Wahlkreis-Abgeordneter Marc Henrichmann zieht Bilanz nach dreieinhalb Monaten im Bundestag Hoffen auf die „Teppichhändler“

Havixbeck. Eine neue Regierung gibt’s in Berlin noch nicht. Die Abgeordneten liegen trotzdem nicht auf der faulen Haut. Das versicherte CDU-Mann Marc Henrichmann gestern bei seiner ersten Bilanz-Pressekonferenz nach dreieinhalb Monaten im Bundestag im Café des Stifts Tilbeck in Havixbeck. Über eilbedürftige wichtige Themen wie Bundeswehreinsätze im Ausland sei schon entschieden worden. Für ihn gleich „dicke Brocken“: „Das ist schwierig, wenn man weiß, dass es da auch um Menschenleben geht. Da hebt man nicht so einfach die Hand.“

Von Detlef Scherle
Wahlkreis-Abgeordneter Marc Henrichmann zieht Bilanz nach dreieinhalb Monaten im Bundestag: Hoffen auf die „Teppichhändler“
Die Kaffee-Vielfalt der Rösterei des Stiftes Tilbeck begeisterte Marc Henrichmann am Rande der Pressekonferenz über die Bilanz seiner ersten dreieinhalb Monate in Berlin. Foto: Detlef Scherle

Er hat die Zeit aber auch für den Aufbau seines Berliner Büros genutzt. Erste Anschaffung war ein quietschgelbes Klappfahrrad für die kurzen Wege.

Am eigenen Leib hat der Politiker dann erfahren, wie angespannt der Wohnungsmarkt in der Hauptstadt ist. Erst kurz vor Weihnachten konnte er für die jährlich 20 Wochen, die er für Sitzungen in Berlin verbringt, eine kleine Zwei-Zimmer-Wohnung am Potsdamer Platz beziehen: „Nur 43 Quadratmeter. Aber groß genug, dass auch die Familie mal übernachten kann“, erzählt er.

Spannend wird für ihn nun der Januar. Nicht nur wegen der Frage der Regierungsbildung, sondern auch wegen der Aufgabenverteilung in der Fraktion. „Teppichhändler“ der Landesgruppen handeln derzeit nämlich aus, wer wo welche Schwerpunkte bearbeiten soll. Henrichmann hofft auf Sitz und Stimme im Innenausschuss. „Innere Sicherheit – das ist ganz klar ein Zukunftsthema“, meint er. Und dazu gehöre auch die enge Zusammenarbeit mit demokratischen Staaten außerhalb Europas. Der Havixbecker hat bereits mit einer Delegation der tunesischen Opposition über den demokratischen Aufbau in dem Land, die Terrorabwehr und Flüchtlingsfragen diskutiert. Auch mit dem armenischen Botschafter sprach er über die Stärkung der Demokratie.

Aktiv geworden ist der 41-jährige Jurist bereits im Parlamentskreis Mittelstand, der für die Belange kleiner, mittlerer und familiengeführter Unternehmen eintritt, sowie in der Arbeitnehmergruppe. Darin sieht er keinen Widerspruch – gerade auch mit Blick auf die Strukturen in seinem Wahlkreis. Zudem hat er seinem Vorgänger Karl Schiewerling versprochen, sich weiter um das soziale Projekt „Respekt“ zu kümmern, bei dem Sozialpädagogen (im Kreis Coesfeld in Trägerschaft des Kolpingwerks) sich um sonst für staatliche Hilfe nicht mehr erreichbare Jugendliche bemühen.

Solche niedrigschwelligen Angebote sind es, die Henrichmann statt der Sozialpolitik „mit der Gießkanne“ für sinnvoll erachtet. Stark macht er sich deshalb auch für eine dauerhafte Förderung des Projektes „Kompass“ des „Bunten Kreises Münsterland“, das Eltern chronisch kranker und behinderter Kinder psychologische Beratung anbietet.

Innovationen fördern – das ist für Henrichmann ein weiterer Schwerpunkt. So habe zum Beispiel ein Startup aus Nordwalde eine App entwickelt, die Manipulationen an Auto-Tachos aufdeckt. Da hake es noch am Datenschutz. Henrichmann setzt sich für das Unternehmen beim Ministerium ein. In Osterwick will ein Landwirt einen modernen artgerechten Rundstall für Legehennen nach holländischem Vorbild bauen. Auch er stößt auf bürokratische Hemmnisse, die Henrichmann nun beiseite räumen helfen will.

Ob es bald eine Regierung geben wird, ist noch unklar. Die Arbeit, das steht jedenfalls fest, wird ihm, auch wenn das noch länger dauern sollte, nicht ausgehen.

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