Gescher
Schöffengericht spricht Familienvater frei

Gescher/Borken (emk). Acht Zeugen machten vor dem Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Borken ihre Aussagen zu zwei schwerwiegenden Vorwürfen gegen einen 44-jährigen Familienvater aus Gescher. Er soll in den Herbstferien 2016 in seiner WhatsApp-Gruppe Bilder und Videos pornografischen Inhalts verbreitet haben. Zur Gruppe gehörten seine heute 35-jährige Ehefrau, sein heute 17-jähriger Sohn und einige Jugendliche, die damals erst 12 beziehungsweise 13 Jahre alt waren. Damit hätte er sich strafbar gemacht, da er pornografische Inhalte an Minderjährige weitergeleitet habe. Der zweite Vorwurf der sexuellen Tätlichkeit des Angeklagten gegenüber einem damals 14-jährigen Jungen und Mitglied der Gruppe brachte die Inhalte auch seinen Eltern zur Kenntnis. Die Eltern erstatteten daraufhin am 8. November 2016 Strafanzeige.

Freitag, 08.06.2018, 21:32 Uhr

Der Angeklagte wies beide Vorwürfe weit von sich. In diesem Zeitraum habe er mit seinen Rückenproblemen, einer Operation und einer Reha zu tun gehabt, die der Anwalt für diesen Zeitraum im Auftrag des Angeklagten nachweisen konnte.

Die Vernehmung des 14-jährigen Jungen, der vom Angeklagten einen sexuell motivierten Übergriff erduldet haben will, dauerte allein etwas mehr als eine Stunde. Der heute 16-jährige Junge schilderte den Sachverhalt, der sich im Zimmer des Sohnes des Angeklagten in dessen Beisein abgespielt haben soll. Danach habe der Junge im Bett des Sohnes gesessen, zugedeckt mit der Bettdecke. Er habe Videospiele gespielt, als der Angeklagte hereingekommen sei, sich mit entblößtem Unterleib auf ihn gesetzt habe und rhythmische Bewegungen gemacht habe. Der bedrängte Junge habe sich vor Angst unter der Decke verkrochen. Danach habe er fluchtartig die Wohnung verlassen.

Der Sohn des Angeklagten habe von diesem sexuellen Übergriff nichts mitbekommen, gab dieser im Zeugenstand an. Die Ehefrau und der Sohn hätten auch keine pornografischen Inhalte auf der gemeinsamen WhatsApp gesehen.

Auch die anderen Zeugen konnten keine definitiven Angaben zu beiden Anklagevorwürfen machen. Pornografische Inhalte hätten einige gesehen, aber weder angeschaut noch heruntergeladen, gaben sie als Zeugen an. Alle bestätigten, dass die Handys des Angeklagten und seiner Frau in der Wohnung frei zugänglich und ohne den Schutz eines Passworts rumlagen. Wer und wann welches Handy in der Hand hatte, war ebenfalls aufgrund widersprüchlicher Aussagen nicht mehr zu klären. Administrator jener WhatsApp-Gruppe wollte auch keiner sein. Der eindeutige englischsprachige Titel der Gruppe, der auf pornografische Inhalte hinweisen könnte, wurde als witzig heruntergespielt. Die Chatverläufe der Mitglieder der Gruppe wurden nicht gesichert und sind heute alle gelöscht. Nach über sechsstündiger Verhandlung kam das Gericht deshalb zu dem Schluss, den Angeklagten von beiden Tatvorwürfen freizusprechen.

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