Kunstausstellung
Eine Erfolgsstory: NordArt feiert 20. Jubiläum

Von kleinen Anfängen zu einer der größten Ausstellungen zeitgenössischer Kunst in Europa: Die 20. NordArt zeigt zum Jubiläum 1000 Kunstwerke von 200 Künstlern aus fast 50 Ländern. Tschechien ist Länderschwerpunkt. Auch Provokationen sind zu sehen.

Donnerstag, 07.06.2018, 10:08 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 07.06.2018, 10:01 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Donnerstag, 07.06.2018, 10:08 Uhr
Aus Edelstahl: «Fuck You» von David Černý. Foto: Carsten Rehder

Büdelsdorf (dpa) - Der fünf Meter hohe Stinkefinger aus Edelstahl mit dem Titel «Fuck You» ist nur eine der glänzenden Provokationen der 20. NordArt. Geschaffen hat die Skulptur der Tscheche David Černý - sein Land ist bei der Jubiläums-NordArt Länderschwerpunkt mit einer eigenen Ausstellungshalle.

Insgesamt sind rund 1000 Kunstwerke von 200 Künstlern aus 50 Ländern zu sehen. Es gab 3000 Bewerbungen aus über 100 Ländern. Eine Mini-Schau im schleswig-holsteinischen Provinzstädtchen Büdelsdorf hat sich längst zu einer der größten Ausstellungen zeitgenössischer Kunst in Europa gehäutet.

Sie wird nach einem Pre-Opening am Freitag schließlich am Samstag (9. Juni) in der ehemaligen Eisengießerei Carlshütte offiziell eröffnet. Bis 7. Oktober ist sie in dem zu einem Ausstellungsgelände umgebauten Industriedenkmal mit Skulpturenpark und Wagenremise zu sehen. Zum Programm gehören Konzerte des Schleswig-Holstein Musik-Festivals mit Stars wie dem Percussionisten Martin Grubinger, Orgel-Tausendsassa Cameron Carpenter und der Klarinettistin Sabine Meyer sowie Poetry Slams. Seit dem Ausbau einer Industriehalle zum Konzertsaal ist das Festivalorchester hier zu Hause und lädt zu Proben ein.

Die Erfolgsstory der NordArt abseits des etablierten Kunstbetriebs lässt sich fast märchenhaft erzählen: Es war einmal ein Künstler (Wolfgang Gramm), der seinen heutigen Freund, einen wohlhabenden Unternehmer und Kunstfreund (Hans-Julius Ahlmann), in Büdelsdorf bei Rendsburg, dafür begeisterte, Kunstausstellungen zu machen. Nach einigen kleinen Schauen fand dann 1999 die erste NordArt statt. Kamen damals vielleicht 1000 Menschen, so waren es im vorigen Jahr rund 100.000.

Es gibt viele Kunstwerke zu sehen, die provozieren und zum Nachdenken anregen. Der Franzose Gilles T. Lacombe zeigt ein Hänge-Mobile aus 14.000 kleinen Bleikugeln in Form einer Atombombe - ein Hinweis auf die 14.000 scharfen Atombomben weltweit. Seine Arbeit «Alles muss raus» ist eine bitterböse Rauminstallation von 17 Autoreifen, die jeweils einen Fuchs überfahren - dafür hat der Künstler Fuchspelze (mit Kopf und Beinen) für Kleidungsstücke auf E-Bay gekauft.

Der Slowene Viktor Freso zeigt die Rauminstallation «Army of the Niemand»: 16 wie tot stehende Baby-Figuren mit geschlossenen Augen und riesigen Erwachsenen-Köpfen. Nur eine Figur schaut zur Seite und wirkt nicht normiert. Der Pole Pawel Wocial hat einen Rolls Royce gebaut und mit unzähligen Second-Hand-Stoffpuppen als Außenhaut gestaltet, Titel: «Spirit of Ecstasy».

«Die Künstler beschäftigen sich mit den Unsicherheiten in der Welt», spürbar ist die Suche danach, warum wir unsere Welt selber vernichten», sagt Ko-Kuratorin Inga Aru. Der tschechische Pavillon mit Arbeiten von 13 Künstlern hat sein eigenes Thema - «An den Grenzen von Unendlichkeit und Zukunft». Manche Künstler erproben neue Techniken, etwa mit Hilfe von 3D-Druckern oder Scannern bei einer digitalen Skulptur. Eine Retrospektive ist Jan Koblasa (1932-2017) gewidmet, der 1968 seine Heimat verließ und die NordArt lange begleitete.

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