Plattdeutsche Bezeichnung auf Ortsschild findet bislang keine Anhänger / „Es gibt keine Übersetzung“ Coesfeld hieß schon immer Coesfeld

Coesfeld. Steht demnächst auf dem Ortseingangsschild von Coesfeld auch der plattdeutsche Name? Grundsätzlich wäre es möglich, denn den Weg dafür macht ein Erlass des NRW-Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung frei.

Von Viola ter Horst
Plattdeutsche Bezeichnung auf Ortsschild findet bislang keine Anhänger / „Es gibt keine Übersetzung“: Coesfeld hieß schon immer Coesfeld
Nicht ernst gemeint, aber „Ossenkopp“ als Zusatz wäre zumindest plattdeutsch. Foto: az

„Wir haben uns im Heimatverein noch keine Gedanken darüber gemacht“, sagt Josef Farwick von der Arbeitsgruppe Mundartpflege. Grundsätzlich aber begrüße er Bemühungen, um die plattdeutsche Sprache zu erhalten und mehr präsent zu machen.

Allerdings: Eine korrekte plattdeutsche Übersetzung von Coesfeld zu finden, dürfte schwer werden. Es gibt sie nämlich nicht, sagt Stadtarchivar Norbert Damberg. „Coesfeld ist Coesfeld. Und das war schon immer so“, erklärt er. Zwar habe sich die Schreibweise öfter geändert, so etwa mal mit K am Anfang (1795) und mit T am Ende (1539 fast durchgängig bis 1752). „Gesprochen klang das Wort aber nicht anders“, so Damberg.

Auch der Coesfelder Historiker und Sprachwissenschaftler Dr. Norbert Nagel meint, dass man auf ein Ortsschild nichts anderes als „Coesfeld“ schreiben könnte: „Man sagte nie etwas anderes zu Coesfeld.“ Auch auf Platt heißt es: „Ik go na Coesfeld.“

Und wie ist das mit der Deutung, dass Coesfeld eigentlich „Kuhfeld“ bedeutete? Wäre das kein Wort fürs Ortsschild? Nein, Nagel schüttelt mit dem Kopf: „Kuhfeld, das ist widerlegt und wäre falsch – selbst wenn es platt wäre“, sagt er und verweist auf das neue Buch über die Ortsnamen im Kreis Coesfeld von Claudia Korsmeier. Darin gehen die Experten nach der Untersuchung skandinavischer Wörter davon aus, dass das „Coes“ von „kos“ herrührt – und nicht von „Kuh“ – eine Vertiefung, ein kleines Tal. In Zusammenhang mit -feld wurde also vielleicht die Berkelaue umschrieben: Die Berkel, die von Billerbeck hinab ins Tal kommt – nach Coesfeld.

Nagel sagt, dass schon im 13. Jahrhundert den Coesfeldern wohl nicht klar gewesen sei, woher die Ortsbezeichnung stamme. „Denn damals existierte als eine Art zweites Wappen der Ossenkopp.“ Offenbar, meint Nagel, hätten schon zu der Zeit die Coesfelder fälschlicherweise angenommen, dass „Coes“ von Kuh oder eben Ochse herrühre und hätten daraufhin den Ochsenkopf zum Symboltier genommen.

„Ossenkopp“ – immerhin tatsächlich plattdeutsch – wäre dann vielleicht als selbstironischer Ortsnamenszusatz eine Möglichkeit? „Naja,“, antwortet Nagel auf die Frage der AZ und lacht, „das ist eigentlich nicht im Sinne des Erfinders.“

Bei der Stadt ist noch kein Antrag eingegangen. Sie selber will laut Pressestelle nicht aktiv werden, eben weil es für Coesfeld keine direkte plattdeutsche Entsprechung gebe. Außerdem existiere ja bereits der Zusatz „Kreisstadt“.

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