Gescher Spannende Blicke in viele Gesichter

Gescher. Die Glocke stand bei der ersten Ausstellung in der Kunsthalle Hense (ehemaliges Kutschenmuseum) im März 2018 im Mittelpunkt. „Über 400 Besucher aus Gescher und anderen Orten von Münster bis Hamburg haben diese Ausstellung gesehen“, begrüßte Kunsthallen-Betreiber Frank Hense die Besucher zur Eröffnung der zweiten Ausstellung „face to face - Gesichter der Sammlung Hense“. Auch Bürgermeister Thomas Kerkhoff meldete sich zu Wort. Er finde es sehr spannend, an diesem Ort Wechselausstellungen zu erleben.

Von Elvira Meisel-Kemper
Gescher: Spannende Blicke in viele Gesichter
Beim Rundgang erläutert Kuratorin Jutta Meyer zu Riemsloh (im Vordergrund r.) dem Publikum die Entwicklungsgeschichte des Porträts in der Kunst. „face to face“ ist die zweite Ausstellung in der Kunsthalle von Frank Hense (rechts neben der Kuratorin). Foto: Elvira Meisel-Kemper

In enger Kooperation mit der Kunsthistorikerin Jutta Meyer zu Riemsloh entstand eine spannende Ausstellung zeitgenössischer Künstler, die nur ein Thema hat, der Mensch als Gesicht oder in ganzer Körpergestalt mit all seiner Expressivität, die durch die künstlerische Gestaltung manchmal sogar von der Realität abgekoppelt erscheint.

Meyer zu Riemsloh nahm die zahlreichen Besucher in ihrer Einführung mit auf eine Reise durch die Geschichte der menschlichen Darstellung in der bildenden Kunst. Werke von 26 Künstlern zeigen in der Ausstellung, was von dem neuzeitlichen Anspruch des Porträts auf Identifizierbarkeit der dargestellten Person übrig geblieben ist. Die Erfindung der Fotografie im 19. Jahrhundert und die Erfindung der abstrakten Kunst rund hundert Jahre später stellten ganz neue Ansprüche an die Darstellung des Menschenbildes oder des Porträts.

Justine Otto, Katharina Sieverding, Cornelia Schleime und Olaf Heine gehören zu den Künstlern, deren Werke in dieser Ausstellung wichtige Akzente setzen. Mit Sieverding und Heine sind die wohl bekanntesten Künstlerfotografien der Gegenwart zu sehen. Otto variiert ihre Kopfdarstellungen im großen Spannungsfeld zwischen expressiver Darstellung und fast süßlicher Harmonie. Das Geheimnis wird sichtbar bei naher Betrachtung. Meyer zu Riemsloh bezeichnet ihre Pinselführung als „wild“, ihre Farbigkeit als Hinwendung zur Malerei, deren Farbwerte sich von der Realität lösen. „Die Form der Porträts begleitet Justine Otto in ihrem Schaffen schon seit über zehn Jahren“, so Meyer zu Riemsloh.

Andere Bildsujets wecken durchaus unangenehme Gefühle. Cornelia Schleime malte einen schönen Frauenkopf, der unter dem Tschador nur notdürftig verhüllt ist. Mit ihrer rechten Hand zielt diese Frau mit einem Revolver direkt auf den Betrachter. Packend dynamisch und gleichzeitig erschreckend real fühlt man sich gegenüber diesem Gemälde direkt persönlich attackiert. Es ist nicht das einzige „face to face“-Kunstwerk, dem sich der Betrachter gegenübersieht.

7 bis 8. 9. sonntags von 14 bis 18 Uhr; Führungen: www.hense.art oder info@ hense.art.

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