Landwirt Melchior Sengenhorst plant jetzt Sanierung der alten Geflügelfarm mitten im Dorfkern „Ich fühle mich ausgebremst“

Osterwick. Melchior Sengenhorst kann es immer noch nicht fassen. Eigentlich schien alles perfekt gewesen zu sein: Er plant, seine Geflügelfarm von der Schöppinger Straße in Osterwick, die mitten in einem Wohngebiet liegt, zum Ludgerusweg auszulagern.

Von Manuela Reher
Landwirt Melchior Sengenhorst plant jetzt Sanierung der alten Geflügelfarm mitten im Dorfkern: „Ich fühle mich ausgebremst“
Landwirt Melchior Sengenhorst (l.) sieht sich gezwungen, seine Geflügelfarm am alten Standort mitten im Osterwicker Dorfkern mit Unterstützung des Hochbautechnikers Marc Musiol vom gleichnamigen Planungsbüro zu sanieren. Foto: Manuela Reher

Der Gemeinderat Rosendahl und der Bürgermeister seien auf seiner Seite. Aber die Bezirksregierung Münster und die Landesregierung in Düsseldorf würden ihm einen Strich durch die Rechnung machen.

Laut dem neuen Landesentwicklungsplan müsse er am neuen Standort unter anderem 50 Prozent Futterbaufläche nachweisen. Allerdings, so argumentiert Sengenhorst, könnten sowohl Münster als auch Düsseldorf eine Einzelfallentscheidung treffen.

Bei dem aktuellen Stand bleibe ihm gar nichts anderes übrig, als jetzt den alten Standort wieder fit zu machen. Zunächst werde er noch im Januar damit beginnen, den alten Güllekeller zu reinigen. Und dann bekomme das fast 60 Jahre alte Stallgebäude im Frühjahr ein neues Dach mit neuen Ventilatoren. Zurzeit sind im Stall noch 6000 Junghennen untergebracht. Demnächst sollen es 14 900 Legehennen oder vielleicht sogar 22 000 sein.

„Eigentlich möchte ich am alten Standort nicht mehr investieren, aber ich bin unter den gegebenen Umständen jetzt dazu gezwungen“, kommentiert Melchior Sengenhorst. Die Planung für die Sanierung übernimmt Hochbautechniker Marc Musiol. Auch die bisherigen Planungsleistungen für die Hofstelle am Ludgerusweg hat das Bauplanungsbüro Musiol durchgeführt.

Im September des vergangenen Jahres hat Melchior Sengenhorst das etwa 4000 Quadratmeter große Gelände erworben. Zuvor war er Pächter. Bereits seit 2015 beschäftigt sich Melchior Sengenhorst mit der Planung, den seit fast 60 Jahren an der Schöppinger Straße bestehenden Stall auszusiedeln.

Vorgesehen war zunächst ein konventioneller Neubau auf seiner Hofstelle am Ludgerusweg für 36 000 Legehennen – in herkömmlicher Bodenhaltung mit dem gesetzlich festgelegten Tageslichtangebot von drei Prozent. Hätte er das Vorhaben so verwirklicht, wäre die Genehmigung längst auf dem Tisch, betont er.

Anfang 2016 erfuhr der junge Osterwicker Landwirt von einem Konzept, das die Firma Rondeel BV bereits an einigen Standorten in den Niederlanden umgesetzt hat. Es handelt sich dabei um einen Rundstall für 36 000 Legehennen. Melchior Sengenhorst möchte am Ludgerusweg 2,5 Millionen Euro in diese neue Anlage investieren. Dabei seien ihm Tierwohl und hochwertige Lebensmittel ein Herzensanliegen.

Durch die Änderungen im Planungsverfahren, für das er sowohl von der Gemeinde Rosendahl als auch der Bezirksregierung positive Stellungnahmen erhalten habe, fehlte im März 2017 noch eine Genehmigung – und die scheiterte bisher am neuen Landesentwicklungsplan. Dieser war kurz zuvor in Kraft getreten. Der Plan zieht deutlich engere Grenzen für eine bauliche Nutzung im Außenbereich. Jetzt muss Melchior Sengenhorst auf einen positiven Bescheid für ein sogenanntes Zielabweichungsverfahren hoffen, den die Staatskanzlei in Düsseldorf geben muss.

Inzwischen hat der Landwirt die Nachbarn im Wohngebiet an der Schöppinger Straße durch Wurfzettel über seine Pläne, den alten Standort zu sanieren, informiert. Dabei macht er wiederholt deutlich: „Ich möchte eigentlich gar nicht am alten Standort sanieren. Ich möchte am Ludgerusweg neu bauen.“ Er fühlt sich von den Regierungen in Münster und Düsseldorf „ausgebremst“ und schüttelt wütend und enttäuscht den Kopf. Und dann zitiert er Konrad Adenauer, den ersten Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, der gesagt hat: „Wir leben alle unter dem gleichen Himmel, aber wir haben nicht alle den gleichen Horizont.“

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