Wirtschaftsförderer Guido Brebaum zum Thema Glasfaserausbau und Digitalisierung „Sind erst beim Gruß aus der Küche“

Coesfeld. Die Zukunft ist digital. Und daher kämpft der Wirtschaftsförderer der Stadt, Guido Brebaum, für einen schnellen Glasfaser-Ausbau. Im Interview mit unserem Redaktionsmitglied Uwe Goerlich erklärt Brebaum, warum der Ausbau so wichtig ist.

Von Allgemeine Zeitung
Wirtschaftsförderer Guido Brebaum zum Thema Glasfaserausbau und Digitalisierung: „Sind erst beim Gruß aus der Küche“
Wirtschaftsförderer Brebaum: „Ohne Breitband hat man das Nachsehen. Ich befürchte eine Zwei-Klassen-Gesellschaft, wenn nicht gegengesteuert wird.“ Montage: ugo Foto: az

Die Stadt möchte zusammen mit den landwirtschaftlichen Ortsvereinen den Glasfaserausbau in den Außenbereichen voranbringen. Warum der Fokus auf die Außenbereiche?

Brebaum: Während wir innerhalb der Ortsteile Coesfeld und Lette unterschiedliche Breitbandanbieter haben, die mit Technologien wie dem Fernsehkabel oder dem sogenannten „Vectoring“ Breitbandprodukte anbieten, sind die Außenbereiche schlecht versorgt. Daher haben die Bemühungen zunächst die am schlechtesten versorgten Gebiete im Fokus. Es wurde dafür ja auch ein eigener Verein, die „Teilnehmergemeinschaft Glasfaser Coesfeld e.V.“ , gegründet.

Sie setzen sich mit ganzer Kraft für den Ausbau der Breitbandversorgung, also schneller Internetverbindungen, ein. Warum hat das Thema aus Ihrer Sicht so eine Bedeutung?

Brebaum: Für mich als Wirtschaftsförderer gehört eine gute Infrastruktur für unsere Bürgerinnen und Bürger, aber vor allem auch für die Unternehmen zu den ganz wichtigen Standortfaktoren. Die Digitalisierung schreitet permanent voran; digitale Dienste werden zukünftig noch mehr als heute „unseren Alltag durchdringen“. Coesfeld möchte hier als moderne Stadt gut aufgestellt sein.

Was sagen Sie Internet-Nutzern, die mit ihrer Datengeschwindigkeit zufrieden sind und sogar Filme ohne Probleme schauen können, wenn die argumentieren: Uns reicht das doch?

Brebaum: Wer heute die Chance hat, einen Glasfaseranschluss zu bekommen, sollte zugreifen. Leider sind unsere Möglichkeiten als Stadt, flächendeckend für Glasfaser zu sorgen, zum Teil bereits aus rechtlichen Gründen eingeschränkt. Zusammen mit den Stadtwerken gibt es das Modell, dass in allen Außenbereichen Glasfaser ausgebaut werden kann, wenn sich die Bewohner aktiv mit einbringen. Dieser Zug rollt jetzt durch Coesfeld und niemand sollte ihn verpassen.

Was meinen Sie damit konkret?

Brebaum: Jeder braucht Breitband: Das fängt bei den Schularbeiten der Kinder an und hört beim Online-Fernsehen noch längst nicht auf. Anwendungen aus dem Bereich Gesundheitswesen sind erst noch in der Entwicklung und am Ende geht es immer auch um den Erhalt des Wertes der eigenen Immobilie. Ein Glasfaseranschluss wertet das eigene Haus nicht unwesentlich auf. In einem Vortrag habe ich kürzlich gehört: Wenn die Digitalisierung ein Menu im Restaurant ist, sind wir jetzt gerade erst beim „Gruß aus der Küche“.

Was bedeutet so ein Anschluss denn im Alltag für Privatleute und Betriebe?

Brebaum: Die Frage ist anders herum besser zu beantworten: Was geht jetzt oder zukünftig nicht ohne Breitband im Alltag: Datenübertragung, Echtzeit-Nutzungen, Streamen von Bildern und und und…. Wie gesagt, viele Nutzungen aus Bereichen wie Gesundheitswirtschaft oder Gebäudeautomation werden in den nächsten Jahren dazu kommen. Ohne Breitband hat man da das Nachsehen und kann das nicht nutzen. Ich befürchte da eine Zwei-Klassen-Gesellschaft, wenn nicht gegengesteuert wird.

Wie teuer wird der Spaß denn ungefähr, was die einmaligen Anschlusskosten und die laufenden Monatskosten anbelangt?

Brebaum: Die Teilnehmer in den Außenbereichen sind mit ca. 2000 Euro je Haushalt für einen Anschluss dabei. Das ist aber gut angelegtes und auf Jahrzehnte vernünftig angelegtes Geld.

In welchen Stadtgebieten ist der Ausbau nach Ihrer Einschätzung in den nächsten fünf Jahren möglich?

Brebaum: Leider gibt es in Deutschland keinen Universaldienst, d.h. die Verpflichtung eines Anbieters, überall Glasfaser auszubauen. Deswegen liegt der Glasfaserausbau in Deutschland hinter Ländern wie Island oder Slowenien zurück. Wenn sich jetzt - wie aktuell in den Außenbereichen - die Chance auf Glasfaser ergibt, muss man zugreifen. In Coesfeld haben die Bauerschaften Harle und Gaupel den Anfang gemacht. Nachfragebündelungen laufen zurzeit in Sirksfeld, Flamschen und Stevede. Jetzt im Januar geht’s in Stockum weiter. Weitere Bauerschaften sind auf dem Weg. In Lette ist in Absprache mit dem landwirtschaftlichen Ortsverein für Februar eine große Info-Veranstaltung geplant. Ich bin optimistisch, dass wir in den Außenbereichen in den nächsten zwei Jahren Glasfaser haben werden. In den Siedlungsgebieten in Coesfeld und Lette haben wir mit Vectoring und dem Fernsehkabelnetz einen Grundausbau. Wir sind auch hier sehr eng am Markt, um Chancen auf einen weiteren Ausbau im Blick zu haben.

An wen kann man sich wenden, wenn man Fragen hat oder Beratung möchte?

Brebaum: Wenn man im Außenbereich wohnt, empfehle ich, mit den Landwirtschaftlichen Ortsverbänden oder den Vertrauensleuten der Bauerschaften in Kontakt zu treten. Vielleicht kann eine Nachbarschaft den Start machen und einfach mal Interessierte „zusammen trommeln“. Wie das geht, haben hier schon viele Aktive vorgemacht. Nach meiner Wahrnehmung hilft man sich auch untereinander. Aber natürlich können auch die Vertreter der Stadtwerke-Tochter Omnion Auskunft geben. Bei der Stadt Coesfeld bin ich Ansprechpartner für das Thema. 7 Kontakt: Guido Brebaum, FachbereichsleiterBürgerservice, Wirtschaftsförderung, Stadtmarketing, Tel. 939-1020, E-Mail: guido.brebaum@coesfeld. de. 

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