Josef Schüttert reguliert die Population von Bisam und Nutria – und bildet auch aus / Stadtgebiet ist sein Bezirk Der „Rattenfänger“ von Gescher

Gescher. Nein, eine Flöte hat er nicht. Das wäre wohl des Klischees zu viel. Trotzdem muss sich Josef Schüttert spaßeshalber ab und zu mal den Vergleich mit dem Rattenfänger von Hameln gefallen lassen. „Dabei sind Bisams gar keine Ratten, sondern zählen zu den Wühlmäusen“, räumt der Experte mit einem weit verbreiteten Irrglauben auf. Der 74-Jährige ist einer von drei Bisam- und Nutria-Fängern in Gescher. Das Stadtgebiet zählt zu seinem Bezirk.

Von Florian Schütte
Josef Schüttert reguliert die Population von Bisam und Nutria – und bildet auch aus / Stadtgebiet ist sein Bezirk: Der „Rattenfänger“ von Gescher
Josef Schüttert hat vier verschiedene Fallenarten für die Bekämpfung der Bisam- und Nutria-Population: (v.l.) Haargreiffalle, zwei Bisamköderfallen, eine Nutria-Falle und die Kastenfalle für Lebendfänge. Foto: Florian Schütte

Zwischen 70 und 100 der unliebsamen Nagetiere fängt Schüttert im Schnitt pro Jahr. „Schwerpunkte sind vor allem der Bachlauf an der Alten Feldmark, der Felsbach in Capellen und die drei Siepen in Harwick“, weiß der Gescheraner, der seinen Sachkundenachweis für die zeitaufwendige Tätigkeit damals beim Kreis Borken erworben hat und seit mehreren Jahren auch selbst neue Fänger ausbildet. Die Population von Bisam und Nutria einzudämmen, sei wichtig, weil sie zum einen Böschungen zerstören und zum anderen enorme Schäden in der Landwirtschaft anrichten. „Nutrias können auch für Hunde gefährlich werden, weil sie sich im Fell verbeißen und den Hund unter Wasser ziehen“, erklärt Schüttert, der seit seiner Pensionierung vor zwölf Jahren im Geschäft ist. Zudem sind beide Arten aus Nord- (Bisam) und Südamerika (Nutria) eingeschleppt und somit von der Natur für die heimische Fauna nicht vorgesehen.

Auf die Spur kommt Schüttert den Nagern vor allem bei seinen Kontrollgängen. „Wobei die Landwirte mich mittlerweile kennen und schon mal anrufen.“ In seiner Garage hat Schüttert vier verschiedene Arten von Fallen. Die erste ist eine Köderfalle für Bisams und sieht aus wie eine überdimensionierte Mausefalle. Schüttert nimmt einen Maiskolben, steckt ihn auf die Haken und spannt die Falle. Zieht der Bisam nun an dem Köder – zack – schnappt die Falle zu, wie der Experte mit einem Haken per Fernauslöser demonstriert. „Die kriegen einen Schlag in den Nacken und sind sofort tot.“ Ähnlich, nur noch eine Nummer größer, funktioniert die Nutria-Falle. Denn während Bisams so groß werden wie ein Kaninchen, hat Schüttert schon Nutrias gefangen, die bis zu zwölf Kilo auf die Waage brachten. Außerdem gibt es noch die Haargreiffalle, die vor den Bau gestellt wird und zuschnappt, sobald das Tier unter ihr hindurchläuft oder -schwimmt und dabei mit dem Fell einen Draht berührt. Alle Fallen werden an eine Kette gelegt und im Boden verankert. Die vierte und größte ist die Kastenfalle, die im Gegensatz zu den anderen eine Lebendfalle ist. Läuft das Tier im Inneren über ein Trittbrett, fallen zu beiden Seiten die Klappen herunter. „Die hat den Vorteil: Wenn man einen Fehlfang hat, kann man ihn wieder laufen lassen. Denn wir haben ja in Gescher auch den Fischotter.“ Da Bisams und Nutrias Vegetarier sind, stellen die Köderfallen für den Otter und auch andere Tiere wie streunende Katzen keine Versuchung dar. Wegen des Fischotters brauche Schüttert für das Gebiet an der Berkel auch eine Sondergenehmigung vom Kreis, sodass er dort nur tätig werde, wenn Anwohner mit einer zunehmend hohen Population der Nager zu kämpfen haben.

Ein Ärgernis ist für Schüttert der Diebstahl seiner teuren Fallen. „Ein paar Fallen sind jedes Jahr weg“, sagt Schüttert, der selbst Jäger ist und die Tiere aus den Lebendfallen anschließend fachgerecht erschießt.

Ganz so wie beim Rattenfänger von Hameln läuft es also nicht. „Viele melden sich zwar auch, wenn sie Probleme mit Wanderratten haben, aber dafür habe ich keinen Sachkundenachweis“, sagt Schüttert und fügt an: „Will ich auch gar nicht haben, dann hätte ich nämlich gar keine Freizeit mehr.“

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