Literarischer Spaziergang von Säge bis Brecht
Die „Mutti-Bräu“-Wirtin

Oelde-Stromberg -

Irgendwie ist sie immer noch die „Mutti-Bräu“-Wirtin, obwohl sie die Schwabinger Kultkneipe schon lange nicht mehr führt. Aber wenn Marianne Sägebrecht sich über den Lesungstisch lehnt wie über eine Theke, munter schwa­droniert, humorvoll erzählt und zwischendurch auch mal gekonnt rezitiert, dann weiß man, warum viele angesagte Künstler der 70er Jahre zu ihren Stammgästen zählten.

Dienstag, 18.03.2014, 10:04 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 18.03.2014, 10:04 Uhr

Die knapp 300 Gäste im Kulturgut Haus Nottbeck jedenfalls hatten am Samstagabend beim „Literarischen Spaziergang von Säge bis Brecht“ ihre Freude an der Hollywood-erprobten Mimin („Out of Rosenheim “, „Der Rosenkrieg“) mit urbayerischen Wurzeln, die eine der wenigen, echten Volksschauspielerinnen Deutschlands ist. Mit Recht, denn man hat nicht das Gefühl, dass da auf der Bühne jemand sitzt, der wegen seiner großartigen Karriere (unter anderem Bundesfilmpreis, Bambi und Bayerischer Kulturorden) Bewunderung einfordert. Im Gegenteil – am liebsten hätte sich Marianne Sägebrecht wohl mitten unter ihr Publikum gemischt und sich mit jedem einzelnen Gast ausführlich über ihre Kochrezepte mit Zutaten aus dem eigenen Kräutergarten oder die Bedeutung der ausgewogenen Körpersäfte unterhalten – zwei ihrer ganz speziellen Themen, die sie gerne mit ihren Zuhörern teilt.

Klar, dass es bei der 68-Jährigen, die ihr Gesicht als „Kinderpopo“ bezeichnet, auch um den Schön- und Schlankheitswahn geht. Da zitiert sie dann gerne eine befreundete Kabarettistin mit den Worten: „Hätte der liebe Gott gewollt, dass man die Knochen sieht, hätte er das Skelett nach außen gemacht“.

Eine echte Entdeckung nicht nur für die Schauspielerin, sondern auch für ihr Publikum, war der westfälische Dichter Peter Paul Althaus („ein frecher Racker“), dessen süffisant-anrüchige und mit spitzem Humor gewürzten Gedichte Marianne Sägebrecht mit sichtlicher Freude vortrug.

Zu einem runden und langen Abend (fast drei Stunden) trug neben einer Pausensuppe nach Sägebrecht’schem Rezept auch die passende musikalische Begleitung bei: Die „Saitenspringer“ Ralf Glenk und Martin Ernst ließen sich gut anhören, lieferten ein abwechslungsreiches Programm und waren mehr als nur instrumentales Beiwerk.

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