Musik Avishai Cohen: Eine beachtenswerte Kooperation

Berlin (dpa) - Der Name «Almah» hat mehrere Wurzeln. Im Hebräischen bedeutet es «junge Frau», im Lateinischen steckt das Wort «fruchtbar» (almus) dahinter, im Spanischen «Seele» (alma).

Von dpa

Mit Bedacht hat Avishai Cohen für sein neues Album diesen Namen gewählt. Denn die 10 Titel, die er auf der Scheibe präsentiert, spiegeln genau das wieder: Der Bassist und Bandleader schlägt einen neuen Weg ein und besinnt sich doch auf seine musikalischen Wurzeln.

Cohen wurde 1970 in Jerusalem geboren. Seine Mutter brachte ihm die klassische Musik nahe, sein Vater liebte hebräische Lieder. Mit 10 Jahren begann er Klavier zu spielen. Später wechselte er zum Bass, nachdem er den amerikanischen Jazz-Bassisten Jaco Pastorius für sich entdeckt hatte. Er zog nach New York und traf dort auf den panamaischen Pianisten Danilo Pérez. Durch seine Arbeit in dessen Latin-Trio wurde er soweit bekannt, dass er sein Leben zum ersten Mal durch die Musik finanzieren konnte.

Mitte der 90er Jahre wurde Chick Corea auf den jungen Israeli aufmerksam. Der US-Pianist holte ihn in seine Gruppe Origin. Außerdem bekam Avishai Cohen einen Plattenvertrag bei Coreas Label Stretch. Dort konnte er seine ersten vier Solo-Scheiben veröffentlichen.

Das Besondere an Almah ist, dass sich der 43-Jährige für ein Streichquartett mit zwei Bratschen anstatt zwei Violinen entschieden hat. Außerdem hat er nicht die im Jazz üblichen Blasinstrumente Trompete, Saxofon oder Posaune dazu genommen, sondern eine Oboe. Deren Ton ist hell, unterstützt aber die Melancholie des Basses. Alle Instrumente zusammen erzeugen so eine ganz spezielle Klangfarbe. Begleitet wird sein Trio (Nitai Hershkovits am Klavier und Ofri Nehemya am Schlagzeug) von Cordelia Hagmann (Violine), Amit Landau (Bratsche), Noam Haimovitz Weinschel (Bratsche), Yael Shapira (Cello) und Yoram Lachish (Oboe).

Die Mehrzahl der Stücke auf Almah hat Cohen komponiert. «Ouverture (Noam)» ist ein Lied, dass ursprünglich für ein Double-Bass-Konzert geschrieben wurde und einem Cousin Cohens gewidmet ist, der bei einem Unfall ums Leben kam, während er in der israelischen Armee diente. Das Erinnern an diesen ihm nahestehenden Menschen und der Schatten dieses traurigen Schicksal spiegeln sich in der majestätischen Melodie wieder. Im Gegensatz dazu klingt «Shlosre», das ebenso wie «Hayo Hayta» bereits auf Cohens Blue Note Album «Seven Seas» erschien, eher fröhlich und unbekümmert.

Zu Cohens Favoriten gehört Thad Jones' «A Child Is Born», der längste Titel auf der Scheibe. Das Original der Jazz-Waltz-Ballade stammt vom Blue-Note-Album «Consummation» (Thad Jones/Mel Lewis Orchestra). Trotz kleiner Besetzung mit Oboe erinnert Cohens Interpretation an den amerikanischen Charme der alten Big-Band-Nummer aus dem Jahre 1970. Im Gegensatz dazu klingt «Arab Medley» durch und durch nach Nahem Osten. Hier werden drei Melodien des libanesischen Sängers Samira Tawfik vereint. Der Charakter sephardischer Volkslieder gemischt mit klassischer Interpretation werden zu einem romantischen Guss.

Oder «On A Black Horse», eine Art Marsch, der sehr rhythmisch gespielt ist, stammt wiederum aus dem Repertoire der Roten Armee. Diese russische Nuance ist auch in der Ballade «Southern Lullabye» zu hören. «Das Erbe Russlands und Osteuropas besitzt eine Schlüsselrolle in der genetischen Grundlage Israels und seiner Musik», sagt Cohen laut Mitteilung seines Plattenlabels. «Meine Eltern, die Singen immer liebten, präsentierten diese Melodien auf den Partys, die sie in unserem Haus organisierten. Es war zwar nicht beabsichtigt, aber ich sehe deutlich, dass «Almah» tief in historischen und kulturellen Elementen verwurzelt ist.»

«Almah» ist ein Album, das sehr viel Leben und Liebe ausstrahlt, selbst wenn die Melodien und Harmonien sich an der einen oder anderen Stelle gebetsmühlenartig wiederholen. Es lässt sich keinem Genre, aber eben einem Musiker zuordnen. Es klingt einfach eindeutig nach Avishai Cohen.

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