Stadterneuerung und Marktplatz-Sanierung
Es geht ums große Ganze

Warendorf -

Eins muss man wirklich loben: Die Stadtverwaltung spielt in Sachen ISEK und Altstadt-Erneuerung mit offenen Karten. Die Bürgerversammlung im Sophiensaal war eine umfassende Infoveranstaltung – vollgepackt mit Daten, Fakten und Perspektiven.

Mittwoch, 19.03.2014, 06:00 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 19.03.2014, 06:00 Uhr

Baudezernent Peter Pesch , seine Mitarbeiter Markus Gantefort und Niels Heermann , sowie Horst Schönweitz und Ina Schauer vom Planungsbüro Pesch & Partner öffneten ein reichlich gefülltes Paket. Die Zuhörer im „ausverkauften“ Sophiensaal bekamen eine geballte Ladung Information geliefert.

Wie Bürgermeister Jochen Walter bei der Begrüßung machten auch die Fachleute deutlich, dass es sich beim ISEK (Integriertes Stadtentwicklungkonzept) nicht allein um den Marktplatz dreht, der die Diskussionen der vergangenen Wochen dominiert hat. Peter Pesch: „Es geht ums große Ganze. Man kann einzelne Projekte nicht isoliert betrachten.“

Es gibt in Warendorf viele Handlungsfelder, machte Horst Schönweitz deutlich: „Die Altstadt ist das Herz der Stadt. Hier spielt sich ein Großteil des Lebens mit Wohnen und Handel ab.“ Doch die Substanz sei alt: „Wie können wir das weiterentwickeln, ohne den Charakter zu zerstören?“

Darauf gibt das ISEK eine Menge Antworten – es enthält eine lange Liste von Einzelprojekten. Es gehe eben nicht nur um den Markt, wie Schönweitz erläuterte, sondern auch um den Wilhelmsplatz, das Osttor, den Bereich rund um die Marienkirche. In der ersten Phase des langfristig angelegten Projekts zur Zukunftssicherung sind bis 2017 Investitionen von 3,9 Millionen Euro anvisiert. Das Gesamtpaket beläuft sich auf elf bis zwölf Millionen Euro.

Startschuss soll die Sanierung des Marktplatzes sein. Im Mittelpunkt der Überlegungen stehen aber gesamtstädtische Themen wie Barrierefreiheit und die demografische Entwicklung.

Die Entwicklung des Quartiers rund um Oststraße, Brünebrede und Ostwall ist ein Beispiel für wichtige Themen des Pakets. Ein Fassaden- und Hofprogramm gehört ebenso zu den Plänen wie die Erneuerung der Fußgängerzone und ihre eventuelle Ausweitung.

Dabei geht es nicht vordringlich um Optik: Warendorf wird auf rund 35 000 Einwohner schrumpfen – und der Anteil der über 65-Jährigen steigt rapide, während die Zahl der unter 18-Jährigen deutlich sinkt. Pesch: „Die Demografie stellt neue Anforderungen an den öffentlichen Raum. Das Thema ist Benutzbarkeit für alle.“

Wie die Ausgestaltung aussehen soll, zeigte Ina Schauer vom Büro Pesch & Partner anhand von ersten Vorentwürfen für die verschiedenen Straßentypen. Diese Skizzen und Überlegungen sollen – genauso wie die Materialauswahl – intensiv mit den Bürgern beraten werden. Schauer setzt auf durchgängige Gestaltungsprinzipien, die langfristig Bestand haben sollen, um ein einheitliches Stadtbild zu gewährleisten.

In den Fragen der Zuhörer spielten dann die Kosten für Anlieger eine Rolle. Für den Marktplatz gab Pesch eine konkrete Antwort: Die Anlieger bleiben außen vor. Bei allen weiteren Maßnahmen werde man von Fall zu Fall Einzelentscheidungen treffen, sagte der Baudezernent.

Und dann ging es natürlich doch noch mal intensiv um den Marktplatz. Ina Schauer versicherte, dass die Planer Anregungen und Kritik ernst nehmen: „Das liegt uns wirklich am Herzen.“ Auf dem Tisch liegen Vorschläge, die eine schlichte Lösung mit wenigen Möblierungselementen vorsehen. Das Ziel: „Es soll altstadtgerecht, langlebig und multifunktional werden.“ Natursteinpflaster, eine in Akzenten veränderte Beleuchtung, zurückhaltende Begrünung und Erhalt der Brunnen stehen im Plan.

Die immer wieder geforderte kleine – und damit billigere – Lösung (Neupflasterung ohne tiefe Eingriffe in den Unterbau) wird von den Fachleuten abgelehnt. Bodengutachten zeigen nach Aussage von Niels Heermann vom Bauamt Defizite im Unterbau. Und sie haben Erkenntnisse gebracht, die sich auf die Sanierungskosten am Markt positiv auswirken. Statt der ursprünglich veranschlagten 1,16 Millionen stehen jetzt 980 000 Euro in der Planung. Klare Aussage von Pesch: „Die Billiglösung wird nicht funktionieren. Wir wollen nachhaltige Funktionalität. Alles andere wäre fahrlässig.“

Was die kontrovers diskutierte Baudauer angeht, wollte sich Peter Pesch nicht festlegen. Es gebe zwei Möglichkeiten: Schnell oder kleinteilig-flexibel. Sein Versprechen: Die Verwaltung will im permanenten Austausch mit den Anliegern alle Dinge besprechen und auf deren Bedürfnisse eingehen. Als Höchstdauer nannte er einen Zeitraum von neun Monaten.

Bleibt die letzte Frage: Wann geht es denn los? Antwort: Hängt vom Förderbescheid ab. Vor 2015 läuft jedenfalls nichts.

Und über allem steht sowieso die Ungewissheit: Gibt es überhaupt Geld vom Land für das ISEK? Schließlich wollen auch andere Kommunen an die begrenzten Geldtöpfe. Eins ist sicher: Ohne die 60-prozentige Förderung ist die umfassende Stadtsanierung nicht finanzierbar.

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