Enkeltrick macht verstärkt die Runde / Senioren immer wieder Opfer / Weißer Ring warnt vor fieser Masche „Du, ich brauche dringend Geld“

KREIS COESFELD. Es ist eine der perfidesten Arten, das Vertrauen der Menschen zu missbrauchen und ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen: der Enkeltrick.

Von Frank Vogel
Enkeltrick macht verstärkt die Runde / Senioren immer wieder Opfer / Weißer Ring warnt vor fieser Masche: „Du, ich brauche dringend Geld“
Das sollte man auf keinen Fall tun: Einem Unbekannten an der Haustür Bargeld überreichen. Beim Enkeltrick gehört genau das zur Masche der Kriminellen. Foto: Oliver Werner

Johannes Duda, Außenstellenleiter Coesfeld der Opferhilfe-Organisation Weißer Ring, hat immer wieder Fälle, in denen er die Opfer dieser kriminellen Masche betreut.

Havixbeck, Coesfeld, Südkirchen, Nordkirchen, Dülmen, Lüdinghausen, Rorup – und aktuell Senden. Eine 82-jährige Seniorin bekam den für den Enkeltrick typischen Anruf eines Betrügers: „Rate mal, wer hier ist.“ Sie vermutete einen Enkel, das Gespräch ging kurz hin und her. Am Ende war klar, der „Enkel“ brauchte dringend Geld. Nicht morgen oder übermorgen, sondern heute noch. Die gutgläubige Seniorin sah den jungen Mann in Not, hob 12 000 Euro ab und übergab es. Nein, nicht dem Enkel, denn dann hätte sie erkannt, dass der es nicht ist. Vielmehr hatte der „Schein-Enkel“ angekündigt, dass ein Freund das Bargeld abholen werde. „Das Geld sieht die Frau leider nie wieder“, vermutet Johannes Duda.

Die Ermittlungsarbeit der Polizei ist mehr als schwierig, die Täter telefonieren von Prepaid-Handys aus, sind nicht zurückverfolgbar.

Der Geldabholer parkt sein Auto zwei Straßen weiter, sodass auch hier nur in den seltensten Fällen Zeugen zu finden sind, die verwertbare Hinweise geben können. Wie kann das sein, dass man einem doch wildfremden Menschen so viel Geld gibt? Kürzlich hat eine 80-jährige Frau aus Laer auf diese Weise fast 45 000 Euro verloren. „Die Senioren – meistens sind es übrigens Frauen – werden massiv unter Druck gesetzt. Die Täter appellieren als ‚Enkel‘ oder ‚Neffen‘ an das gute Herz der älteren Leute.“

Im Fall der 82-Jährigen kam dann noch hinzu, dass nach dem Anruf des „Enkels“ ein weiterer folgte, in dem eine andere Person sich meldete und vorgab von der Polizei zu sein: „Wir haben das Telefonat mitgehört, es geht alles mit rechten Dingen zu.“

Der Täter, der das Geld abholt, stellt dann noch eine Quittung aus. „Aber die kann man auch gleich in den Papierkorb werfen“, sagt Johannes Duda. Sie ist wertlos.

Die Opfer sind, das weiß der Betreuer vom Weißen Ring, zutiefst getroffen. Zunächst ist da der immense materielle Verlust. „Die Täter verlangen immer nur hohe Summen, mit 1000 oder 2000 Euro gibt sich keiner ab.“ Dass das Geld in der Regel nicht für den eigenen Gebrauch, sondern für die richtigen Enkel gespart worden ist, kommt erschwerend hinzu.

Und dann ist das Vertrauen ausgenutzt worden, hat man sich verletzbar gezeigt. „Wir trösten die Opfer, versuchen zu helfen, aber oft ist die Hilfe von einem Fachmann vernünftig“, erzählt Johannes Duda.

Um nicht Opfer des Enkeltricks zu werden, hilft gesundes Misstrauen. Die Polizei hat eine Reihe von Tipps:

Seien Sie misstrauisch, wenn sich Personen am Telefon als Verwandte oder Bekannte ausgeben, die Sie als solchen nicht erkennen.

-- Geben Sie keine Details zu Ihren familiären oder finanziellen Verhältnissen preis.

-Halten Sie nach einem Anruf mit finanziellen Forderungen bei Familienangehörigen Rücksprache.

Übergeben Sie niemals Geld an unbekannte Personen.

Informieren Sie sofort die Polizei, wenn Ihnen eine Kontaktaufnahme verdächtig vorkommt. Die Notrufnummer ist die 110 (übrigens: Wenn die Polizei anruft, ist nie die 110 im Display – wenn dem so ist, ist ein Betrüger am Draht.

Johannes Duda, Außenstellenleiter Coesfeld, ist unter Tel. 0 25 02/22 36 09 und per Mail unter weisser-ring-coesfeld@web.de erreichbar.

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