Prof. Dr. Emmanuel kehrt nach 21 Jahren nach Sri Lanka zurück / Heute Verabschiedung in Darfeld Alle Kraft für das Heimatland

Darfeld. Heimat – gewöhnlich kein Wort, das in der Mehrzahl genutzt wird. Bei Prof. Dr. Seemampillai Joseph Emmanuel ist das anders. „Gott hat gewünscht, dass auch hier meine Heimat ist“, sagt der 83-Jährige. In Darfeld, das er schon seit 1983 kennt und das in den vergangenen zehn Jahren sein Lebensmittelpunkt war, fühlt er sich heimisch. Heimat ist aber vor allem Sri Lanka, das der Seelsorger 1996 als Flüchtling verlassen musste. Dorthin wird er nun zurückkehren, schon morgen Abend, wenn der Flieger von Düsseldorf abhebt.

Von Frank Wittenberg
Prof. Dr. Emmanuel kehrt nach 21 Jahren nach Sri Lanka zurück / Heute Verabschiedung in Darfeld: Alle Kraft für das Heimatland
Tauscht die Heimat Darfeld gegen sein Heimatland Sri Lanka: Zehn Jahre hat Prof. Dr. Emmanuel nahe der St.-Nikolaus-Kirche gelebt. Nun kehrt er in seinen Geburtsort Jaffna zurück. Foto: Frank Wittenberg

Dr. Emmanuel hat viel erlebt, aber er sieht seine Reise noch längst nicht beendet. „Ich bin fit und gesund, warum sollte ich mich also zur Ruhe setzen?“, lächelt er. Die interreligiöse Zusammenarbeit hat ihn immer beschäftigt, dafür und für die Einhaltung der Menschenrechte hat er sich immer eingesetzt. Und das will er auch weiterhin anpacken. „Es gibt keinen Frieden in der Welt ohne Frieden unter den Religionen“, zitiert er den bekannten Theologen Hans Küng.

Er weiß, wovon er spricht. Dr. Emmanuel, der am Dreikönigstag 1934 in Jaffna in Sri Lanka geboren und 1966 im Petersdom in Rom zum Priester geweiht wurde, hat in den folgenden Jahren mehrfach Vertretungen in Deutschland übernommen und so auch die Sprache gelernt. 1983 kam er für ein Sabbatjahr nach Münster – und wurde prompt nach dem Ruhestand von Pfarrer Onkels für ein Jahr nach Darfeld beordert, bis im Mai 1984 mit Otto Banse der neue Pfarrer kam. „Der Kontakt ist nie abgerissen“, sagt Dr. Emmanuel, der damals im St.-Anna-Stift an der Schlossallee gelebt hat.

Unter dramatischen Umständen musste der Tamile Mitte der 90er Jahre nach politischen Unruhen seine Heimatstadt Jaffna verlassen. „Ein Jahr haben wir im Dschungel gelebt, dann bin ich nach London gekommen.“ Ein Jahr später kam Dr. Emmanuel mit Unterstützung von Bischof Lettmann wieder ins Bistum Münster und wurde leitender Pfarrer in Datteln-Horneburg. 2007 bezog er dann das kleine Haus am Sandweg in unmittelbarer Nachbarschaft zur Kirche und unterstützte seitdem die Seelsorge in Rosebdahl.

Jetzt aber kehrt er zurück: „Seit zwei Jahren gibt es eine neue Regierung, mit dem Präsidenten habe ich mich getroffen“, erzählt der 83-Jährige. Er möchte helfen, nicht nur aus der Entfernung, wie er es in all den Jahren gemacht hat. „Ich bin kein Politiker, ich kann nur Frieden stiften“, sagt er. In Darfeld lebe er sicher und bequem, in Sri Lanka gebe es Gegner, die nicht seine Meinung teilen. Dennoch hat er nach seinem Goldenen Priesterjubiläum im vergangenen Jahr den Entschluss gefasst, wieder in Jaffna zu lehren und zu vermitteln. „Ich werde mit allen gegensätzlichen Gruppen sprechen, denn Jesus war auch so“, setzt er volles Vertrauen in seinen Glauben. „Und ich war immer ein Kämpfer.“

Weihnachten wird er bereits in Bischofshaus in Jaffna feiern, wo er ein Zimmer bezieht. Seine Schwester lebt in London, sein Bruder in Kanada, aber allein wird er sich nicht fühlen. „Allein sechs meiner früheren Schüler sind heute Bischof.“ Und egal, wo gerade seine Heimat ist, Darfeld wird für ihn immer präsent bleiben. „Ich benutze WhatsApp, Skype und alles, was es gibt“, lächelt er. „Der Kontakt mit Menschen ist mein Leben.“ 7 Die Gemeinde verabschiedet sich heute um 17 Uhr in der Vorabendmesse von Dr. Emmanuel. Anschließend findet ein kleiner Empfang im Haus der Begegnung statt.

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