Bis jetzt ein Luftschloss: Immer noch Ungewissheit über den Ausbau der Bahnstrecke Münster - Lünen Zweites Gleis bleibt Geduldsprobe

Kreis Coesfeld (ure). Das zweite Gleis auf der Bahnstrecke Münster - Lünen dümpelt weiter vor sich hin.

Von Allgemeine Zeitung
Bis jetzt ein Luftschloss: Immer noch Ungewissheit über den Ausbau der Bahnstrecke Münster - Lünen: Zweites Gleis bleibt Geduldsprobe
Ungewissheit herrscht nach wie vor darüber, ob und wann die Bahnstrecke Münster - Lünen ein zweites Gleis erhält, hier ein Abschnitt zwischen Ascheberg und Capelle. Foto: ure Foto: az

Entscheidungen darüber, wie es hier weiter geht, lassen nach wie vor auf sich warten. Im Juni hatte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann (CDU), angekündigt, die maßgebliche Wirtschaftlichkeitsberechnung „bis zum Jahresende“ abzuschließen. Doch dieser Termin wird nicht eingehalten. Wie das Berliner Ministerium auf Anfrage unserer Zeitung erklärte, dauere der Bewertungsprozess derzeit noch an. Ein neuer Termin, wann die leidgeprüften Pendler denn nun endlich mit Ergebnissen rechnen können, wurde nicht genannt.

Klar scheint bislang lediglich zu sein, dass man in Berlin nur noch einer abgespeckten Lösung mit zwei Teilabschnitten zwischen Amelsbüren und Davensberg sowie zwischen Werne und Lünen überhaupt irgendwelche Chancen gibt. Sowohl Ludger Wobbe (CDU) als auch Lambert Lonz (SPD) bezeichneten diese Mini-Variante gegenüber unserer Zeitung unabhängig voneinander beide wörtlich als „Kokolores“. Das sei blanker Unsinn, empörte sich Wobbe, der ebenso wie Lonz dem Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Münsterland (ZVM) angehört. „In Münster herrscht Notstand, da passt kein Auto mehr rein.“ Könnten die Menschen pünktliche und halbstündlich getaktete Züge nutzen, ließen sich wesentlich mehr Autofahrer zum Umstieg auf die Bahn bewegen – wobei der in Ascheberg wohnende Politiker neidisch ins benachbarte Drensteinfurt blickt, wo pro Stunde sogar drei Züge fahren.

Auf allen von Münster ausgehenden Bahnstrecken gibt es in der Hauptverkehrszeit einen Halbstundentakt, nur in Richtung Lünen nicht. Keinen Hehl macht Ludger Wobbe daraus, dass er den in Berlin angestellten Wirtschaftlichkeitsberechnungen „nicht traut“. Damit widerspricht das CDU-Kreistagsmitglied seinen im Bundestag sitzenden Parteikollegen, die sich voll hinter die Linie des Bundesverkehrsministeriums stellen, das einen Komplettausbau für „schlichtweg zu teuer“ hält. Sowohl im Nah- als auch im Fernverkehr liegt die Notwendigkeit eines Komplettausbaus für Wobbe „doch auf der Hand“. Genauso sieht das auch Lambert Lonz. Entscheidend sei nicht der Rechenschieber, sondern der Kopf der verantwortlichen Minister. „Will man es, oder will man es nicht?“.

Selbst ein Teilausbau dürfte aber noch lange auf sich warten lassen. Denn auch bei einer von Staatssekretär Ferlemann in Aussicht gestellten Höherstufung im Bundesverkehrswegeplan in den „Vordringlichen Bedarf“ wird das zweite Gleis wahrscheinlich eine Geduldsprobe bleiben.

Dr. Ulrich Conradi, Verbandsvorsteher des Nahverkehrs Westfalen Lippe (dem Dachverband des ZVM) ist in Medien mit seiner Einschätzung zitiert worden, wonach die Bagger auch bei einem Teilausbau frühestens 2030 am Bahndamm stehen werden. Diese Skepsis dürfte bei einem Blick in die Vergangenheit nicht ganz unbegründet sein. Denn schon von 2003 bis 2014 war das zweite Gleis mit dem Etikett „Vordringlicher Bedarf“ versehen, und das sogar als Komplettausbau. Und der schien dann am 31. März 2010 tatsächlich in Butter zu sein, als der damalige NRW-Verkehrsminister Lutz Lienenkämper (CDU) und die Deutsche Bahn auf einem Bahngipfel in der Düsseldorfer Staatskanzlei Brief und Siegel darauf gaben. Bis heute ist alles aber ein Luftschloss geblieben.

Leserkommentare
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5383822?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F947630%2F947662%2F