Rosendahl Standpauke wie auf dem Kasernenhof

Rosendahl. Meine Güte! Engin Yavuzaslan hatte einen dicken Hals. Nicht mal Kragenweite XXL hätte ihm in der 25. Minute gepasst. Felix Gövert, die Numero acht von Turo Darfeld, hatte im Derby soeben den 2:2-Ausgleich geköpft, da brüllte der Osterwicker Spielertrainer in einer Lautstärke, als wolle er eine ganze Hundertschaft Rekruten auf dem Kasernenhof stramm stehen lassen.

Von Ulrich Hörnemann
Rosendahl: Standpauke wie auf dem Kasernenhof
Klare Kante: Engin Yavuzaslan sagt, was er denkt. Für den diplomatischen Dienst ist er nicht geeignet. Foto: az

Florian Prause, Adressat der Wutrede, bekam sein Fett weg. „Flo, was ist mit dir los“, herrschte Yavuzaslan seinen Schnapper an, „das war doch eine Kerze!“ Und was für eine: Felix Göverts Kopfball entzündete im Westfalia-Gehäuse und entfachte ein Feuer der Begeisterung bei den Darfeldern, die binnen fünf Minuten ein 0:2 aufgeholt hatten.

Die Zuschauer, die bei den frühsommerlichen Temperaturen erwartungsfroh ins Turo-Stadion gepilgert waren, wunderten sich über die heftige Standpauke, die Engin Yavuzaslan seinem jungen Keeper verabreichte. Melanie Feldkamp, die Herzdame vom Darfelder Coach Markus Lindner, konnte sich einen trockenen Kommentar nicht verkneifen. „Was hat der denn“, meinte sie, „haben sie ihm heut’ Morgen im Ruhrpott die Radkappen abgeschraubt?“ Falsch. Sein schwarzer Flitzer, der mit dem Stern auf dem Kühler, war noch fahrtüchtig wie eh und je. Was war also los?

Engin Yavuzaslan wollte seinen Schlussmann nur auf seine Schnitzer aufmerksam machen, was ihm auch vor aller Öffentlichkeit prima gelungen ist. „Wir haben einen Gegner, der bereits halbtot auf der Intensivstation lag, so sehr aufgebaut, dass er noch einen Marathon laufen konnte.“ Daran habe auch Prause mitgewirkt. „Beide Gegentreffer gehen auf Flos Konto“, analysierte der Osterwicker Trainer messerscharf, „das wollt’ ich ihm nur mitteilen.“ Warum so laut? „Weil Fußball ein Männersport ist“, antwortete er, „wir spielen hier kein Tischtennis.“

Flo Prause hatte kurz zuvor schon den Strafstoß verschuldet, als er den Flügelflitzer Carsten Daldrup im eigenen Sechzehner von den Beinen geholt hatte. Schiri Gerd Schulte, der die Partie gut im Griff hatte, zeigte ihm Gelb, obwohl auch Rot, wie von einigen Darfelder Spielern gefordert, möglich gewesen wäre. Guido Albers versenkte den Elfer zum 1:2, wenig später folgte Felix Göverts Kopfball, der zum 2:2-Gleichstand führte.

Nach der Pause steigerte sich Torwächter Prause, dass ihm sein Chef, der immer authentisch ist, klare Kante zeigt und schonungslos sagt, was er denkt, ein riesiges Kompliment machte. „Auf eine Hobby-Halbzeit folgte eine Weltklasse-Halbzeit“, lobte der Routinier den Youngster, „ich weiß doch, was der Flo kann . . .“

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