Klaus Beck schaut besorgt auf die Ereignisse in der Ukraine „Politik des 20. Jahrhunderts“

Telgte -

Das Referendum auf der Krim, daran besteht für Klaus Beck kein Zweifel, ist völkerrechtswidrig. Genauso völkerrechtswidrig seien aber auch die Vorgänge zuvor auf dem Maidan gewesen, urteilt Beck und präzisiert: „Jede Revolution ist das.“

Von Björn Meyer
Ein umstrittenes Referendum hat gezeigt, dass die Stimmung auf der Krim, wie hier auf dem Lenin-Platz in Simferopol, überwiegend pro-russisch ist. Das kleine Bild zeigt Klaus Beck.
Ein umstrittenes Referendum hat gezeigt, dass die Stimmung auf der Krim, wie hier auf dem Lenin-Platz in Simferopol, überwiegend pro-russisch ist. Das kleine Bild zeigt Klaus Beck. Foto: dpa

Beck ist Vorsitzender des Fördervereins Stupino-Telgte. Stupino, Telgtes russische Partnerstadt, liegt knapp 100 Kilometer entfernt von Moskau. Kein Wunder also, dass ihn die aktuellen Vorgänge in der Ukraine umtreiben. Dabei versucht er die Dinge vor einem politisch korrekten Hintergrund zu betrachten. So habe der ehemalige Bundeskanzler Helmut Kohl Michail Gorbatschov die deutsche Einheit auch unter dem Versprechen abgerungen, dass sich die Nato nicht weiter dem sowjetischen Gebiet nähere. Dieses Versprechen, soviel wissen wir heute, ist längst hinfällig.

Beck will damit keineswegs eine der derzeit beteiligten Parteien in Schutz nehmen. Vielmehr möchte er darauf hinweisen, dass noch immer mit politischen Mitteln des 20. Jahrhunderts agiert wird. „Es geht um die Ausbreitung von Machtgebieten“, sagt Beck und vermisst dabei vor allem Gespräche zwischen allen Beteiligten. In diesem Punkt stellt der Oberstleutnant a.D. auch Deutschland kein gutes Zeugnis aus, denn: „Man muss auch die Sorgen der anderen mitdenken.“

Die Bedeutung der Krim sieht Beck vor allem als geostrategischen Punkt. Den Verlust des Heimathafens der russischen Schwarzmeerflotte, Sewastopol, könne Putin sich nicht erlauben, immerhin sei das vorherrschende Gefühl, eine Großmacht zu sein. Beck erinnert in diesem Zusammenhang auch daran, dass Nikita Chruschtschow, zeitweise in der Ukraine aufgewachsen, die Halbinsel Krim der Ukraine 1954 angliederte. „Daraus lässt sich aber nun nicht das Recht ableiten, das Ganze umzudrehen“, stellt Beck klar.

Sorgen macht sich Beck auch um die Ukraine selber. Die Sichtweise der Russen, dass unter der neuen Führung der Ukraine vor allem Faschisten seien, stimme ihn nachdenklich. „Ich wäre hochgradig daran interessiert zu erfahren, ob die Ukraine überhaupt ein Partner ist, den wir haben wollen“, schießt er in Richtung Westmächte und deren schnelle Positionierung, an der Seite der Ukraine zu stehen.

Die zumindest geistige Unterstützung des Westens während der Revolution auf dem Maidan sieht Beck dagegen nicht kritisch: „Wir vertreten unsere Werte offen.“ Dabei spielt es für Beck keine Rolle, dass Recht dabei verletzt worden ist. „Jede Revolution der Geschichte war rechtswidrig“, wiederholt Beck. Es gelte daher stets, das habe die Geschichte gezeigt, das geringere Übel abzuwägen.

Die Sanktionen für Russland hält der Telgter für angemessen. Eindringlich warnt er jedoch vor jeglicher militärischer Einmischung. Nur ein Dialog könne den Ausstieg aus der Politik des 20. Jahrhunderts bedeuten.

Egal wie sich die Situation weiter entwickelt, für die Städtepartnerschaft Telgte-Stupino macht Beck klar: „Jetzt erst recht.“ Immerhin seien zivilgesellschaftliche Verbindungen eine tolle Basis, Konflikte friedlich zu lösen. Ein Anspruch, den er auch an die große Politik formuliert, denn: „Ich habe schon die Befürchtung, dass sich das deutsch-russische Verhältnis auf Dauer verschlechtern könnte.“ Andererseits aber macht Beck im Hinblick auf Deutschland und Russland klar: „Konflikte können auch zeigen, wie tragfähig Partnerschaften wirklich sind.“

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