Nachteinblicke
Töne, Licht, Wasser – alles fließt

Gronau -

Bei den Nachteinblicken versuche ich mich am „doppelten Rittberger“: Einerseits spiele ich beim Percussion-Ensemble der Musikschule mit, das an diesem Abend drei mal auftritt. Andererseits bin ich für die WN als Reporter unterwegs. So erlebe ich das Spektakel vor und hinter den Kulissen.

Montag, 17.03.2014, 18:55 Uhr

Das Ensemble rund um Musikschullehrer Andreas Hermjakob trommelt gleich zu Beginn der Nachteinsichten sprichwörtlich die ersten Gäste vor dem Drilandmuseum zusammen. Schnitt.

Trommel gegen Fototasche getauscht, steuere ich die St.-Antonius-Kirche an. Da tritt der Gospelchor „Soulful Swinging Singers“ auf, und die Hütte, Pardon, das Gotteshaus ist schon sehr gut gefüllt. „Wenn es Sie in den Händen juckt, klatschen Sie“, lädt eine Sängerin des Chors ein – und schon macht die Truppe ihrem Namen alle Ehre. Schnitt.

In der Ev. Stadtkirche ist die Beleuchtung so schön schummrig, dass ich mit meiner Kamera nicht viel ausrichten kann. Dazu passt die Musik von Julian Bohn (Piano) und Alex Florin (Gitarre). Die beiden spielen gerade einen jazzigen Tango. Cool! Schnitt.

Hermann Mensing unterhält im Glashaus das Publikum mit skurrilen Gedichten. „Der Mann hat kein Haar. Die Frau hat es ausgezupft – und Tee draus gekocht“, heißt es in einem davon. Später im Text verwurstet die Frau den Mann sogar . . . Der Dichter hat die Lacher auf seiner Seite – auch ohne Reime. Schnitt.

Auf dem Lage-Gelände radelt Otto Lohle durch die Nacht. Dafür, dass er die Nachteinblicke federführend organisiert hat, wirkt Lohle erstaunlich entspannt. „Läuft doch alles“, sagt er lässig. Dass der Wind der Wasserwand der Feuerwehr zu schaffen macht und das Wetter insgesamt nicht ganz mitspielt, entlockt ihm nur ein Schulterzucken.

Recht gibt Lohle die Situation im Drilandmuseum: Hier ist es um kurz nach 20 Uhr so voll, dass die Zuhörer bis ins Treppenhaus gedrängt stehen während drinnen der Männer-Popchor „Extraschicht“ unter dem Dino auftritt. Die beschwören „ Dat Wasser von Kölle“ ehe sie mit einer Version von Grönemeyers „Männer“ – a cappella und auf Spaß-Niederländisch – das Publikum im Handstreich für sich einnehmen. Damit ich mich nicht wieder durch die Menge drängeln muss, lässt Günter Vaartjes – quasi der Museumsdirektor – mich durch den Notausgang entschlüpfen.

Eine gute Gelegenheit, einen Blick auf die Wasserinstallation von Ralf Kötter und Heinz Paganetty zu werfen. Blutrot läuft das Wasser hier neben dem Mühlenensemble durchs Wehr. Ein Schelm, wer unweit der Bahnhofstraße Böses dabei denkt . . . Schnitt.

Die harmonischen Stimmen des Vokal-Ensembles „La Colombe“ füllen den Kirchenraum in St. Antonius. Ein Moment der Kontemplation – aber nur ein kurzer, der Wasserturm ruft. Schnitt.

Stadtwerke-Mitarbeiter Stefan Busch erkundigt sich vor dem Wasserturm, wie es drinnen aussieht. „Voll wie immer“, sagt eine junge Frau an der Einlasskontrolle. Das Publikum im Oberstübchen des Turms ist auf 30 Personen beschränkt. Auch von mir will sie den Presseausweis sehen – sagt sie im Spaß, lässt mich dann aber passieren. Auf leisen Sohlen steige ich über die Treppe nach oben. In dem runden Räumchen hat Hanspeter Dickel die Zuhörer in seinen Bann geschlagen, nimmt sie mit Klängen seines E-Pianos mit auf eine Reise in die Vergangenheit. Schnitt.

Aus der Stadtbücherei kommt mir ein Pärchen entgegen. Er fragt: „Und, wie findest du es bisher?“ Sie antwortet: „Schön!“ Drinnen bringen Landfrauen Pumpernickel-Häppchen an den Mann. Musik und buntes Licht fluten um die Wette durch die Regalfluchten. Die Stimmung ist unwirklich – auf eine aufregende Art. Schnitt.

Wieder die St.-Antonius-Kirche, jetzt begeistert Piotr Rangno hier sein Publikum mit seinem Akkordeon. Großes Kino! Schnitt.

Im Rock’n’Popmuseum ist die Luft zum schneiden. „Spielraum haben hier gerade ein bejubeltes Set abgeliefert. Jetzt bauen die „Locomotion Singers“ ihr Equipment auf, um die Zuhörer in die Hippie-Zeit mitzunehmen. Schnell mache ich noch ein paar Fotos, dann steht für mich wieder ein fliegender Wechsel an: Fototasche ablegen, Trommel anschnallen. Im Treppenhaus des Rockmuseums warten wir auf unseren Auftritt, bei dem wir einmal durchs Museumsfoyer marschieren werden. Eine Stunde später hauen wir im Glashaus ein letztes Mal auf die „Pauke“. Viele grooven mit, einige halten sich auch die Ohren zu – wir sind ganz schön laut . . .

Inzwischen hat es sich eingeregnet, aber das kann den Nachteinblicken jetzt nichts mehr anhaben: Längst hat sich das Publikum auf die Spielorte verteilt. „Spielraum“ geben im Glashaus ein weiters Mal ihren deutschen Songwriter-Pop zum Besten. Im Rockmuseum wummern Bässe aus den Boxen. DJ Florian Lösing legt hier auf. Schnitt.

Mich zieht es aber erneut in einen Kirchenraum: Das Klezmer-Ensemble „Bublishki“ spielt in der ev. Stadtkirche. Seine mal heiteren, mal melancholischen Klänge tragen mich in den Sonntagmorgen hinein. Was für eine Nacht . . .

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