und Salzgebäck. Keine Frage: Bei einem Thema wie „Entscheidend ist auf dem Platz“ liegt es nahe, dass das Publikum zu 95 Prozent männlich ist.

Kaum hatte der Sportmoderator im lässigen Cord-Jackett – O-Ton: „Ich bin mal zum schlecht gekleidetesten Moderator gekürt worden“ – da zog er auch schon voll durch. 90 Minuten, ohne Halbzeitpause, sozusagen ohne Punkt und Komma, ohne ´n Schlückchen Wasser zwischendurch, ohne alles. Direkt outete sich der gebürtige Gelsenkirchener als Schalker per Geburt: „Ich bin neben der „Glückauf-Kampfbahn aufgewachsen. Mit sechs Jahren war ich das erste Mal mit meinem Vatter im Stadion.“ Fußball, das sei mehr als Geld und Taktik, das sei Herz und Seele, Romantik und mehr noch: „Dat is der Kitt der Gesellschaft!“.

Mit Netzer, Matthäus und Kahn hat er zusammengespielt, aber mehr aus Spaß, in Promi-Mannschaften. „Wer weiß, wie ich tanze – und damit spielte er auf seine Teilnahme bei der TV-Show „Let´s dance“ an – der weiß, wie ich Fußball spiele“, gestand er selbstironisch.

Dabei ist er irgendwie auch ein „Selfmade-Man“. Studium war nicht angesagt für den Bergmanns-Sohn, Jahrgang 1952. Vielmehr stecken die Eltern ihren Jungen mit 14 in eine Kochlehre: „Zu Hause 68 Quadratmeter mit zwei Kindern. Da wurd´s Zeit, dass ich auszog“. Mit 18 Jahren kassierte er nach einer Wette auf der Galopprennbahn 821 Mark und kaufte sich davon ein Tonband. Damit trainierte er Stimm- und Moderationsübungen, bis er sich eines Tages traute bei Radio Luxemburg (RL) anzurufen. „Bei den öffentlich, rechtlichen hatte ich keine Schnitte“, so Potofski. RL-Chef Frank Elstner war derjenige, der sein Moderationstalent erkannte und ihm eine Chance gab. Innerhalb kürzester Zeit moderierte er eine Nachtsendung von Mitternacht bis morgens um fünf Uhr. „Supergut bezahlt. Mit 17 Jahresgehältern“, gerät er noch heute ins Schwärmen.

Die abschließende Publikumsfrage „Wann wird Schalke Deutscher Meister?“ beantwortete er mit: „Ich befürchte, dass ich das nicht mehr miterleben darf. Das Gute ist, dass ich es einmal erleben durfte. Mit sechs Jahren bei dem 3:0 in Hannover.“

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