Besonders für Senioren entsteht künftig verstärkt Bedarf an Wohnungen / Nicht unbedingt preisgebunden Bitte klein und barrierefrei

Coesfeld. Günstige Wohnung gesucht? Nicht zu finden? Ist das tatsächlich so in Coesfeld – so wie in vielen größeren Städten?

Von Viola ter Horst
Besonders für Senioren entsteht künftig verstärkt Bedarf an Wohnungen / Nicht unbedingt preisgebunden: Bitte klein und barrierefrei
Nach wie vor ist die Nachfrage nach Eigentum hoch. Immer mehr gesucht sind aber auch kleinere Wohnungen. Foto: az

Nicht wirklich, zu diesem Schluss kommt Beigeordneter Thomas Backes, der Bedarf und Angebot an Wohnungen analysierte und im Fachausschuss vorstellte. „Die Situation in Coesfeld ist nicht mit der in Ballungszentren vergleichbar“, lautet sein Fazit. „Der Markt ist noch nicht deutlich angespannt.“ Als Quellen zog er Zahlen aus dem Wohnungsmarktbericht 2017 der NRW Bank, des statistischen Landesamts IT NRW und eigene Erhebungen heran.

-- Sind die Mieten für preisgebundene Wohnungen wirklich günstiger?

Ja, aber in Coesfeld ist der Unterschied nicht so groß. Die Mieten bei frei finanzierten Wohnungen liegen nicht erheblich höher als im preisgebundenem Wohnungsbau – wie der heutige Begriff für Sozialwohnungen lautet. Mittlerer Bereich, kein Neubau: 5,50 bis sechs Euro/qm kalt; Sozialwohnung: 5,55 Euro/qm. Aber: Die Mieten im unteren Bereich steigen deutlich stärker als die im höheren. Preisgebundener Wohnungsbau wirke sich preisstabilisierend aus, so Backes. Von daher kommt er zu dem Schluss, dass die Stadt entsprechende vorhandene Grundstücke verstärkt für diesen Bereich zur Verfügung stellen sollte. Mittelfristig sei der Wohnungsbau im preisgebundenen Segment zu unterstützen. - Welche Wohnungen werden in den nächsten Jahren besonders gesucht?

Kleine, barrierefreie Wohnungen, so schließt Backes aus der voraussichtlichen Entwicklung der Coesfelder Bevölkerung: „Wir werden künftig einen erheblichen Anteil an Rentnern und Älteren haben, mehr als in anderen Städten in NRW“, so Backes: Ein maßgebender Faktor für den Wohnungsmarkt bis 2040. 7 Wieviele Wohnungen gibt es?

Insgesamt ist die Anzahl an Wohnungen in Mehrfamilienhäusern seit 2007 gestiegen: von etwa 3500 auf 4300. Die Anzahl an preisgebundenen Wohnungen hingegen ist rückläufig: von über 1000 auf unter 900. „In den kommenden 15 Jahren wird der Bestand nochmals sinken, wenn es keinen Neubau gibt“, so Backes. Die Zahl der Ein- bis Zwei-Personenhaushalte sind in Coesfeld im Vergleich zu NRW noch unterdurchschnittlich vertreten – dies dürfte sich aber mit der Zunahme an Senioren ändern. -Und wie sieht es mit dem Einkommen aus?

2004 lag das verfügbare Einkommen in Coesfeld im Vergleich zu ähnlich großen Städten noch unterm Landesdurchschnitt, inzwischen aber deutlich darüber. Die Arbeitslosigkeit ist stark zurückgegangen, die Zahl der Empfänger von staatlichen Hilfen liegt noch unter dem Niveau von 2005. In 2017 gab es 890. - Wie sieht es mit Förderungen für Investoren für sozialen Wohnungsbau aus?

Die Förderung für sozialen Wohnungsbau werde aktuell eher geringer ausfallen, so Backes, da sich das Bedarfsniveau unterm Strich nicht erhöht. - Wieviel neue Wohnungen sind aktuell entstanden und sollen in nächster Zeit gebaut werden?

262 Wohnungen wurden zwischen 2015 und 2017 gebaut, für 197 gibt es konkrete Pläne und Bauanträge. 170 weitere sind angedacht oder wären mittelfristig möglich. „Für 2018 sollten davon rund 50 geförderte Wohnungen angepeilt werden“, so Backes. Dies werde auch durch Projekte wie Westfalia-Wohnpark (ehemaliges Fritzen-Gelände), Hengte, Bahnhofstraße / Gartenstraße und zwei weitere Projekte der Wohnungsbaugenossenschaft erreicht.

Unterm Strich, so Backes funktioniere der Markt derzeit. Was Eigentum angeht: Der Bedarf sei nach wie vor überdurchschnittlich hoch. Viele Menschen wollen bauen, denn gute Häuser seien zurzeit am Markt kaum zu bekommen. - Kommentar dazu in unserer Printausgabe.

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