Katholikentag-Nachlese „Hoffe, wir haben die Kritiker überzeugt“

Münster -

Der Katholikentag 2018 in Münster ist Geschichte. Politisch wie lange nicht und mit einem ungeahnten Interesse - die Veranstalter verspüren Rückenwind durch Münster, obwohl in Erfurt die nächste Zuschuss-Kontroverse drohen könnte.

Von Dirk Anger
Das Sakko blieb in dieser Woche im Schrank: Der Geschäftsführer des Katholikentags 2018, Roland Vilsmaier, half bei den umfangreichen Aufräumarbeiten im Logistiklager in Gievenbeck.
Am vergangenen Samstagabend (12.5.) feierten Tausende Katholikentags-Besucher in Münsters Innenstadt ein Straßenfest - die Strehlenfete. Foto: Gunnar A. Pier

Nach dem erfolgreich verlaufenen Katholikentag hat in den vergangenen Tagen die gesamte Geschäftsstelle des Veranstalters beim Aufräumen mitgeholfen. Da machte Geschäftsführer Roland Vilsmaier keine Ausnahme. Im Materiallager in der Gievenbecker Oxford-Kaserne zwischen Gabelstapler und Ma­tratzen-Stapeln blickte der 28-Jährige im Interview mit unserem Redakteur Dirk Anger zurück – auch auf die kontroverse Debatte in Münster über einen städtischen Zuschuss für die Großveranstaltung katholischer Laien.

Der Katholikentag 2018 ist Geschichte: Haben Sie Ihren Frieden gefunden?

Vilsmaier: Auf jeden Fall. Ich war sehr zufrieden mit dem organisatorischen Ablauf. Es gab zwar Kleinigkeiten, die nicht geklappt haben. Aber alles andere wäre bei einer Großveranstaltung mit 90 000 Menschen auch komisch.

Welche Kleinigkeiten meinen Sie?

Vilsmaier: Mal fehlte Material, das nachgeliefert werden musste; an anderen Stellen musste kurzfristig Ersatz für erkrankte Helfer organisiert werden. Plötzlich war eine Kiste im Lager verschwunden – all solche Sachen.

Was gab es in dieser Woche zu tun?

Vilsmaier: Wir sind mit dem Aufräumen hier im Logistikzentrum in Gievenbeck beschäftigt gewesen. Alle Sachen müssen hierhin zurück und sortiert werden, ehe wir in unser normales Lager in Havixbeck umziehen. Danach kommt die Auswertung des Katholikentags: Was ist gut, was ist schlecht gelaufen?

Da hat Ihnen die Stadt kurz vor der Veranstaltung noch ein Ei ins Nest gelegt: Sie sollten plötzlich über 80 Nachtwächter für die Schulen stellen . . .

Vilsmaier: So war es. Das haben wir auch gemacht – und dafür auf zwei professionelle Dienste zurückgreifen müssen.

Wie kam das plötzlich?

Vilsmaier: Das erfragen Sie am besten bei der Stadt. Wir haben diese Auflagen kurzfristig bekommen. Wir haben noch diskutiert, aber am Ende die Vorgabe umgesetzt.

Auch die Sponsoren-Unterstützung mit Fahrzeugen stand auf der Kippe, der Fuhrpark fiel kleiner aus.

Vilsmaier: VW hat uns 28 Fahrzeuge gestellt – worüber wir auch sehr froh sein können. Wir sind eigentlich davon ausgegangen, dass es wie in der Vergangenheit läuft – war diesmal aber nicht. Das werden wir fürs nächste Mal früher mit VW besprechen und hoffen darauf, dass wir die Kooperation fortsetzen können.

Es sind viel mehr Teilnehmer gekommen, als Sie erwartet haben: Was leiten Sie daraus für den Stellenwert des Katholikentags in der Gesellschaft ab?

Vilsmaier: In Leipzig hieß es ja noch, dass der Katholikentag nicht mehr politisch sei, weil die politischen Podien zwar gut besucht, aber nicht voll waren. In Münster war es anders. Da waren die politischen Podien sehr, sehr voll. Ich vermute, dass man daraus schließen kann, dass die Zeiten wieder politischer geworden sind.

Die dann auch ein Format wie den Katholikentag besonders wertvoll machen?

Vilsmaier: Es gibt eigentlich nur den Katholikentag und den evangelischen Kirchentag. Sonst sind mir keine anderen gesellschaftlichen Podien in dieser Größenordnung bekannt, wo man politische Themen diskutieren kann, kirchenpolitisch, aber trotzdem mit spiritueller Ausrichtung. Da sind wir als Katholiken- und Kirchentage einzigartig. Es wäre ein großer Verlust, wenn es diese Form nicht geben würde.

Haben Sie erwartet, dass der Katholikentag wieder politischer wird?

Vilsmaier: Das Leitwort „Suche Frieden“ hat das sehr gut vorgegeben. Das war schon sehr, sehr gut gewählt: passend zu dieser Zeit sowie zu den gesellschaftlichen und politischen Diskussionen. Und das Programm wurde auf vielfältige Art so ausgelebt.

Um noch mal auf die kon­troverse Debatte über einen finanziellen Zuschuss der Stadt für den Katholikentag zu sprechen zu kommen: Wie wirkt das aus heutiger Sicht auf Sie?

Vilsmaier: Ich glaube, auch die Kritiker haben bemerkt, warum es gut ist, einen Katholikentag in der Stadt zu haben. Wir waren jeden Abend in der Tagesschau, das Presseecho in ganz Deutschland war sehr positiv – also über Münster wurde gesprochen in diesen Tagen. Und ich hoffe, dass einige Kritiker, die das mit der Finanzierung vorher sehr skeptisch gesehen haben, jetzt überzeugt sind, dass es die richtige Entscheidung war, den Katholikentag zu fördern.

In Erfurt ist gerade im Rat die Diskussion über einen Zuschuss für den Katholikentag 2024 ausgesetzt worden. Glauben Sie, dass sich die münsterische Debatte andernorts wiederholen wird?

Vilsmaier: Das hoffe ich nicht. Wir haben gute Argumente für den Katholikentag. Die werden wir vorbringen. Für den Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt sind die sehr wohlwollend entgegengenommen worden. Für 2024 in Erfurt sind wir in ersten Gesprächen, die sehr positiv verlaufen sind.

Hat der Zuschuss-Streit in Münster Ihre Argumentationslinie für die Zukunft verändert?

Vilsmaier: Die Argumente haben sich nicht verändert, sie sind gleich geblieben. Wir haben hier in Münster nur den Rücken gestärkt bekommen, weil das Teilnahmeinteresse so groß war.

Wann ist der Katholikentag 2018 abgewickelt?

Vilsmaier: Das wird noch ein paar Monate dauern. Ende des Jahres wird die Geschäftsstelle in Münster geschlossen. Im nächsten Jahr geht es nach Frankfurt in die Vorbereitung des Ökumenischen Kirchentags. Vielleicht unterstützen wir von Münster aus noch die evangelischen Kollegen für den Kirchentag im Juni 2019 in Dortmund. Da helfen wir uns gegenseitig.

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