Billerbeck Markus Krebs als König des Kurzwitzes

billerbeck. Scheinwerfer an, wummerndes Bassgetöse und schon schlägt er auf: der Hocker-Rocker in Turnschuhen aus dem Pott, mit Pudelmütze, blondem Zopf, schwarzer Sonnenbrille und eigenem Konterfei auf dem T-Shirt. „Et gibt keine Botschaft heute Abend. Sie nehmen nix mit: nix Religiöses, keine Politik. Dat wird einfach nur schön“, versichert Markus Krebs. Dann patrouilliert der Mann hinter dem Feinkostgewölbe – „das einem Arbeitslosten ein Dach über dem Kopf gibt“, wie er sagt – locker flockig zwei Stunden übers Bühnen-Parkett und haut einen Kracher nach dem anderen raus. Sicher verlässt er auch mal den Grenzbereich des Zotigen. Das nimmt ihm keiner Übel. Ganz im Gegenteil. Dafür kommt Krebs wesentlich charmanter und entspannter rüber als ein Mario Barth.

Von Ulla Wolanewitz
Billerbeck: Markus Krebs als König des Kurzwitzes
„Et gibt keine Botschaft heute Abend“, sagt Markus Krebs und haut dann einen Kracher nach dem anderen raus. Foto: Ulla Wolanewitz

Logisch, Punkte kassiert Mann natürlich als Frauenversteher: „Hömma, wenn ne Frau weint, dann gehse ersma ‘n Meter zurück!“ Der Duisburger mit der rauchigen Stimme – Vize-Baumarktleiter – schafft es die amüsant-beklopptesten Szenarien auszumalen. Beispielsweise vom Kollegen, der „ein’ an’n Helm hat. Der hat sich ein vierteiliges Puzzle gekauft und is sofort angefangen. Später hat er sich ‘ne Pizza gemacht: 220 Minuten auf 15 Grad. Ich glaub, der war ma Balljunge beim Squash“. Krebs ist ein exzellenter Wortdrechsler und Satz-Radiologe. All das, was im Volksmund so daher geplaudert wird, durchleuchtet er mit Röntgenblick, legt es auf die Goldwaage, seziert es und gibt ihm eine neue andere eindeutige Bedeutung. Damit hätte er den Titel „König des Kurzwitzes“ verdient. „Wollen sie Zeuge Jehovas werden? Wieso, ich hab’ den Unfall doch gar nicht gesehen“ oder „Die Tür schließt manuell – danke, Manuel“ oder „Haben sie Angst vor Asiaten? Ja, panisch!“

Dann gab’s aber doch etwas praktische Lebenshilfe zum Mitnehmen. „Wenn ihr jemanden loswerden wollt, weil der euch auf’n Sack geht, sprecht undeutlich. Ordentlich die Konsonanten durchmischen!“ Das funktioniere 100-prozentig. Als ihn jemand in der Kneipe total betrunken unverständlich anquatschte, habe er genauso zurück gelabert. Und: „Der Typ sagte: Ganz genau!“ Und kurze Zeit später: „Taxi, bitte!“ Seine Garantie: „Wenn euch einer ’n Knöllchen aufdrücken will, klappt dat auch. Probiert’s aus! In Amerika haben sie sogar einen Präsidenten, der redet nur so.“

Spaß machen auch seine Versionen zu Grimms Märchen, bei denen ja oft nur die Hälfte erzählt werde. Beispiel: Dornröschen. „Bevor der Prinz da durch die Dornenhecke kam, hingen doch schon Hundert andere Blut triefend in den Dornen. Da würd’ ich auch denken: „Nee, komm lass. So toll is die auch nicht.“

Für nächstes Jahr ist Markus Krebs wieder engagiert. „Ich komme gerne nach Billingen“, sagt einer, der gesteht, dass er in „Erdkunde ‘ne Sieben hatte“. Bis April 2019 dürfen sich alle sicher sein: „I hold you on the walking!“

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