Billerbeck
Berliner Gören auf Verbrecherjagd

Billerbeck. Der Himmel über Billerbeck sieht dramatisch aus, es grummelt gewaltig und immer wieder gehen besorgte Blicke nach oben – ob das wohl gut geht? Tut es und während rund herum im Münsterland wahre Sturzbäche niedergehen, sitzt das Publikum trocken im Weihgarten und begleitet amüsiert „Emil und die Detektive“ auf ihrer spannenden Spurensuche in Berlin.

Sonntag, 03.06.2018, 05:03 Uhr

Emil (vorne l.), Pony Hütchen (vorne 2.v.l.) und ihre Freunde feiern mit einigen Zugaben ausgelassen die gelungene Premiere von „Emil und die Detektive“. Mit ihnen freut sich das künstlerische Team (hintere Reihe v.l.: Lea Teuwen (Choreografie), Johanna Haecker (musikalische Leitung), Cornelius Demming (Regie) und Nadine Ahlers (Regieassistenz). Fotos: ho Foto: az

Das Bühnenbau-Team hat ganze Arbeit geleistet, um auch optisch in die Hauptstadt zu entführen. Litfasssäule, Adlon, Café Kranzler, Brandenburger Tor – alles ist da. Doch halt, etwas fehlt, die Quadriga.

Allerdings nicht lange, denn die vier Pferde galoppieren, begleitet von der Siegesgöttin, fröhlich ein, erklimmen das Tor, von wo sie das Geschehen beobachten und kommentieren. Eine tolle Idee, die – ähnlich wie die Wolken – den schmunzelnden Blick immer wieder nach oben lenkt. Allein diese neugierigen, großartig gestalteten Pferde zu sehen, ist einen Besuch der Freilichtbühne wert. Erich Kästner hat mit „Emil und die Detektive“ einen bis heute aktuellen Klassiker der Kinderliteratur geschrieben, in dem er die Kinder als gleichberechtigte Persönlichkeiten ernst nimmt und zeigt, wie stark sie sein können, wenn die Kameradschaft stimmt. Diesen Geist von Kästner arbeitet Regisseur Cornelius Demming mit seinem Ensemble hervorragend heraus. Allen zusammen gelingt eine sehr unterhaltsame Mischung, in der Abenteuer, Humor und Freundschaft sich die Waage halten, so dass es für die kleinen und großen Zuschauer jede Menge zu entdecken gibt.

Im Zentrum stehen klar die Kinder. Eine ganze Horde Berliner Gören unterstützt den zwölfjährigen Emil, der seine Oma und seine Cousine Pony Hütchen in Berlin besucht und dem in der Bahn von dem unheimlichen Mann mit der langen Nase (Heinz Bösing verleiht ihm mit stechendem Blick und böse Herzlosigkeit) 140 Mark gestohlen werden. Klasse, mit welcher Frische und Lebhaftigkeit die Kinder und Jugendlichen ihre Rollen ausfüllen.

Albero Grzanowski findet sich prima ein in die Rolle des Jungen vom Land, der in der fremden Stadt gleich vor solchen Herausforderungen steht. Er hat aber auch coole Helfer. Der hilfsbereite Gustav mit der Hupe (Leon Hofstätte), der schlaue Professor mit Nickelbrille (Leo Nowitzki), der kleine Dienstag (Alexander Miebach), der, ausgestattet mit WLAN (ein kleiner Ausflug in die Moderne) die zentrale Anlaufstelle besetzt und all die anderen spielen sich – toll ausstaffiert mit in die damalige Zeit passenden Kostümen – schnell in die Herzen der Zuschauer.

So wie auch Emilia Alexander, die ein hinreißendes Pony Hütchen verkörpert. Als vorlautes kesses Plappermäulchen saust sie mit ihrem Fahrrad über die Bühne und hat die Lacher auf ihrer Seite.

Schwungvoll gesungene und choreografierte Lieder beleben das Geschehen zusätzlich, toll der Rap „Mädchen gegen Jungs“. Viele weitere spannende und witzige Details gibt es zu entdecken, natürlich spielen auch die beteiligten Erwachsenen ihre Rollen überzeugend und alle zusammen weisen den Dieb in seine Schranken – also nichts wie hin, es lohnt sich!

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