Coesfeld
Mit Sombrero nach  Russland

Lette. Moskau, Moskau. Wirf die Gläser an die Wand. Russland ist ein schönes Land. Christian Quiel, der Globetrotter aus Lette, kennt den Hit der Gruppe Dschingis Khan. Moskau ist sein nächstes Fernziel. „2013 war ich schon mal da“ erzählt er, „und jetzt düs’ ich wieder los.“ Aeroflot, die größte russische Luftfahrtlinie, fliegt ihn von Düsseldorf zum Airport Moskau-Scheremetjewo. Abflug ist morgen um 10.45 Uhr. Drei Stunden dauert die Reise in die Hauptstadt der Fußball-WM.

Donnerstag, 14.06.2018, 06:20 Uhr

Der Glücksbringer muss mit nach Moskau. Den Sombrero hatte Michael Quiel schon bei der WM 2014 in Brasilien mit. Auch gegen Mexiko will er den breitkrempigen Hut tragen. Fotomontage: uh Foto: az

„Das ist meine vierte Weltmeisterschaft“, berichtet der Edel-Fan, der die Nationalmannschaft bei fast allen Auswärtsspielen begleitet, „2006 war ich in Deutschland dabei, 2010 in Südafrika und 2014 in Brasilien.“ Damals saß er im Maracanã in Rio de Janeiro, als Mario Götze das alles entscheidende 1:0 im Finale gegen Argentinien erzielte. „474 US-Dollar kostete das Ticket, ein teurer Spaß“, erinnert er sich, „unser Auftaktspiel gegen Mexiko ist dagegen ein Schnäppchen.“ „Nur“ 105 US-Dollar waren nötig für einen Sitzplatz im Olympiastadion Luschniki, wo die Auswahl von Jogi Löw am Sonntag (Anstoß: 17 Uhr) auf das mexikanische Team, Spitzname „El Tri“, treffen wird. „Im Preis inbegriffen sind die öffentlichen Nahverkehrsmittel, berichtet er, „das Gesamtpaket ist okay.“

Der Fußball-Reisende aus Lette logiert im Vier-Sterne-Hotel „Holiday Inn Vinogradova“, dem offiziellen Fan-Camp der Nationalmannschaft. „Am Samstag ist eine Stadtbesichtigung vorgesehen. Mach’ ich nicht mit. Kenn’ ich alles von meinem ersten Moskau-Trip“, sagt Quiel, „ich werd’ lieber versuchen, eine Eintrittskarte für das Match Argentinien - Island zu organisieren.“ Er hofft auf den Schwarzmarkt. „Beim Verkaufsstart hatten die Russen Zugriff auf die billigste Kartenkategorie, wir leider nicht. Wir mussten kräftig zahlen.“ In Südafrika und in Brasilien habe er auch Glück gehabt und kurz vor knapp noch Tickets erhalten. „Du musst früh vor Ort sein, dann klappt das meistens.“ Anpfiff ist um 15 Uhr im Spartak-Stadion, das 45 000 Zuschauern Platz bietet. Ins Luschniki passen sogar 81 000 rein.

Christian Quiel, von Beruf Buchhalter beim Unternehmen „Vogt Fensterbau GmbH“ in Holtwick, ist selber Fußball-Schiedsrichter mit einem etwas ausgefallenen Hobby: „Ich bin Groundhopper“, sagt er und outet sich als leidenschaftlicher Sammler: „Woche für Woche bin ich auf Achse, um mir so viele Stadien wie möglich anzuschauen.“ 994 Fußball-Arenen hat er weltweit aufgesucht. „In Europa habe ich bereits alle Länder durch. Armenien war das letzte Land, das mir noch fehlte.“ In fünf Kontinenten war Quiel unterwegs. Australien und Ozeanien und die Antarktis hat er bislang nicht abgegrast. „Noch nicht“, meint er und lacht, „die kommen später dran.“

Nach der Partie gegen Mexiko macht Christian Quiel den Abflug. „Am Montagmorgen geht’s zurück nach good old Germany!“ Dass sein Moskau-Besuch nur von kurzer Dauer ist, liegt auch an den hohen Hotelkosten. „200 Euro pro Nacht sind eine Menge Geld“, rechnet er vor, „deshalb bleibe ich bloß ein Wochenende.“ Den Deutschen traut Quiel auch nicht so viel zu. „Die Gruppenphase werden wir überstehen. Auch als Erster. Aber in den K.o.-Spielen wird’s schwer.“ Seine Top-Favoriten sind Frankreich, Spanien und Brasilien. Sollte Deutschland doch das Finale erreichen, wird er sich ein weiteres Mal auf den Weg machen. „Dann flieg ich. Na klar!“ Christian Quiel ist clever und hat für den Fall der Fälle vorgesorgt. „Ich hab’ die Finaloption gezogen. 350 Euro müsste ich blechen, wenn wir ins Endspiel kämen. Das isses mir wert.“

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