Rosendahl Mit 66 Jahren fängt das Regieren an

Darfeld. König der Herzen war er schon längst. „Zumindest habe ich mal so ein Schild umgehängt bekommen“, zuckte Bernhard Wiesmann mit den Schultern. Denn der Ehrenoberst, ein echtes Urgstein des Bürgerschützenvereins, war schon oft dicht dran, aber nie ganz oben auf dem Thron – bis zum Jahr 2018. „Jetzt bin ich Rentner, ich habe ja Zeit“, lachte die neue Majestät – mit 66 Jahren fängt das Regieren an . . .

Von Frank Wittenberg
Rosendahl: Mit 66 Jahren fängt das Regieren an
Sie regieren ein Jahr lang die Bürgerschützen in Darfeld: (von links) die Ehrendamen Laura Wiesmann und Rosi Voß, Königin Bruni Wiesmann und König Bernhard Wiesmann. Fotos: Frank Wittenberg Foto: az

Die Freude über Wiesmanns Königsschuss kam bei vielen Schützen und Darfeldern aus ganzem Herzen. Er hat es verdient, war überall zu hören – und er bekam es auch zu spüren. „Ich habe noch nie so viele Hände geschüttelt“, staunte König Bernhard. „Da war so viel Herzlichkeit.“ Fünf Mal schon hatte er den vorletzten Schuss abgegeben, immer war er vorne dabei. Jetzt endlich war die Zeit reif. „Ich habe immer gesagt, dass ich da bin, wenn ich gebraucht werde“, betonte er. „Wir gehen hier nicht ohne König aus dem Busch.“

Und dabei gab Bernhard Wiesmann derartig Gas, dass einige Besucher den 182. und entscheidenden Schuss gar nicht miterlebten, weil sie so früh gar nicht damit gerechnet hatten. Vor 16 Uhr fiel der Vogel – aber die neue Majestät fand es prima. „Die wollten noch eine Feuerpause einlegen, aber ich war dagegen“, erzählte er. „Das Adrenalin war so hoch, jetzt wollte ich es durchziehen.“ Gesagt, getan – und die folgende Zeit bis zur Proklamation und Parade verlief komplett stressfrei. „Das hat es gemütlich gemacht, denn dem neuen Thron blieb genügend Zeit zur Vorbereitung“, zog der Vorsitzende Sven Knapp zufrieden Bilanz. Pünktlich präsentierten sich dann Königin Bruni Wiesmann und die Ehrendamen Rosi Voß und Laura Wiesmann mit seiner Majestät Bernhard dem begeisterten Volk. Der darf im wahrsten Sinne auf eine Krönung seiner Laufbahn bei den Bürgerschützen zurückblicken. „Seit 44 Jahren bin ich im Verein, ich habe als Adjutant begonnen, war lange im Vorstand und 18 Jahre Oberst“, blickte er am Montagnachmittag zurück. „Das hat immer Spaß gemacht, aber König ist noch einmal etwas ganz Besonderes.“

Entsprechend stimmungsvoll wurde auch gefeiert. Zur Sache ging es bis spät in die Nacht im Zelt, anschließend verlagerte sich die Sause auf den Hof den Königspaares. „180 Spiegeleier haben wir gebraten“, lachte Bruni Wiesmann. Alles draußen und mit Musik. „Unsere Kinder haben das super vorbereitet“, richtete König Bernhard ein dickes Lob an die nächste Generation.

Überhaupt gebührte allen Mitgliedern, aber besonders den Jungschützen ein großes Kompliment. „Die Beteiligung an allen Tagen war super“, freute sich der zweite Vorsitzende Heinz-Hubert Klostermann. Und am Montag beim Ausklang im Busch, unter anderem exklusiv mitgestaltet von einigen Ehemaligen des Kolping-Spielmannszuges, kürte sich mit Matthias Schubert ein weiterer Youngster zum Sternkönig.

Der Zusammenhalt zwischen den Generationen im Verein, genau das ist es, was Bernhard Wiesmann schon immer am Herzen lag. Und er ging mit bestem Beispiel voran: Er kürte neben Rosi Voß auch seine Schwiegertochter Laura zur Ehrendame. „Wir wollen bewusst die jungen Leute einbeziehen“, lächelte er. Und die Junggebliebenen – da geht er selbst mit seinen 66 Jahren mit bestem Beispiel voran.

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