Coesfeld Vom „Pling-“ zum Fürstenglöckchen

Coesfeld. Pling, pling, pling. Etwas dünn und scheppernd mischt sich am Sonntagmorgen ein Glockenklang in das Geläut der Evangelischen Kirche am Markt. Es ist die Glocke aus der einstigen Notkirche, die im Schlosspark zu einem ganz besonderen Gottesdienst ruft. Am Ende wird der Fürst zu Salm-Horstmar, dessen Familie sich aus historischen Gründen der Gemeinde besonders verbunden fühlt, ihr mit Unterstützung weiterer Sponsoren ein klangvolles Geschenk machen: ein Gestell für die kleinste, älteste und wertvollste Glocke im Kirchturm, die ihren schönen Klang erst dann wieder richtig entfalten wird. „Wir werden sie die Fürstenglocke nennen“, freut sich Pfarrerin Birgit Henke-Ostermann mit der Gemeinde.

Von Ulrike Deusch
Coesfeld: Vom „Pling-“ zum Fürstenglöckchen
Bringen nach dem Gottesdienst Kreuz und Glocke aus dem Schlosspark zurück in die Kirche: (v.l.) Christian Cesar und Frank Riemer ziehen den Bollerwagen, Detlef Scherle trägt das Kreuz voran. Fotos (2): ude Foto: az

Rund 350 Christen – auch Gäste aus den katholischen Gemeinden der Stadt – sind in den Schlosspark gekommen, um genau dort Gottesdienst zu feiern, wo bis vor 60 Jahren eine Baracke als erste Notkirche der Gemeinde gestanden hat, bevor die Gläubigen in die Evangelische Kirche am Markt umzogen. „Von der Baracke ins Barock“, heißt das Motto des festlichen Tages.

Mit weißer Farbe ist auf dem Rasen der Grundriss der Baracke markiert. Außer der Glocke steht das alte Holzkreuz von damals neben dem Altar. „Die Notkirche hat vielen Menschen Zuversicht und Hoffnung gegeben in einer schweren Zeit“, sagt Presbyter Frank Riemer, der mit Pfarrerin Gunda Hansen die Gottesdienstteilnehmer willkommen heißt. Das Thema „Hoffnung“ wird Hansen in ihrer Predigt wieder aufnehmen. Es bestimmt auch die Gebete und die Musik, die der Posaunenchor der Gemeinde und das Vokalensemble Anna Katharina gestalten.

Auf die Frage, wer die Zeit der Notkirche noch miterlebt habe, schnellen 40 bis 50 Finger in die Luft. „Die Erinnerung ist unter uns lebendig“, sagt Gunda Hansen und berichtet von Gesprächen, die sie mit Zeugen aus jener Zeit geführt hat: als die Notkirche rappelvoll war, als es noch Rivalität unter Protestanten und Katholiken gab, als Pfarrer Bunzel aus Breslau seine tollen Predigten hielt und als ein in der Gemeinde dafür bestens bekannter Mann jedes Gebet mit einem lauten „Amen“ beendete. Aber sie schaut auch in die Zukunft der Gemeinde: vielleicht eine Pfarrstelle weniger, Ökumene als Selbstverständlichkeit, Treffen der Gemeinde an vielen Stellen – auch im Netz. Das Kirchengebäude am Markt sieht sie aber weiterhin als zentralen Ort für die Gemeinde an: „Weil der Kirchenraum unsere Seele erhebt.“ Und so zieht die Gemeinde am Ende symbolträchtig mit Kreuz und Glocke aus dem Park in die Kirche.

Dann folgt das bunte Gemeindefest mit unterhaltsamen Aktionen, Zauberei und viel Gelegenheit zum Austausch. Am Abend füllt sich die Kirche wieder: zum Konzert mit Judy Bailey (Bericht folgt).

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