Geplante Expansion von Wiesehoff „Keine schöne Aussicht“

Schöppingen -

Der Aktenordner ist inzwischen prall gefüllt. Anneliese Holste blättert durch Briefe und Pläne. Dann findet sie, was sie gesucht hat. „Ungefähr 80 Leute haben mitgemacht“, sagt sie und deutet auf eine Liste mit handgeschriebenen Namen und Adressen. Es sind Unterschriften von Nachbarn, die sich um die Zukunft ihrer Siedlung sorgen. Denn: Ihre Häuser liegen in direkter Nähe der Sahnemolkerei Wiesehoff in Schöppingen. Und die will expandieren.

Von Anne Alichmann
Diese Anwohner machen sich Sorgen um die Zukunft ihrer Siedlung (von links): Bruno Lammerskötter, Anneliese Holste, Ingrid Sickmann-Niehoff, Heinz-Hermann Niehoff und Jürgen Holste. Hinter ihnen stehen aber noch über 70 andere Schöppinger, die einer Betriebserweiterung der Firma Wiesehoff ebenfalls mit Bedenken entgegensehen.
Diese Anwohner machen sich Sorgen um die Zukunft ihrer Siedlung (von links): Bruno Lammerskötter, Anneliese Holste, Ingrid Sickmann-Niehoff, Heinz-Hermann Niehoff und Jürgen Holste. Hinter ihnen stehen aber noch über 70 andere Schöppinger, die einer Betriebserweiterung der Firma Wiesehoff ebenfalls mit Bedenken entgegensehen. Foto: Anne Alichmann

Der Plan: neue Lagerhallen, neue Tanks, neue Parkplätze, eine neue Annahmestelle für Rohmilch. Entstehen soll all das zum einen auf dem existierenden Betriebsgelände – das an Wohngebiete grenzt. Zum anderen will das Unternehmen sich auf eine Fläche auf der anderen Straßenseite ausdehnen. Die Nachbarn befürchten nicht nur zusätzlichen Lärm und mehr Lieferverkehr. Besonders ein vorgesehenes Hochregallager beunruhigt sie: Denn das soll 15 Meter aufragen – „keine schöne Aussicht“, bemerkt Anwohner Bruno Lammerskötter .

Ein weiterer Punkt, der die Anlieger sorgt: Damit der Betrieb sich ausdehnen darf, soll der Flächennutzungsplan geändert werden. Das Areal soll vom Gewerbegebiet in ein sogenanntes Sondergebiet umgewandelt werden. Die Nachbarn haben Angst vor den Auswirkungen: Wie sind die Vorgaben in einem solchen Gebiet? Gibt man dem Unternehmer damit womöglich eine Art Freibrief, auch für künftige Pläne? Ist das überhaupt alles rechtmäßig? Und: Ist auf die Angaben des Betriebs zu seinen Plänen Verlass?

Viele Fragezeichen – und wenige Antworten. Die Anwohner vermissen Transparenz. „Man spricht ja nicht mit uns“, beklagt Anneliese Holste . Um genauere Informationen zu erhalten, müssten sich die Anlieger schon selbst kundig machen. So hätten sie bereits Rat bei der IHK und bei der Handwerkskammer eingeholt. Die Molkerei selbst sperre sich gegen ein Gespräch.

Kompromiss wäre denkbar

Dabei sind die Anwohner nach eigenen Angaben zu Zugeständnissen durchaus bereit. Denn sie wollen die Firma „ja nicht kaputtmachen“ (Holste). Einige hätten ja schließlich selbst einen Betrieb im angrenzenden Gewerbegebiet. Der aktuelle Entwurf sei zwar nicht akzeptabel, ein Kompromiss aber denkbar. „Das Lager zum Beispiel könnte man doch auch in die Tiefe bauen“, schlagen die Anwohner vor. Um Lösungen auszuloten, müssten alle Seiten miteinander ins Gespräch kommen: „Wir sind dazu jedenfalls bereit.“

Die 80 Unterschriften von Anwohnern, die damit Bedenken gegen die aktuellen Pläne äußern, liegen der Gemeindeverwaltung vor. Die warte derzeit noch auf Stellungnahmen von Behörden und auf Gutachten, informiert Bürgermeister Josef Niehoff auf WN-Nachfrage. Zum Beispiel zu Lärm, Verkehr und Umweltbelastung. Auch die Frage, ob die Ausweisung eines Sondergebietes sinnvoll sei, müsse noch geklärt werden. Mit der Maßnahme soll sichergestellt werden, dass allein die Molkerei sich auf dieser Fläche ausbreiten könne. „Wir wollen dem Unternehmen, das 180 Arbeitnehmer hat, Bestandsschutz geben.“

Pläne werden noch einmal offengelegt

Wenn sämtliche Stellungnahmen und Einwände vorlägen, bespreche der Rat – wohl im April – noch einmal das Thema, erklärt Niehoff weiter. Über den Sommer würden die angepassten Pläne dann ein weiteres Mal offengelegt. Voraussichtlich im Herbst könne eine Entscheidung getroffen werden. „Es ist noch nichts festgeschrieben.“

Der Firmenchef Hubert Wiesehoff war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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