Coesfeld
Integration mit Fachwissen und Bauchgefühl

Coesfeld. Kopfsache oder lieber aus dem Bauch heraus? Im Fußball funktioniert beides, aber wenn es zwischen seiner alten und neuen Heimat in dieser Hinsicht einen Unterschied gibt, dann genau hier. „In Deutschland wird Fußball mehr gelernt, da geht es um Technik und Taktik“, lächelt Wasem Alakoud. „Wir spielen mehr aus dem Gefühl heraus.“ Weil die Mischung aus beidem erfolgversprechend klingt, dürfen sich die Kicker der SG Coesfeld 06 bald auf spannenden Input freuen: Alakoud (24) und sein syrischer Landsmann Marwan Khalaf (48), die 2015 aus Damaskus flüchten mussten, werden ihr Wissen als Trainer weitergeben.

Sonntag, 03.06.2018, 19:04 Uhr

Gelebte Integration: (von links) Mario Popp (Organisation Team Jugendfußball der SG 06), die künftigen Trainer Marwan Khalaf und Wasem Alakoud sowie Steffi Hinkenbrandt, Koordinatorin für den Stützpunkt Integration bei der SG Coesfeld 06. Foto: az

Für Mario Popp und Steffi Hinkenbrandt ist das der logische nächste Schritt auf dem Weg, den die SG 06 im vergangenen Jahr mit der Bildung einer Gruppe zur Integration von Geflüchteten eingeschlagen hat. „Gemeinsam mit Organisationen wie Gleis B, der DRK-Flüchtlingshilfe und dem Kreissportbund haben wir das angepackt“, erzählt Popp, Frauentrainer bei der SG 06 und zugleich aktiv im Team Jugendfußball. Entstanden ist daraus der Status eines offiziellen Stützpunktvereins für Integration durch Sport, anerkannt vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) – und ganz effektiv eine Trainingsgruppe mit 26 Kickern, die sich dreimal in der Woche montags, mittwochs und samstags im Sportzentrum Süd trifft und schon diverse Freundschaftsspiele absolviert hat. „Der Großteil kommt aus Syrien, wir haben aber auch Spieler aus Mali, Eritrea oder dem Irak dabei“, sagt Steffi Hinkenbrandt, die bei der SG als Koordinatorin für den Stützpunkt Integration fungiert und sich als wertvolle Ansprechpartnerin im Alltag zur Verfügung stellt.

Zwei dieser Fußballer sind Wasem Alakoud und Marwan Khalaf, die beide in Syrien selbst gespielt und auch als Trainer gearbeitet haben, Wasem sogar als Sportlehrer. „Der Sohn von Marwan geht zum Heriburg-Gymnasium“, lächelt Steffi Hinkenbrandt, die selbst am Heriburg in der Sprachförderung unterstützt. „Er hat erzählt, dass sein Vater in der Heimat Mannschaften trainiert hat.“

Das Fachwissen der beiden Neubürger nutzen, ihnen sogar die Chance geben, es weiter zu vertiefen – auch dafür stehe der Integrationsgedanke bei der SG 06, sagt Mario Popp. So hat der Club die beiden Syrer für die C-Lizenz-Ausbildung in Epe gemeldet, zu der sie regelmäßig mit dem Zug angereist sind, Wasem Alakoud sogar aus Dülmen. Während der 24-Jährige seinen Schein in der Tasche hat, muss Marwan Khalaf im Herbst noch eine Prüfung ablegen. „Die Initiative ging von ihnen selbst aus“, freut sich Steffi Hinkenbrandt.

Wasem, der zum BVB hält, und Marwan, dessen deutscher Lieblingsverein schon in Syrien der FC Schalke 04 war, werden künftig in die Trainingsarbeit im Verein eingebunden. Und sie werden selbst weiter aktiv kicken – Marwan Khalaf bei den Altherren, das steht fest, und Wasem Alakoud möglicherweise in einem der SG-Seniorenteams. Denn die Flüchtlingsgruppe soll nach wie vor erste Anlaufstelle sein, aber eine reine Flüchtlingsmannschaft will die SG 06 nicht melden. „Im Sinne der Integration finden wir es wichtiger, die Jungs in unsere Teams einzubauen“, betont Popp. „Der Sport bietet so viele Möglichkeiten.“

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