Staatsschutz ermittelt Brandanschlag auf türkischen Kulturverein

Ahlen -

(Aktualisiert: 19.58 Uhr) Unbekannte haben in der Nacht zu Montag einen Brandanschlag auf den türkischen Kulturverein in der Rottmannstraße verübt. Die Ermittler sehen einen Zusammenhang mit einer bundesweiten Anschlagserie. Landesweit wurden inzwischen sämtliche Polizeieinheiten in höchste Alarmbereitschaft versetzt.

Von Ulrich Gösmann
Staatsschutz ermittelt: Brandanschlag auf türkischen Kulturverein
Die Rußspuren an dem Haus, in dem ein türkischer Kulturverein seinen Sitz hat, sind nach dem Brandanschlag deutlich zu sehen. Foto: Ulrich Gösmann

Der sichtbare Sachschaden ist gering, die Wirkung groß: Ein Brandanschlag auf den türkischen Kulturverein „Ülkü Ocagi“ an der Rottmannstraße hat in der Nacht zu Montag den Staatsschutz auf den Plan gerufen. Brandsätze, die an der Außenwand zündeten, sehen die Ermittler in Zusammenhang mit einer bundesweiten Anschlagserie, wie Andreas Bode, Sprecher des Polizeipräsidiums Münster, im Redaktionsgespräch erklärte.

„Gegen 2.10 Uhr sind Brandsätze gegen die Fassade geworfen worden“, so Bode. Wie viele, sei unklar. Ein weiterer Brandsatz durchschlug die Scheibe der Fahrertür eines schwarzen Mercedes, der vor der Eingangstür parkte. Der zündete allerdings nicht. Passanten hätten die Vermummten beobachtet und den Brand gleich gelöscht. Der Sachschaden sei nur gering, Verletzte gebe es nach dem gegenwärtigen Ermittlungsstand nicht, informierte der Polizeisprecher am Mittag.

Staatsschutz ermittelt

Da nicht auszuschließen sei, dass der Anschlag politisch motiviert sei, habe der Staatsschutz die Ermittlungen aufgenommen. Jetzt werde geprüft, inwieweit ein Zusammenhang zu bundesweit ähnlich gelagerten Straftaten vom Wochenende bestehe. Ziele waren unter anderem Moscheen sowie Kultur- und Freizeiteinrichtungen in Berlin-Reinickendorf, Meschede und Lauffen nahe Heilbronn. Die ersten eintreffenden Polizeikräfte aus Ahlen waren in der Nacht von Ermittlern des Staatsschutzes und der Kriminaltechnischen Untersuchung (KTU) aus Münster verstärkt worden. Tatvorwurf: versuchte schwere Brandstiftung.

Als „vollkommen inakzeptabel“ verurteilte Bürgermeister Dr. Alexander Berger am Mittag in einer ersten Stellungnahme den mutmaßlichen Brandanschlag. Gewalttaten seien kein Mittel der Auseinandersetzung. „Ahlen ist stolz auf seine lange demokratische Tradition, unterschiedliche Ansichten stets friedfertig und in Respekt vor dem Anderen auszutragen“, appellierte Ahlens Bürgermeister „an alle Menschen in der Stadt“.  Spekulationen über die Tatmotive wollte Berger nicht weiter kommentieren. Die Hintergründe der Tat müssten nun sorgfältig von Polizei und Staatsanwaltschaft ermittelt werden.

Stellungnahmen

Landrat Dr. Olaf Gericke zeigte sich am Nachmittag in einer Stellungnahme erschüttert: „Diese menschenverachtende Tat muss schnell aufgeklärt werden, damit die Täter zur Rechenschaft gezogen werden können. Gewalt darf bei uns im Kreis kein Mittel der politischen Auseinandersetzung sein. Ich setze auch weiter auf ein friedliches Miteinander im Kreis Warendorf.“

Die Kurdische Gemeinde Deutschland (KGD) äußerte sich „entsetzt“ über die jüngsten Anschläge. Bundesvorsitzender Ali Ertan Toprak erklärte am Montagvormittag in Gießen: „Wer auch immer hinter diesen Anschlägen und Gewaltaufforderungen steht, ob PKK-nahe Kreise oder der türkische Geheimdienst MIT, diese Form der menschenverachtenden Gewalt ist mit nichts zu rechtfertigen!“

Aufrufe zu Gewalt

In den sozialen Medien waren Schreiben aufgetaucht, in denen kurdische Jugendliche zur Gewalt gegen türkische Einrichtungen aufgerufen hatten. Darin waren europaweit radikale Aktionen angekündigt worden – mit der klaren Aussage: „Egal wie und egal was an diesem Tag brennt, Europa muss verstehen, dass wir nicht zulassen werden, dass Efrin fällt.“ KGD-Bundesvorsitzender Toprak appellierte an alle kurdischstämmigen Menschen in Deutschland, „sich von niemandem gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung instrumentalisieren zu lassen“.

Polizeieinheiten in Alarmbereitschaft

Landesweit wurden inzwischen sämtliche Polizeieinheiten in höchste Alarmbereitschaft versetzt. „Die PKK-Jugend hat im Internet zu radikalen Aktionen gegen türkische Einrichtungen und staatliche Institutionen in ganz Europa aufgerufen“, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) vor der Presse. Es müsse damit gerechnet werden, dass sich die Eskalation in der kurdischen Community weiter fortsetze.

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