Billerbeck

Billerbeck/Ibbenbüren. Normalerweise sind in der Disco „Extra“ in Ibbenbüren am Sonntagmorgen um 10 Uhr alle Schotten dicht. Die Party ist dann lange vorbei. Aber was ist schon normal? 140 Kinder übernehmen hier an einem sonnigen Frühlings-Sonntag das Kommando. Eins von ihnen ist Hannes aus Billerbeck.

Freitag, 15.03.2019, 17:33 Uhr aktualisiert: 17.03.2019, 15:02 Uhr
Auf Mamas Schoß mitten in der Familie fühlt sich der kleine Video-Darsteller auch im Disco-Trubel wohl: (v.l.) Mama Anne Schubert, Hannes, der große Bruder Paul und Papa Christian Schubert. Foto: ul Foto: az

Bundesweit, aus allen Himmelrichtungen, haben sie sich auf den Weg gemacht, um dabei zu sein. Mit ihren Familien reisten sie zum Teil schon einen Tag früher aus Kassel, Hannover, Freiburg oder Stuttgart an. Um es mitzugestalten, das Video mit dem Song „Wir sind so“, mit dem Kids mit Downsyndrom der Welt einmal mehr zeigen wollen, was Inklusion bedeutet. Das Ergebnis ist auf www.trisomie21.net zu sehen – passend zum bevorstehenden Welt-Down-Syndrom-Tag am 21. März.

Hannes Schubert konnte dank relativ kurzer Anreise, ausschlafen. Dementsprechend tiefenentspannt widmet er sich zunächst dem Geschehen. Bestens ausgerüstet mit aufblasbarer Gitarre oder Mikrofon und Xylophon erobern seine Mitstreiter zum Einheizen die Bühne. In dem Gewusel begibt sich dann doch schon mal der eine oder andere kleine Akteur alleine auf Entdeckungsreise und lässt die Mutter kurzfristig ratlos – „Mutterschiff an Erde, bitte kommen“ – zurück.

Der Soundtrack? Der ist den kleinen quirligen Teilnehmern nicht unbekannt, schließlich war er zuvor den Familien in Auszügen schon zugemailt worden. Und so klingt das Lied, mit dem die Initiatoren beweisen wollen, dass Down-Syndrom bereichert, Inklusion gar nicht so schwer und Vielfalt gut ist: „Du bist so, ich bin anders. Wir sind schön und wir sind wichtig wie wir sind!“.

Klar, da staunt Hannes nicht schlecht. So´n großen Menschenauflauf sieht der Dreieinhalbjährige schließlich nicht jeden Tag. Seine Welt ist da mehr so der Oberlau-Kindergarten, „in dem er sich pudelwohl fühlt“, wie seine Mama Anne Schubert gerne versichert. Bei so viel Action ist der Schoß von Mama oder der Arm von Papa Christian und die Nähe von Bruder Paul der allerbeste Logenplatz.

So wie Hannes ergeht es auch anderen Akteuren. Und überhaupt, wer schon mal in einer Disco ist, der kann bei der Gelegenheit gleich das Wasserbecken im Foyer mit den vielen kleinen Steinen untersuchen. Oder die dicken Löwen auf den Säulen neben der breiten Showtreppe.

„Hannes tanzt sehr gerne. Aber das wurde ihm doch grad alles ein bisschen viel“, schmunzelt Anne Schubert. Schuberts zweiter Sohn ist fünf Wochen zu früh in die Welt gestartet. Es gab Probleme mit dem Darm und der Bauchspeicheldrüse. Eine OP war erforderlich. Nach einer Woche kam dann noch die Diagnose „Down-Syndrom“. „Morgens bekamen wir die Nachricht. Abends hatten wir dann klar für uns: Okay, dann ist das so!“, erklärt Anne Schubert.

Gute Unterstützung erhielt die Familie schon im Krankenhaus durch den Bunten Kreis Münsterland. Bald darauf ließen sie sich bei der Lebenshilfe Münster für eine Elterngruppe registrieren. Da gibt´s Unterstützung, Infos und immer wieder tolle gemeinsame Unternehmungen oder einen Hinweis, wie auf diese Video- und Plakataktion, unterstützt von der Deutschen Stiftung für Down-Syndrom, die Vanessa Kristahn, Thorsten Klein und Elvira Cusma-Sternhagen nicht nur für ihre Kinder ins Leben riefen.

Logisch fehlt auch hier zum Abschluss der Party nicht der Konfetti- und auch nicht der bunte Pudersegen. „Die Kids und auch wir Eltern hatten mächtig viel Spaß“, resümiert Anne Schubert, die gerne auf diesen actionreichen Tag blickt. | www.trisomie21.net/wdst; #downsyndrombereichert; Facebook: Down-Syndrom Deutschland

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