Beitragskosten für die Haftpflicht-Versicherung kommen einem Berufsverbot gleich
Hebammen stehen vor dem „Aus“

lengerich -

Im eigentlichen Sinne sind Hebammen Geburtshelferinnen, etymologisch sind sie „Großmütter, die Neugeborene heben“. Was aber, wenn diese Kernaufgabe aus Kostengründen einfach wegfällt? Der Beruf der Hebammen steht auf dem Prüfstand. Schon seit Jahren steigen die Versicherungskosten für freiberufliche Hebammen immer weiter an.

Dienstag, 18.03.2014, 14:24 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 18.03.2014, 07:33 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 18.03.2014, 14:24 Uhr

Im eigentlichen Sinne sind Hebammen Geburtshelferinnen, etymologisch sind sie „Großmütter, die Neugeborene heben“. Was aber, wenn diese Kernaufgabe aus Kostengründen einfach wegfällt?

Der Beruf der Hebammen steht auf dem Prüfstand. Schon seit Jahren steigen die Versicherungskosten für freiberufliche Hebammen immer weiter an. Seit die Nürnberger Versicherung für Juli diesen Jahres ihren Ausstieg aus dem Konsortium verkündet hat, steht ein ganzes Gewerbe nun endgültig vor dem Aus: ab Sommer werden für die gesetzlich verpflichtende Haftpflichtversicherung rund 5000 Euro fällig – eine Summe, die eine Hebamme bei einem durchschnittlichen Monatsverdienst von 1800 Euro unmöglich alleine stemmen kann.

Schadensfälle bei der Geburt kommen zwar weniger häufig vor, werden durch aufwendige Gerichtsprozesse jedoch immer kostspieliger. Viele Hebammen sehen sich deshalb schweren Herzens gezwungen, ihren Job – für sie meist mehr Berufung als Beruf – aufzugeben. Hebamme Eveline Buchwald aus Tecklenburg ist alleinerziehend, sie hat zwei Kinder, ein Haus abzubezahlen. Sie erwägt jetzt, in die Schweiz auszuwandern. Dort wird Hebammen die Versicherung noch gewährt. Andernfalls sieht sie keinen anderen Weg, als einen neuen Beruf auszuüben.

Auch Michaela Plantholt beschränkt sich mittlerweile auf die umfassende Betreuung der Mütter vor und nach der Geburt. Geburten werden nämlich pauschal bezahlt und nicht nach Stunden – bei Wehen über oftmals 24 Stunden lohnt sich das einfach nicht. Auch wenn sie den Frauen Tag und Nacht zur Seite steht, ist Michaela Plantholt auf einen Zweitjob angewiesen, um über die Runden zu kommen.

Dass die freien Hebammen für ihre gering entlohnte Arbeit oft rund um die Uhr auf den Beinen sind, zeigte sich schon bei der Recherche für diesen Artikel: kaum eine war tagsüber telefonisch zu erreichen. Schwangerschaftsgymnastik, Vorbereitungskurse, Hausbesuche: die freiberuflichen Hebammen sind überaus gefragt. Es wäre ein großer Verlust, wenn es diesen Beruf vielleicht bald nicht mehr geben würde.

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