Gesundheit Leben mit Nesselsucht: Eine Injektion stoppt das quälende Jucken

Silke Dargel hat chronische Nesselsucht. Bis die Ärzte endlich herausfinden, warum die 48-jährige Hertenerin über Jahre immer wieder unter quälend-juckenden Quaddeln leidet, vergeht eine gefühlte Ewigkeit. Nun hat das Kratzen ein Ende – einer speziellen Injektionstherapie sei Dank.

Von Allgemeine Zeitung
Gesundheit: Leben mit Nesselsucht: Eine Injektion stoppt das quälende Jucken
Foto: Klaus Becker

Seltsamer Hautausschlag kam und ging

Vor mehr als vier Jahren entdeckt Silke Dargel zum ersten Mal einen seltsamen roten Hautausschlag an ihren Händen. Sie hat bis zu diesem Zeitpunkt nie Probleme mit ihrer Haut, die Hautärztin vermutet eine allergische Reaktion. „Ich habe natürlich überlegt, woran es liegen könnte“, erzählt die Assistentin in der Personalentwicklung und ergänzt: „Ich habe ein anderes Waschmittel benutzt und meine Pflegeserie gegen parfumfreie Produkte ausgetauscht.“ Doch ihre Situation verbesserte sich nicht, die Ursachenforschung bleibt erfolglos.

Nach Wochen verschlechtert sich das Hautbild weiter, Quaddeln übersäen ihren Körper. Die Verzweiflung wächst. Wieder wird eine allergische Reaktion diagnostiziert. Antiallergika linderten die quälenden Symptome, doch die schrecklich juckenden Quaddeln kommen immer wieder. Irgendwann wird es unerträglich. Silke Dargel hält es nicht mehr aus, kratzt sich in der Nacht blutig.

Silke Dargel gibt nicht auf – ein neuer Wirkstoff hilft

Zwei Jahre vergehen, bis die Fachärzte der Uniklinik Essen bei Silke Dargel Nesselsucht, medizinisch Urtikaria, diagnostizieren. Sie verschreiben ihr eine vierfach erhöhte Dosis Antiallergika und untersuchten sie von Kopf bis Fuß – die Ursache für die Urtikaria finden sie nicht. Auch die hochdosierten Medikamente bringen nicht den erwünschten Erfolg. Aber Silke Dargel gibt nicht auf.

„In meiner Not habe ich dann noch mal eine andere Klinik aufgesucht, und dort haben sie mir dann endlich mit einer Injektionstherapie helfen können“, erzählt sie. Innerhalb einer Woche verschwanden die Quaddeln dank einer Spritze mit Antikörpern unter die Haut. „Der darin enthaltene Wirkstoff namens Omalizumab bindet gezielt einen Eiweißstoff namens Immunglobulin E“, sagt Dr. Christian Tigges, leitender Oberarzt der Dermatologie in der Helios St. Elisabeth Klinik in Oberhausen. Der Wirkstoff blockiere „genau jene Zellen im Körper, die Nesselsucht auslösen“, so der Mediziner weiter. Eingesetzt würden die Antikörper allerdings erst, wenn alle anderen Therapien versagen. „Die Erfolgsquote liegt bei über 80 Prozent“, so Dr. Tigges.

Silke Dargel bekommt die gut verträglichen Injektionen anfangs alle vier Wochen verabreicht. „Mittlerweile benötige ich sie nur noch alle sechs bis sieben Wochen“, sagt sie und freut sich darüber, dass das Jucken endlich ein Ende hat.

Viele verschiedene Auslöser von Nesselsucht

Die Auslöser für die juckenden und brennenden Quaddeln auf der Haut sind von Patient zu Patient verschieden, doch die eigentliche Ursache ist immer dieselbe: Das Immunsystem von Betroffenen schüttet übermäßig viel Histamin aus, was wiederum die typischen Symptome auslöst.

Wer Quaddeln auf seiner Haut entdeckt, sollte diese laut Dr. Tigges mit einem abwaschbaren Stift einkreisen und beobachten. „Wenn sich die Quaddeln nach 24 Stunden immer noch an der gleichen Stelle befinden, handelt es sich nicht um Nesselsucht“, sagt der Experte und fügt hinzu: „Nur wenn sie an einer anderen Stelle auftreten, ist die Wahrscheinlich groß, dass es sich um Nesselsucht handelt.“

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