Weitere archäologische Funde bei den Arbeiten in der Bernhard-von-Galen-Straße / Scherben und Tierskelette
Fässer und Mauern vor der Tiefgarage

Coesfeld. Spannende Geschichte unter der Erde in der Bernhard-von-Galen-Straße: „Hier“, sagt Archäologin Sarah Koppelmann und schabt in dem 1,70 Meter tiefen Graben vor der Marktgarge schwarze Erde zur Seite. „Hier liegt ein altes Holzfass.“ Es ragen Fasern hervor, man sieht ein rundes Gebilde. „Daneben sind noch zwei Fässer“, berichtet die Expertin. Gut möglich, dass an dieser Stelle früher einmal ein Handwerk ausgeübt wurde. Früher – vielleicht im 17. oder 18. Jahrhundert. „Gleich drei Fässer nebeneinander, das ist schon etwas Besonderes“, sagt Koppelmann.

Donnerstag, 08.02.2018, 07:30 Uhr

Viel zu tun hat Archäologin Sarah Koppelmann Vor der Marktgarage sind jetzt Mauerreste eines Hauses und gleich drei alte Holzfässer aufgetaucht. Foto: Viola ter Horst

Fein säuberlich zeichnet sich im Graben eine Mauer ab. Eine weitere aktuelle Entdeckung. Roter Ziegel. „Vermutlich Reste eines Bürgerhauses“, sagt Sarah Koppelmann und klappt einen Plan auf, auf dem eingezeichnet ist, wie es 1827 dort aussah – als es die Bernhard-von-Galen-Straße noch gar nicht gab: Mehrere Gebäude standen zwischen dem Jesuiten-Kloster (dem jetzigen Schloss), der Kirche und im Bereich der Marktgarage und gegenüber. Und ein bisschen davon kommt jetzt – bei den von den Archäologen und dem Landschaftsverband LWL begleiteten Rohr-Sanierungen der Stadtwerke – zum Vorschein.

Die aktuellen Funde haben zur Folge, dass sich die Bauarbeiten vor der Marktgarage etwas verzögern. Die Marktgarage wird noch nicht am Freitagmorgen, sondern voraussichtlich erst ab nachmittags wieder befahrbar sein.

Schon seit Beginn der Bauarbeiten sind die Archäologen dabei. „Inzwischen haben wir ganze Kisten an Material herausgeholt“, berichtet Koppelmann. Scherben von Gefäßen etwa. Ein besonders schönes Stück aus dem 17. Jahrhundert zeigt eine Abbildung, die noch die Beine von Jesus am Kreuz erkennen lassen. Auch Tier-Skelette entdeckten die Experten: „Darunter Teile von einem Rind und eine zerhackte Ziege aus dem Spätmittelalter“, erzählt Koppelmann.

Das meiste aber befindet sich verankert in der Erde und soll auch dort bleiben. „Wir messen aus, kartieren, fotografieren, zeichnen und stellen später 3-D-Modelle her“, erläutert die Expertin das weitere Vorgehen. „Und wir graben auch nicht tiefer als die Bauarbeiter.“ So kommen immer nur Teile von Mauern zum Vorschein – und tiefer liegende Gegenstände gar nicht.

„Wir haben entlang der Erdgasleitung eine spannende Stadt-Geschichte gefunden“, schmunzelt Koppelmann.

So sind bereits, wie berichtet, die Grundmauern des ehemaligen Jesuitenklosters ans Tageslicht gekommen. Und mehrere Fußböden, sowohl aus Sandstein als auch Ziegel.

Spätestens im Zweiten Weltkrieg sind fast alle Häuser zerbombt worden. Als die Straße entstand und schließlich die Marktgarage, sind die Reste endgültig in der Erde verblieben.

Ob die Funde und Dokumentationen öffentlich zugänglich gemacht werden, steht noch nicht fest. „Es hängt auch vom Interesse der Stadt ab, ob sie einen Platz im Museum bekommen oder vielleicht zusammen mit den Ergebnissen ausgestellt werden“, so Koppelmann. Genügend Material sei inzwischen aber vorhanden.

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