Diagnose Rahmenbruch
Der Fahrrad-Check für den Frühling: Drahtesel sollten nach dem Winter überprüft werden

Ochtrup -

Fahrräder leiden im Winter. Egal, ob Kälte und Salz oder monatelanges Stehen im staubigen Keller – beides tut den Rädern nicht gut. Deshalb sollten sie zum Frühjahr hin durchgecheckt werden. Auch die Volontärin des Tageblatts hat ihr Fahrrad zur Inspektion gebracht. 

Dienstag, 18.03.2014, 16:43 Uhr

Die ersten Worte des Zweiradmechanikers beim Anblick des Fahrrads der Volontärin: „Ach, du heiliger Strohsack.“ Und auch der zweite Blick von Sebastian Schlattmann lässt nichts Gutes ahnen. Seine Diagnose ist eindeutig: Rahmenbruch . Eigentlich sollte der treue Drahtesel fit gemacht werden für das Frühjahr. Doch in diesem Fall ist es wie so oft: Der Aufwand einer Reparatur und die dadurch entstehenden Kosten übersteigen den Wert des Rades.

Das der Drahtesel der Volontärin ist in diesen Tagen nur einer von vielen. Vor der Werkstatt von Zweiradmechaniker-Meister Norbert Scheipers stehen sie dicht an dicht und warten auf Reparatur. „ Fahrräder knallen im Moment“, sagt er und wendet sich wieder einem anderen „Patienten“ zu. Der ist zwar ebenfalls arg in die Jahre gekommen und zudem reichlich verstaubt, doch anders als beim Vorherigen besteht noch Hoffnung. Das Standard-Hollandrad hat den Winter in der Garage verbracht. Scheipers prüft deshalb zunächst einmal die Bereifung. „Vom Stehen können die Reifen leicht porös werden“, weiß der Fachmann. Er empfiehlt daher ein Fabrikat mit einer Pannenschutzeinlage, die verhindert, das Reißzwecken oder Nägel ernsthafte Schäden anrichten. Zurück zum Patienten. Dessen Kette hat im Winter ebenfalls gelitten und muss durchgespannt werden. Der Meister kontrolliert außerdem die Schaltzüge und fettet sie durch.

Vom Stehen können die Reifen leicht porös werden.

Norbert Scheipers

Ach ja, und geputzt werden müsste das gute Stück eigentlich auch mal wieder. Zwar hat es durch seine Winterunterkunft in der Garage kaum Salz und Straßendreck abbekommen, aber die Staubschicht, die sich über das Gestänge zieht, und auch die Spinnweben zwischen den Speichen beeindrucken. „Wir putzen auch Fahrräder“, lacht Schlattmann. Der Zweiradmechaniker empfiehlt für das Reinigen der Drahtesel zu Hause, Wasser und Lappen. „Zum Abschluss sollte der Lack mit einem Radglanz versiegelt werden“, so Schlattmann. Dann fallen weitere Putzaktionen am Drahtesel deutlich leichter aus.

Ganz wichtig, ist ihm und seinem Meister die Verkehrstüchtigkeit der Räder. Neben der Lichtanlage sollten vor allem die Bremsen einwandfrei funktionieren. „Auch im Sommer fährt man mal im Dunkeln nach Hause“, weiß Scheipers, dass die Funktionstüchtigkeit der Lichtanlage vor allem in der warmen Jahreszeit gerne mal hintenan gestellt wird. Der Zustand der Räder, die Meister Scheipers und sein Angestellter zur Reparatur bekommen, ist durchwachsen: Von top gepflegten Exemplaren – hier sind es nicht selten die E-Bikes – bis hin zu den ganz hoffnungslosen Fällen (siehe das Rad der Volontärin).

Doch auch an dieser Stelle weiß der Zweiradmechaniker Rat und bietet geschäftstüchtig wie er ist, auch gebrauchte Drahtesel an. Bei den neueren Modellen sind ähnlich wie im vergangenen Jahr die farbenfrohen Nostalgieräder im Trend. Außerdem läuft das Geschäft mit sportlichen Tourenrädern an. „Die Leute möchten ihr Fahrrad auch für die Fitness nutzen“, weiß Schlattmann.

Weiterhin im Trend liegen E-Bikes. Gerade bei letzteren empfiehlt der Zweiradmechaniker das Tragen eines Helms. „Die sehen heute auch nicht mehr so doof aus wie früher“, schmunzelt der 24-Jährige über optische Bedenken seiner Kunden. Er geht selbst mit gutem Beispiel voran und trägt beim Fahrradfahren einen Helm. „Die Sicherheit wird immer mehr geschätzt“, berichtet sein Meister aus Kundengesprächen. Wichtig sei, dass der Kopfschutz passt. Bei Farbe und Form haben Radler die Qual der Wahl. „Für einen qualitativ hochwertigen Helm sollte man aber schon 50 bis 70 Euro ausgeben“, empfiehlt Scheipers. Besagte Helme gibt es für Kleinkinder ebenso wie für Erwachsene. Teilweise sind sie mittlerweile mit einem Regenschutz oder einer zusätzlichen Beleuchtung ausgestattet. Doch ganz abgesehen von optischen Details ist der Helm in erster Linie zum Schutz des Kopfes gedacht. „Wer mit dem Fahrrad an einem Verkehrsunfall beteiligt ist und ohne Helm eine Kopfverletzung davonträgt, bekommt in vielen Fällen eine Teilschuld“, weiß Schlattmann. Er rät seinen Kunden aller Altersklassen deshalb immer häufiger zum Helm.

Inzwischen ist die Behandlung des Patienten abgeschlossen. Sein Besitzer darf jetzt ohne Bedenken in die Fahrradsaison starten. Anders ergeht es da der Volontärin. Sie hat ihr Rad sicherheitshalber erst einmal stehen lassen. Mit einem Rahmenbruch ist schließlich nicht zu spaßen, sagen die Zweiradmechaniker.

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