Verfahren gegen Flüchtling eingestellt / Vier Monate U-Haft 20-jähriger Mann hat mit Messer „herumgewedelt“

Gescher. Vieles blieb unklar im Prozess gegen einen 20-jährigen afrikanischen Flüchtling vor dem Amtsgericht in Borken. Am 16. August 2017 soll der junge Mann in Gescher mit einem Handy in der einen Hand und einem Messer in der anderen Hand schimpfend durch die Gegend gelaufen sein. Letztlich bedrohte er mit dem Messer zwei junge Männer. Das Handy hatte er gebraucht gekauft für 100 Euro. Da es nicht seinen Wünschen entsprach, wollte er das Geld wiederhaben. Die Tatvorwürfe lauteten deshalb auf gefährliche Körperverletzung und schwere räuberische Erpressung.

Von Elvira Meisel-Kemper

Beim Besuch einer Tankstelle und einer Pizzeria, hatte er laut Zeugen noch keinen mit dem Messer bedroht. Seine dritte Station war ein Betrieb in Gescher, wo er nacheinander zwei Menschen mit dem Messer bedrohte und tätlich angriff. Nach dem Angriff auf einen der beiden jungen Männer floh er, wurde von dem anderen Mann verfolgt und letztlich von der Polizei festgenommen. Seitdem saß der Afrikaner in Untersuchungshaft in der JVA in Herford. Mit Handschellen und Fußfesseln wurde er von Justizbeamten direkt in den Gerichtssaal geführt.

Was er gesagt haben soll, wurde nur in Bruchstücken deutlich, da der Angeklagte kein Deutsch sprach, sondern auf Englisch immer wieder von einem Handy und von 100 Euro gesprochen haben soll. Die Zeugen, die ihm an den drei Tatorten begegnet waren, konnten dagegen kaum Englisch, sodass auch diese Sprachbarriere die Aufklärung des Tathergangs behinderte.

Unklar blieb allerdings die Identität des Handyverkäufers. Der Angeklagte hatte den Namen eines jungen Mannes genannt, der im Zeugenstand den Verkauf glaubhaft abstritt.

Die beiden Handwerker in dem Betrieb kannten den jungen Mann. Ein Handy haben sie ihm allerdings nicht verkauft. Drei Mal habe der Angeklagte mit dem Messer „herumgewedelt“ ohne jegliche Stoßbewegung, sagte der zuerst bedrohte Mann aus. Durch das Gerangel habe er Abschürfungen und blaue Flecke erlitten, aber keine Schnittverletzung. Der hinzu geeilte Arbeitskollege des Bedrohten sagte aus, er habe auch Stoßbewegungen gesehen. Mit einer Eisenstange konnte er den Angeklagten vertreiben. Bei der Festnahme hatte der Angeklagte kein Messer mehr dabei.

Das Gericht war sich letztlich einig, das Verfahren ohne Auflagen einzustellen. Ein Grund war die Haftzeit von vier Monaten, für die der junge Mann keine Entschädigung beantragen dürfe. Die Angst, direkt in Abschiebehaft genommen zu werden, hatte ihm der Richter durch einen entsprechenden Anruf genommen. Danach stellte sich für den jungen Mann die Frage, wo er ein Dach über dem Kopf finden könnte. Doch das war nicht mehr das Problem des Gerichts.

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