Eberhard von Gemmingen in Vinnenberg Glaube ist Basis unserer Kultur

Vinnenberg -

Keine Frage, die katholische Kirche steckt in einer ernst zu nehmenden Krise. Schließungen und Zusammenlegungen von Pfarren sowie sinkende Teilnehmerzahlen bei den Gottesdiensten sprechen eine deutliche Sprache. Begründet wird die Abkehr vielfach mit Verweis auf antiquierte Moralvorstellungen, Bräuche und Regelungen innerhalb der Kirche sowie eine mangelnden Bereitschaft zu Reformen.

Pater Eberhard von Gemmingen  gab im Kloster Vinnenberg seine Antwort auf die Frage, ob Papst Franzikus in der Lage ist, die Kirchenkrise zu bewältigen.
Pater Eberhard von Gemmingen  gab im Kloster Vinnenberg seine Antwort auf die Frage, ob Papst Franzikus in der Lage ist, die Kirchenkrise zu bewältigen. Foto: Busch

Seit Papst Franziskus das Pontifikat übernahm, hoffen viele Christen auf Veränderung, schließlich darf der erste Jesuit und Lateinamerikaner in diesem Amt durchaus als „radikal“ bezeichnet werden. Aber hält er tatsächlich den Schlüssel zur Bewältigung der Probleme in der Hand?

Am Vortag des ersten Jubiläums seiner Papstwahl gab Pater Eberhard von Gemmingen , der Station im Kloster Vinnenberg machte, seine Antwort auf diese Frage. 27 Jahre arbeitete er in Rom als Sprecher des deutschen Radio Vatikan , vorher beriet er im Auftrag der deutschen Bischofskonferenz das ZDF in theologischen Fragen. Ein wirklicher „Kenner“ des Vatikans also, den Klosterleiter Dr. Carl Möller in der prall gefüllten Klosterkirche begrüßen konnte.

Häufig thematisierte Punkte wie Zölibat oder Frauenpriestertum, hält Gemmingen in diesem Zusammenhang nicht für ausschlaggebend. „Sonst würde es der evangelischen Kirche, die da ja progressiver ist als die katholische, nicht schlechter gehen als uns.“ Ihm zufolge handle es sich bei der derzeitigen Krise nicht um eine des Glaubens, sondern vielmehr um eine des Wissens. Viele Menschen wüssten nichts über die zehn Gebote oder die Bedeutung bestimmter Feiertage. Dabei sei der christliche Glaube eine der Grundfesten unserer Kultur. Deshalb sieht der Theologe auch die Kultusministerien mit in der Pflicht. „Wie schon Umberto Eco sagte: Ohne grundlegende Kenntnisse über die Bibel ist Europa nicht zu verstehen. Solche Dinge zu vergessen wäre, wie die Werke Goethes zu vergessen“, verdeutlicht er. Die Folge wäre ein Verlust der christlichen Grundwerte und der moralische Zerfall unserer Gesellschaft hin zum reinen Pragmatismus, in dem der Wert eines Menschen nur an seiner Produktivität gemessen wird. Es brauche „Vordenker“, die dies erkennen und der Öffentlichkeit ins Bewusstsein rufen. Sie gelte es zu gewinnen, wenn Franziskus wirklich eine Wende herbeiführen möchte. Keine leichte Aufgabe, denn in Mitteleuropa seien diese Menschen oft sehr zögerlich, da Vernunft und Glaube hier noch nicht genügend miteinander versöhnt seien. In vielen anderen Regionen, in Asien beispielsweise, sei das nicht der Fall. Dennoch: Obwohl man keine Wunder erwarten könne, bringe der Papst einiges mit, das Anlass zur Hoffnung gebe. Zum einen sein Mut und Optimismus, vor allem aber die Authentizität, die die gelebte Lehre ihm verleihe, sorge dafür, dass Christen wieder Vertrauen in den Papst und die Institution Kirche fassen können.

Ein Vortrag, der sich nicht auf die Themen der landläufigen Diskussion beschränkte, sondern die Problematik tiefer – fast „prophetisch“, wie Möllers abschließend anmerkte – analysierte. Das lieferte reichlich Gesprächsstoff für die anschließende Diskussion.

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