Interview mit Dr. Klaus Frommhold und Dr. Armin Wagner zum Vortrag am 15. November „Sodbrennen ernst nehmen“

Coesfeld. Am Mittwoch (15.11.) findet der Vortrag „Brennen in der Speiseröhre? Was tun bei Sodbrennen und Refluxkrankheit?“ des Gesundheitsforums Coesfeld statt. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr in der Familienbildungsstätte am Marienring 27. Der Vortrag ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Im Vorfeld des Vortrags führte AZ-Redaktionsmitglied Thomas Lanfer mit den beiden Referenten, Dr. med. Klaus Frommhold und Dr. med. Armin Wagner, folgendes Interview.

Von Allgemeine Zeitung
Interview mit Dr. Klaus Frommhold und Dr. Armin Wagner zum Vortrag am 15. November: „Sodbrennen ernst nehmen“
Foto: az

Herr Dr. Wagner, wie unterscheide ich als Betroffener zwischen gelegentlichem, harmlosen Sodbrennen und einer Reflux-Erkrankung?

Dr. Wagner: „Sodbrennen ist bereits Hinweis auf eine Reflux-Erkrankung. Diese gibt es in unterschiedlichen Abstufungen und Schweregraden, von leicht und gelegentlich bis schwer und mit permanenten Beschwerden.“

Herr Dr. Frommhold, bei Sodbrennen verwenden wir häufig rezeptfreie Medikamente zur Neutralisierung von Magensäure. Wie beurteilt der Mediziner diese Form von Selbstmedikation?

Dr. Frommhold: „Da ist im Grunde nichts gegen einzuwenden und aus ärztlicher Sicht erlaubt. Wichtig ist aber, zwischen harmlosen Beschwerden und Alarmzeichen als Hinweis auf ernsthafte Erkrankungen zu unterscheiden. Dies sind vor allem Schluckbeschwerden, Gewichtsabnahme und Hinweise auf Blutungen aus Speiseröhre oder Magen, wie Bluterbrechen oder schwarzer Stuhl, der sogenannte Teerstuhl. Im Zweifel und bei länger bestehenden Beschwerden sollte der Hausarzt aufgesucht werden.“

Herr Dr. Wagner, welche Diagnosemöglichkeiten gibt es für eine Reflux-Erkrankung?

Dr. Wagner: „Am Anfang steht immer die Erhebung der Krankengeschichte und wie der Patient seine Beschwerden beschreibt, die sogenannte Anamnese. Versuchsweise werden dann säureblockierende Medikamente verordnet. Ein Ansprechen der Beschwerden darauf gilt bereits als Hinweis auf eine Refluxerkrankung. Im weiteren Verlauf wird dann eine Magenspiegelung durchgeführt. Zudem können spezielle Untersuchungen der Speiseröhre folgen, hier vor allem die Druckmessung und die Messung der Säurekonzentration. Wichtig ist die Unterscheidung und Abgrenzung einer Refluxkrankheit von anderen Erkrankungen, die ähnliche Beschwerden hervorrufen können.“

Herr Dr. Frommhold, wann sind medikamentöse und wann invasive Therapieformen bei Reflux angezeigt?

Dr. Frommhold: „In der Regel und bei den meisten Betroffenen erfolgt eine Behandlung mit Magensäure-reduzierenden Medikamenten und die Anpassung der Lebensgewohnheiten. Bei Unverträglichkeit der Medikamente, Angst vor Nebenwirkungen, ausdrücklichem Patientenwunsch oder bei hohem Leidensdruck oder unzureichendem Ansprechen der medikamentösen Therapie ist gegebenenfalls eine operative Therapie angezeigt. Die Operation wird zudem empfohlen bei einem sehr großen begleitenden Zwerchfellbruch, der Hiatushernie. Oder auch beim Hochwürgen von Speisebrei, einer Verlagerung von großen Anteilen des Magens in den Brustkorb – dem Thoraxmagen oder auch upside down-Magen –, oder gegebenenfalls bei schwerwiegenden Begleitsymptomen, wie eine durch den Reflux ausgelöste chronische Bronchitis, Asthma und ähnliches.“

Herr Dr. Wagner, kann ich durch eine spezifische Ernährung den Krankheitsverlauf bei Reflux günstig beeinflussen?

Dr. Wagner: „Durch eine Änderung der Lebensgewohnheiten kann ich die Beschwerden günstig beeinflussen. Das ist vor allem das Weglassen Sodbrennen-auslösender Nahrungsmittel, z.B. scharf gewürzter Speisen, kohlensäurehaltiger Getränke, Kaffee, Fruchtsäfte, Wein, fettreiche Nahrung, Schokolade. Späte Mahlzeiten sollten unterbleiben. Häufig kann zudem eine Gewichtsreduzierung, falls Übergewicht vorliegt, die Beschwerden lindern.“

Herr Dr. Frommhold, warum sind ältere Menschen häufiger von Sodbrennen und Reflux betroffen?

Dr. Frommhold: „Nach unseren Beobachtungen liegt der Beschwerdegipfel eher in der mittleren Altersgruppe zwischen 30 und 60 Jahren und ist bei Älteren etwas rückläufig.“

Leserkommentare
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5285232?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F947601%2F1402610%2F