Rosendahl Rasanter Aufstieg zum Regenten

Osterwick. Eigentlich ist er derjenige, der seiner Majestät treu dient und dem Hofstaat den Rücken freihält. Jetzt aber drehte Andreas Böwing kurzerhand den Spieß um – der Aufstieg vom Königsadjutanten zum König, rasant, aber umjubelt in der Schützenbruderschaft Ss. Fabian und Sebastian Osterwick. „Ich bin jetzt fast mein halbes Leben Mitglied in der Bruderschaft“, lächelte der 31-Jährige. „Da war es doch einfach mal an der Zeit.“

Von Frank Wittenberg
Rosendahl: Rasanter Aufstieg zum Regenten
Ein strahlender Thron regiert die Schützenbruderschaft Ss. Fabian und Sebastian: (von links) die Ehrendamen Mareen Gauselmann und Anna Sengenhorst, Königin Lea Leifeld und König Andreas Böwing. Foto: Tom-David Rademacher

Als Spaziergang gestaltete es sich gewiss nicht, denn die Konkurrenz war erneut groß. Gleich mehrere Schützen packte das Vogelfieber, darunter neben Bernhard Volkery, Daniel Moschner und Andreas Hüls mit Birgit Kempkes auch eine weibliche Anwärterin. „Sie hätte tatsächlich als erste Frau den Vogel abschießen können“, berichtete Brudermeister Melchior Lülf. Die Königin von 1994, die aus besonderem Anlass schon vor Jahren als eine der ersten Frauen die Mitgliedschaft in der Bruderschaft bekommen hatte, war mit einem Handtuch über dem Kleid erschienen, um blaue Flecke vom Gewehr zu vermeiden – am Ende schnappte ihr aber Andreas Böwing die Königswürde weg und kürte sich zum Nachfolger von Melchior „Mello“ Sengenhorst.

Damit setzte Böwing ein eher kurzfristiges Vorhaben in die Tat um. „Der Thron war aber vorab informiert“, erklärte er mit Blick auf seine Königin Lea Leifeld und die Ehrendamen Anna Sengenhorst und Mareen Gauselmann, die von den Ehrenherren Daniel „Moschy“ Moschner und Torsten Gauselmann unterstützt werden. Ernsthaft probiert hatte Andreas Böwing es zuvor nie – und als der Vogel tatsächlich fiel, lief alles wie im Film, erzählte er: „Wenn anfangs alles auf dich einprasselt, hast du gar keine Chance, darüber nachzudenken.“ Erst später im Zelt, direkt vor dem abendlichen Königsball, habe sich die Aufregung eingestellt, ob tatsächlich alles klappt. „Irgendwann hat es einfach nur noch Spaß gemacht“, lächelte Majestät Andreas. Auch die Organisation, die seit acht Jahren eigentlich auf seinen Schultern lastet, befand sich schnell in bewährten Händen: Neben Jan Feldhaus übernahmen Böwings Vorgänger Thomas Wolfert und Manfred „Baffi“ Döking noch einmal den Posten des Königsadjutanten.

Entsprechend gelassen und zufrieden zogen auch die Verantwortlichen am Montagmittag beim Sternschießen im Wiedel Bilanz. Schon im Gottesdienst zum Auftakt des Festes habe Pastor Dirk Holtmann genau die richtigen Worte gefunden, zeigten sich Melchior Lülf und sein Stellvertreter Stefan Kersting beeindruckt. Aufeinander zugehen, fröhlich sein, gemeinsam feiern – dieser Aufforderung kamen die Schützen und Gäste in beeindruckender Zahl nach. „Wir hatten am Samstag beim Abschied von Mello Sengenhorst rund 1000 Besucher im Zelt“, staunte Kersting. „Und das bei super Musik“, schob Franz-Josef Börnhorst ein Lob an die Band „Musica é“ nach. „Sie haben sich toll auf das Publikum eingestellt.“ Zum Vogelschießen sind rund 300 Schützen in den einzelnen Kompanien angetreten – alles war auf den Beinen.

Und dann waren da noch die Prinzen, die für Gesprächsstoff sorgten. Zunächst folgten Lukas Schönnebeck und Prinzessin Caro Lehmann der Königskutsche bei der Parade am Sonntagmittag in einem Simson-Zweisitzer aus DDR-Zeiten. Wenig später setzte Philipp Grams das nächste Ausrufezeichen: Der neue Prinz, der mit Anna Pöhlker die Jungschützen regiert, schoss locker 30 von 30 möglichen Ringen und verwies Thomas Löchtefeld überlegen auf Platz zwei – „das“, staunte Melchior Lülf, „haben wir sicherlich noch nie gehabt.“

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