200 Meter hohe Windräder „Landschaftliche Katastrophe“

Lienen/Glandorf -

Eine „landschaftliche Katastrophe“ sei es. Finanzielle Interessen spielten eine große Rolle. Der Schutz der Landschaft und die „landschaftsorientierte Erholung“ blieben auf der Strecke, monieren die Politiker. Mit ihren Bedenken und Anregungen wollen sie deshalb nicht hinterm Berg halten. Glandorf plant direkt an der Grenze zu Lienen 200 Meter hohe Windräder.

Von Sigmar Teuber
Bis zu 200 Meter hohe Windräder will Glandorf unmittelbar an der Gemeindegrenze zu Lienen erlauben.
Bis zu 200 Meter hohe Windräder will Glandorf unmittelbar an der Gemeindegrenze zu Lienen erlauben. Foto: dpa

Auslöser des Unmutes der Fraktionen im Umwelt-, Planungs- und Bauausschuss ist eine geplante Änderung des Flächennutzungsplanes der Gemeinde Glandorf zur Ausweisung von fünf Sonderbauflächen für Windenergieanlagen mit einer Gesamtfläche von rund 174 Hektar. Rund 119 Hektar der vorgesehenen Flächen grenzen nach Auskunft von Günter Glose vom Fachbereich Bauen und Planen unmittelbar südlich an die Gemeindegrenze von Lienen .

„Im Zusammenhang mit der Baugenehmigung für drei bestehende Anlagen hat die Gemeinde seinerzeit Widerspruch erhoben, unter anderem mit der Begründung, dass sich die Anlagen negativ auf das Landschaftsbild und insbesondere auf den Fernblick des Teutoburger Waldes auswirken“, erinnerte Glose. Außerdem würde die Erholungsfunktion der Landschaft beeinträchtigt und stünden „faunistische Gründe“ dem Bau entgegen. Der Widerspruch sei erfolglos geblieben.

Heute bestehende Anlagen auf Glandorfer Gebiet hätten Höhen von 150 Meter. Es sei damit zu rechnen, dass neue Windräder diese übersteigen und bis zu 200 Meter hoch sein würden. Dies könne nachts eine „zusätzliche Befeuerungsebene am Turm und eventuell sogar an den Rotorflügeln“ erforderlich machen.

„Jetzt nicht auch noch rote Spitzen“ lautete der Stoßseufzer eines Ausschussmitgliedes. „Man muss die heute maximale Höhe beibehalten“, forderte ein anderer. Kein Wunder also, dass die Gremien einstimmig für eine Stellungnahme der Gemeinde Lienen zu den Glandorfer Plänen votierten. Das umfangreiche Schreiben soll fünf Punkte umfassen.

Zwar werde in den Unterlagen der Planer festgestellt, dass Bereiche zum Schutz der Landschaft durch den Neubau von Windkraftanlagen nicht betroffen seien. Dies müsse jedoch durch die Gemeinde Glandorf nachgewiesen werden, fordern Lienens Politiker.

Im Landschaftsplan sei ein Bereich südlich des Mühlenbachtals als Landschaftsschutzgebiet festgesetzt. Unabhängig davon, dass der Kreis Steinfurt als Untere Landschaftsbehörde die Einhaltung dieser Festlegung bewerten werde, verlangt die Gemeinde Lienen im weiteren Verfahren einen „Nachweis für die Unterlagen“, dass diese Festsetzungen eingehalten werden.

Einen genaueren Nachweis fordert die Politik auch dafür, dass „im unmittelbar angrenzenden Bereich der Gemeinde Glandorf keine faunistischen Gründe gegen die Errichtung von Windkraftanlagen sprechen“.

Vor allem wegen des Fernblicks auf den Teutoburger Wald fordert Lienen, dass die Höhe der möglichen Anlagen überprüft und eine Maximalhöhe festgesetzt werden. Zu gewährleisten sei auch, dass Bewohner und Erholungssuchende nicht durch Lärm und Schattenwurf beeinträchtigt würden.

Eine Erschließung während der Bauzeit der Anlagen dürfe nicht über Straßen und Wirtschaftswege der Gemeinde Lienen erfolgen.

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