Kirchengemeinde strafft Gottesdienst-Plan „Pensum ist nicht mehr zu schaffen“

Tecklenburg/Ledde -

Ein Pensum, das bislang drei Pastöre und eine Vikarin gestemmt haben, ist von zwei Geistlichen allein nicht zu schaffen. Nach dem Weggang von Erich Schwager aus Brochterbeck und dem Ausbildungsabschluss von Esther Witte sind Ulrike Wortmann-Rotthoff und Björn Thiel allein zuständig für die evangelische Kirchengemeinde. Die Folge ist eine Reduzierung der sonntäglichen Gottesdienste.

Von Ruth Jacobus
Auch in der Stadtkirche Tecklenburg wird die Zahl der Gottesdienste reduziert.
Auch in der Stadtkirche Tecklenburg wird die Zahl der Gottesdienste reduziert. Foto: Ruth Jacobus

Im Rahmen einer Gemeindeversammlung informierten die beiden Pfarrer am Sonntag über das neue Gottesdienst-Modell. Moderiert wurde der Nachmittag von Superintendent André Ost. Presbyter Michael Wegers präsentierte Zahlen.

Das Pensum sei mit zwei Personen nicht zu bewältigen“, waren sich Ulrike Wortmann-Rotthoff und Björn Thiel einig und setzen mehr auf Qualität als auf Quantität.

Das Presbyterium hat ein Gottesdienst-Programm erarbeitet mit 155 Sonntags-Terminen. Jeweils in zwei der vier Kirchen ist sonntags Gottesdienst. „Das ist immer noch eine stattliche Anzahl“, betonte Thiel.

Superintendent André Ost hob hervor, dass sich nach dem Zusammenschluss der vier Kirchen zu einer Gemeinde im Jahr 2008 personell nicht viel verändert habe. Die Folgen würden erst jetzt deutlich. „Man merkt auf einmal: Es tut richtig weh.“ Eine Alternative zur nun getroffenen Regelung sehe er aber nicht, zumal man immer weniger auf den Entsendungsdienst zurückgreifen könne. Zudem seien auch die Pfarrer im Ruhestand „ganz gut beschäftigt“.

„Unsere Kapazitäten sind begrenzt“, stellte Thiel fest. Offen sei man dafür, wenn andere Dinge wie kirchenmusikalische Andachten ohne Pastor durchgeführt würden. „Wenn sich Leute dafür finden.“

In der Diskussion wurde eines deutlich: Die Sonntagsgottesdienste liegen den Menschen am Herzen. Sie seien eine der wichtigsten Säulen, meinte Frank Bosse. „Der Plan macht mich sehr, sehr unglücklich.“ Er regte an darüber nachzudenken, wie die Pfarrer bei ihren anderen Tätigkeiten entlastet werden könnten. Und er kritisierte, dass die Gemeindeglieder nicht früher mit einbezogen worden seien in den Veränderungsprozess.

Damit stand er nicht alleine da. „Es ist falsch gelaufen, von oben nach unten“, bemängelte Hans-Georg Schütz. Auch Klaus Martin Lausberg sah die zentrale Frage darin. „Ich hätte gerne im Vorfeld mitberaten.“ Verständnis äußerte er aber für das Presbyterium. „Mängelverwaltung ist immer unangenehm.“ Und: „Auch ein Pfarrer ist ein Mensch, der nicht überlastet werden darf.“ Er sehe nur die eine Möglichkeit, das Ehrenamt zu stärken, um die Pfarrer zu entlasten.

Die Frage, warum die Gemeindeglieder erst jetzt mit einbezogen würden, beantwortete Ulrike Wortmann-Rotthoff. „Wir waren zu blind und vor allem viel zu ängstlich“, gab sie unumwunden zu. Im Vorfeld hätten gerade diejenigen gemeckert, die höchstens Heiligabend in die Kirche gehen. Gemeckert wurde in der Gemeindeversammlung dagegen nicht. Es gab zwar Kritik, aber auch Verständnis, die Bereitschaft zu helfen und Ideen zu entwickeln.

„Wir sind doch noch die Kirche von unten nach oben“, befand Klaus Martin-Lausberg. Und André Ost versicherte, sie sei angekommen, die Botschaft „Habt doch keine Angst vor uns.“

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