Wie ein Asperger-Autist mit Hilfe eines Schulassistenten der Caritas den Unterrichtsalltag meisterte
Mega-schlau – aber total chaotisch

Kreis Coesfeld. Jannick (Name von der Redaktion geändert) war von Anfang an ein besonderes Kind: hochintelligent, aber, was seine Selbstorganisation angeht, völlig chaotisch. Nie hat er die richtigen Schulsachen parat. Auch fällt es dem Nordkirchener, der derzeit die Jahrgangsstufe 11 der dortigen Gesamtschule besucht, schwer, soziale Kontakte zu knüpfen und Freundschaften zu pflegen. Der 16-Jährige ist ganz auf sich bezogen. Das alles ist typisch für das Asperger-Syndrom, eine gemäßigte Ausprägung des Autismus. Bei Jannick wurde es erst diagnostiziert, als er in die Grundschule kam, erzählt seine Mutter. Vorher war er „bei allen Kinderärzten irgendwie durchgerutscht“. Sie war damals ziemlich verzweifelt. Sie wusste schon länger, dass ihr Junge „irgendwie anders“ war. Konnte sich aber keinen Reim drauf machen. „Schon mit vier Jahren konnte er bis 100 zählen.“

Sonntag, 11.02.2018, 09:22 Uhr

Foto: az

In der Schule machte die Lehrerin die 48-Jährige darauf aufmerksam, dass es für solche Kinder eine besondere Unterstützungsmöglichkeit gibt: die Schulassistenz. Pädagogische Fachkräfte begleiten die Kinder im Unterricht, helfen ihnen dabei, all das geregelt zu bekommen, was ihnen schwer fällt. Ab der zweiten Klasse bekam er diese Unterstützung – von einem Mitarbeiter der Caritas. Ansonsten hätte Jannick wohl eine Förderschule besuchen müssen. „Aber dort wäre er untergegangen, hätte sich völlig unterfordert gefühlt“, ist sich seine Mutter heute sicher.

Sie ist dankbar für die Schulassistenz, die in ihrem Fall Mitarbeiter der Caritas wahrnahmen. Unter anderem half der Heilerziehungspfleger Silas Beinhauer (32), der heute Leiter des Dienstes ist, drei Jahre lang Jannick im Unterricht. „Ich löste für ihn nicht die Aufgaben, sondern half ihm, sich zu strukturieren, zum Beispiel jeweils die richtigen Lernmaterialien parat zu haben“, lächelt er – wohlwissend, dass das auch andere Kinder manchmal dachten und den Mitschüler deshalb hänselten: Er habe ja seine guten Noten „nur wegen der Unterstützung von Silas“. Mobbing spielte immer wieder eine Rolle im Laufe der Schulzeit von Jannick. Beinhauer half da stets, Brücken zu bauen, um Verständnis für das Anderssein seines Schützlings zu wecken. Bei den Schülern. Aber auch bei den Lehrern. 25 Stunden war er jede Woche im Unterricht dabei – soviel waren von den Behörden bewilligt worden. „Das sind immer Einzelfallentscheidungen“, erklärt Beinhauer.

„Die Assistenz war sehr hilfreich“, blickt Jannicks Mutter zurück. Ihr Sohn sei „ganz toll begleitet worden“, spricht sie ein Lob für Beinhauer und eine Kollegin der Caritas aus. Das hatte „was ganz Warmherziges“: „Die Chemie stimmte einfach.“ Jannick geht nun auf sein Abitur zu. Die Oberstufe muss er allein bewältigen – die Schulassistenz ist ausgelaufen.

Als sie begann, war er noch einer von wenigen Fällen bei der Caritas. „Damals betreuten wir zwei bis drei Kinder“, berichtet Beinhauer. Heute seien es aktuell 26. Und es gibt noch eine Reihe weiterer Träger. Durch die Inklusion sei das Aufgabengebiet enorm gewachsen. Viele Kinder mit Traumatisierungen, die meist in Pflegefamilien leben, würden begleitet.

7 „Gerne informieren wir Eltern, die sich eine Schulassistenz für ihr Kind vorstellen können und beraten sie bei der Antragstellung“, so Beinhauer. Er ist unter 2 02591 / 208883-4401 und beinhauer@caritas-coesfeld.de zu erreichen.

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