Zweiter Billerbecker Demenztag lockt über 200 Interessierte an / Parcours vermittelt Einblicke in Alltag „Mensch ist bis zum letzten Augenblick wichtig“

Billerbeck. „Der Mensch ist bis zum letzten Augenblick wichtig“, mit diesen Worten eröffnete Wilma Losemann, 1. Vorsitzende von Herbstlicht e.V. und Mitinitiatorin, den zweiten Billerbecker Demenztag. Mehr als 200 Interessierte waren gekommen und konnten sich an den Ständen von 23 Ausstellern informieren, Fragen stellen und Tipps einholen. „Das Demenznetzwerk ist ein großer Gewinn für Billerbeck, ich bin stolz auf die Schirmherrschaft“, sagte Bürgermeisterin Marion Dirks bei der Begrüßung. Sie bedankte sich bei allen Akteuren und Sponsoren, die den Demenztag möglich gemacht hatten.

Von Petra Beil
Zweiter Billerbecker Demenztag lockt über 200 Interessierte an / Parcours vermittelt Einblicke in Alltag: „Mensch ist bis zum letzten Augenblick wi...
An zahlreichen Ständen konnten sich die Besucher des Demenztages informieren und Tipps für den Umgang mit an Demenz erkrankten Menschen erhalten. Fotos: Petra Beil Foto: az

Jeder dritte Mensch über 80 muss mit der Diagnose Demenz rechnen. Für Beate Dobner vom Demenz-Servicezentrum der Region Münster und westliches Münsterland geht es deshalb darum, das Thema Demenz zu enttabuisieren und Verständnis zu wecken. Was spürt und erlebt man und wie fühlen sich Menschen, wenn sie an Demenz erkrankt sind? Das war das Ziel des Demenzparcours. Anhand von 13 Stationen durchläuft man den Tagesablauf der älteren Dame „Erna“, die an Demenz erkrankt ist. Wie schwierig ist es zum Beispiel, ein Frühstück vorzubereiten? Eigentlich eine alltägliche Handlung, die so einfach erscheint. Auf dem Parcours mussten 40 Fotos geordnet und in die richtige Reihenfolge gebracht werden. Eine echte Herausforderung für die Sinneswahrnehmung, die zielgerichtete Bewegung, die Sprachfähigkeit, das Urteilsvermögen und die Lesefähigkeit. Anja Stegemann war vom Demenzparcours beeindruckt: „Man kann sich gut in die Situation hineinversetzen und nachempfinden, mit welchen Einschränkungen demente Menschen zu kämpfen haben.“ Große Aufmerksamkeit bekam auch der Vortrag „Leben bis zuletzt“ von Dr. Hoppe, Arzt in Havixbeck und Vorsitzender des Palliativnetzes des Kreises Coesfeld. Es müsse für von Demenz betroffene Menschen einen „Mantel der Umsorgung und Sicherheit geben“, zitierte er Cicerly Sounders, die Begründerin der Palliativbetreuung.

„Nicht dem Leben mehr Tage, sondern den Tagen mehr Leben geben“: Margret Hessling ist gekommen, um Informationen zu sammeln und Tipps zu bekommen für den Alltag im Zusammenleben mit einem dementen Menschen. „Wenn wir zusammenarbeiten, können wir am meisten für die Menschen erreichen“, sagt Martina Brautschek. Sie ist aktiv in der Hospizbewegung und begeistert von der Bandbreite des Billerbecker Demenznetzwerkes. Besonders gut hat vielen das Ambiente in der „Alten Landwirtschaftsschule“ gefallen. Zu der guten Atmosphäre haben auch die vielen Ehrenamtlichen in der Cafeteria beigetragen, wo leckere Suppen und Torten lockten.

Schöne Stimmung auch beim Liedervortrag von Ulrike Büscher, die von Lukas Maschke begleitet wurde. Beim Mobilitätstraining, das die Physiotherapie-Praxis Hemmerde durchführte, konnten die Besucher leichte Stuhlgymnastik und Balanceübungen machen. Zum Abschluss des Tages stellte Sophie Rosentreter ihr Buch „Wir lieben Dich, auch wenn Du uns vergisst“ vor.

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