Billerbeck
„Zeit der Vertröstungen ist vorbei“

Billerbeck. Vor einer Woche startete die Aktion „Maria 2.0“ auf der Domplatte in Billerbeck. Beide Male markierte ein Wortgottesdienst, den die 15 Billerbecker Frauen organisiert und gestaltet hatten, die Gründe für diese Aktion. Sabine Smarsli hatte Pressestimmen gesammelt zur bundesweiten Aktion. „Die Politikerin Ilse Aigner will die Aktion unterstützen. Mal sehen, was dabei herauskommt“, las Smarsli aus einem der Presseberichte. Woanders sei kritisiert worden, dass die Aktion die Bistümer spalte. „Maria 2.0 ist angekommen, nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch in Billerbeck. 144 Meinungskarten sind ausgefüllt worden. Das ist ein tolles Ergebnis“, freute sich Smarsli. Andere Frauen aus ihrem Initiativkreis hatten sich einige Stimmen aus den Meinungskarten herausgegriffen und trugen sie vor. Jeder Satz fing an mit „Eine Kirche ist meine Kirche, wenn…“ Dazu gehörte die Forderung, offen über die Rolle der Frau in der Kirche zu diskutieren. Die Zeit der Vertröstungen sei vorbei, während ein anderer Schreiber danach fragte, wo die jungen engagierten Frauen in der Kirche seien. „Oder sind sie schon weg? Das Amt der Diakonin wäre ein guter Anfang“, lautete der Kommentar.

Montag, 20.05.2019, 13:58 Uhr
Zufrieden mit der Resonanz, die die Protestaktion „Maria 2.0“ auch in Billerbeck gefunden hat, zeigte sich die Initiatorinnen. Fotos: emk Foto: az

Auf der vollständigen Aufdeckung des Missbrauchsskandals und der staatlichen Sanktionierung bestanden andere Kommentatoren. Priester sollten heiraten dürfen. Alle sollten zur Kommunion gehen können, während auch Homosexuelle von der katholischen Kirche anerkannt werden müssen. „Wir müssen Kirche nicht neu erfinden. Wir müssen sie nur neu gestalten“, hieß es auf einer weiteren Karte.

Monika Stockmann äußerte sich zur Weiterverwendung der Karten. „Wir haben viele Ideen, wie wir die Meinungen verwerten können. Alle Auffassungen wollen wir öffentlich nachlesbar machen, entweder als Buch, das in der Kirche ausliegen könnte, oder als Blog im Internet. Es könnte aber auch sein, dass wir mit den Meinungskarten zu den Entscheidungsträgern gehen. Das wäre bei uns der Bischof in Münster. In der Hoffnung, dass er das auch liest“, so Stockmann, die damit Beifall auslöste. Ebenso wären Infoabende möglich, in denen geklärt werden könnte, warum die Frau in der katholischen Kirche nicht Priesterin werden dürfe. „Das Ganze soll einen Nachhall geben, weltweit und auch in Billerbeck“, so Stockmann.

Dietlinde Dierksmeier hatte die Aktion fotografiert und jeden Tag kontrolliert. Dabei sei es zu interessanten Gesprächen gekommen. „Ein evangelisches Paar sagte mir, dass sie auch in der evangelischen Kirche nicht zufrieden seien, weil sie mehr Seelsorge erwarteten. Eine 90-jährige Frau freute sich, dass endlich etwas passiere. Sie habe seit Jahrzehnten darauf gewartet.“

Die ganze Zeit hatten die Frauen die Unterstützung von Küster Markus Brokamp, der auch jetzt beim Abbau des 200 Meter langen Bandes um den Dom mithalf. Anders als in anderen Gemeinden haben die Frauen weiterhin ihren ehrenamtlichen Dienst in der Kirche verrichtet oder Gottesdienste besucht. „Wir wollten weder streiken noch boykottieren“, so Ingeborg Hoene, eine der 15 engagierten Frauen.

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