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Mareike Carrière starb mit 59 Jahren

Hamburg (dpa) - Heute regt das keinen mehr auf. Als Mareike Carrière jedoch 1986 gleich in der allerersten Folge unter dem Titel «Mensch, der Bulle ist eine Frau» auf dem Revier eingeführt wurde, war das noch etwas Besonderes.

Dienstag, 18.03.2014, 14:46 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 18.03.2014, 14:33 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 18.03.2014, 14:46 Uhr

Als Deutschlands erste Fernsehpolizistin mischte sie in den 1980er Jahren das männerdominierte «Großstadtrevier» in der ARD auf. In der Rolle der Ellen Wegener wurde sie an der Seite von Schauspielern wie Arthur Brauss und später Jan Fedder einem Millionen-Publikum bekannt. In der Vorabendserie spielte Mareike Carrière auch mit Gaststars wie Freddy Quinn. In der Nacht zum Montag ist sie im Alter von 59 Jahren an Krebs gestorben.

Schon als Kind wollte Carrière, die 1954 in Hannover als Tochter eines Psychiaters geboren wurde, Schauspielerin werden. In Lübeck aufgewachsen, trat sie zusammen mit ihrem Bruder Mathieu mit acht Jahren als böse Königin in «Schneewittchen» auf. Mit 16 Jahren begann sie ihre Ausbildung an der Lübecker Schauspielschule und legte erst danach auf Wunsch der Eltern ihr Abitur ab. Anschließend studierte sie an der Pariser Sorbonne Französisch und Englisch und erwarb ein Diplom als Übersetzerin. Es folgten erste Bühnenengagements in Lübeck, Paris und Berlin.

Mit 18 Jahren spielte sie die Titelrolle in Carlo Goldonis «Bettina oder Das ehrsame Mädchen» am Jungen Theater Lübeck. Ihren ersten bedeutenden Erfolg hatte Mareike Carrière 1978 in dem Fernsehspiel «Flamme empor», einem Pubertätsdrama, das in den 1930er Jahren spielte. Unter tausend Bewerberinnen hatte man sie für die Hauptrolle einer Schülerin ausgewählt, die sich von der NS-Ideologie abgrenzen will. 1979 erhielt sie für diese Rolle den Kritikerpreis. Neben Gudrun Landgrebe und ihrem Bruder Mathieu spielte sie 1984 in dem Kinofilm «Yerma», 1989 stand sie neben Liv Ullmann und Maximilian Schell in «The Rosegarden», einem Film über die Schatten der NS-Vergangenheit, vor der Kamera.

Die ARD-Vorabend-Serie «Großstadtrevier» machte sie zu einem der bekanntesten Fernsehgesichter der 80er Jahre. Für die Rolle nahm sie Karate- und Schießunterricht, hospitierte bei der Polizei und erhielt 2005 die «Goldene Kamera». 1994 stieg sie nach 62 Folgen aus der Erfolgsserie aus. Die Doppelfolge um ihren Tod hatte die höchste Quote in der «Großstadtrevier»-Geschichte.

Ebenso erfolgreich wurde die Serie «Praxis Bülowbogen» (ARD, 1986-1995), in der sie als Ärztin neben Günter Pfitzmann zu sehen war. In der Jugendserie «Die Schule am See» (ARD, 1996-1999) spielte die Schauspielerin, die sich nie auf bestimmte Rollen festlegen wollte, eine unorthodoxe und beliebte Lehrerin.

Die vielseitige und polyglotte Schauspielerin lebte vier Jahre in Saint-Germain-des-Près in Paris, bevor sie 1980 nach Berlin zog. Von 1981 bis 1994 war sie mit dem Filmproduzenten Joachim von Vietinghoff verheiratet. 1993 verlegte sie ihren Wohnsitz nach Hamburg und heiratete dort 1997 den Zahnarzt Gerd Klement. Hier hat sie sich auch sozial engagiert, unter anderem unterstützte sie das Kinderhilfswerk UNICEF und förderte das Hospiz Hamburg-Leuchtfeuer. Ihren letzten Auftritt im Fernsehen hatte die beliebte Schauspielerin 2012 in der ARD-Serie «Heiter bis tödlich - Morden im Norden».

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