Moderne Fassung von Mozarts „Entführung aus dem Serail“ überzeugt im Konzert Theater Die Liebe siegt

Coesfeld. Wo ist das Serail, mag sich manch ein Besucher fragen, denn der Blick auf die Bühne zeigt ein luxuriöses Landhaus mit großen Fenstern, dessen Stil weit entfernt ist von der prunkvollen Farbenvielfalt des Orients. Statt dessen herrscht kühle Eleganz, begutachten die Bewohner ein neu eingetroffenes Kunstobjekt aus New York, das an die „Ballon Dogs“ von Jeff Koons erinnert.

Von Ursula Hoffmann
Moderne Fassung von Mozarts „Entführung aus dem Serail“ überzeugt im Konzert Theater: Die Liebe siegt
Das Ensemble des Oldenburgischen Staatstheaters gestaltet Mozarts „Die Entführung aus dem Serail“ als eine emotionale Liebesgeschichte, die das Innenleben der Figuren in den Fokus stellt mit (v.l.).Pedrillo, Belmonte, Blonde und Konstanze. Foto: Ursula Hoffmann

In dieser Kulisse gestaltet Regisseurin Kateryna Sokolova mit dem Ensemble des Oldenburgischen Staattheaters Mozarts „Entführung aus dem Serail“ als eine emotionale Liebesgeschichte, die sich ganz auf das Innenleben der handelnden Figuren konzentriert und in der Gegenwart angesiedelt ist. Die junge Konstanze ist mit ihrer Zofe und einem Diener in die Hände des Bassa Selim gefallen ist, aus denen sie ihr Verlobter Belmonte befreien will. Im Programmheft erklärt Solokova dazu, dass Mozarts Opern immer um die Liebe kreisen und um die Frage, was diese mit uns macht und in welche Situationen sie uns manövriert. Diesen Aspekt arbeitet die Inszenierung mit einer zum Teil neu geschriebenen Dialogfassung sehr unterhaltsam und berührend heraus. Alle sechs Solisten verkörpern überzeugend ihre Rollen. Johannes Sima, der als Bassa Selim eine reine Sprechrolle hat, gibt den modernen jungen Mann, eher ein Playboy als ein Despot. Für die erkrankte Soonyeon Lee springt als Konstanze Cornelia Götz ein, die ihren Part hervorragend meistert und in ihren Arien mit samtweicher Stimme ihre innere Zerrissenheit (Soll sie Bassas Werben nachgeben oder liebt sie noch Belmonte?) differenziert herausarbeitet. Vor allem in „Traurigkeit“ drückt sie ihren Schmerz authentisch und gefühlvoll aus.

Philipp Kapeller, der als Belmonte wie ein unorganisierter Chaot auf Suche nach seiner Konstanze herumirrt, verliert alles Trottelige, sobald er anfängt zu singen und betört mit seinem warmen, ausdrucksstarken Tenor. Und auch das zweite Paar, die Bediensteten Pedrillo (Timo Schabel spielt herrlich mit seiner Naivität) und Blonde (Alexandra Scherrmann gestaltet ihre Rolle mit überbordender Energie) wissen zu gefallen. Dann ist da noch der Hauswächter Osmin Ill-Hoon Choung), der trotz seiner im tiefen Bass gesungenen Hasstiraden eher skurril als böse wirkt und dessen „Oh wie will ich triumphieren“ dank der Gnade des Hausherren ins Leere läuft. So siegt die Liebe und die beiden Paare entschwinden in die idyllische Bergwelt, die sich durch die Fenster zeigt.

Das Oldenburgische Staatsorchester unter Leitung von Hendrik Bestmann arbeitet die Charaktere auch musikalisch mit großer Klangvielfalt sauber heraus und das Publikum bedankt sich mit lang anhaltendem Applaus für einen mitreißenden Opernabend.

Leserkommentare
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5404632?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F947601%2F