Billerbeck
„Die schönen Säume finden“

Kreis Coesfeld. Unscheinbar recken sich gelbe Blüten aus dem Gras am Grenzweg zwischen Billerbeck und Nottuln, nahe der L577. Glanz in den Augen von Birgit Stephan, der Landschaftsökologin vom Naturschutzzentrum Kreis Coesfeld.

Donnerstag, 11.07.2019, 16:52 Uhr
Der Hahnenfuß kommt fast weltweit vor. Foto: az

Warum die Pflanze „Scharfer Hahnenfuß“ heißt, will einer der 25 zukünftigen Hobbykartierer in der Einführungsveranstaltung wissen. „Ist eine scharfe Pflanze“, scherzt Stephan und zeigt schnell auf die eindeutigen Erkennungszeichen. Das Gewächs ist ein kleiner Hinweis auf eine große Artenvielfalt an diesem schmalen Streifen.

Und richtig: Die geübten Augen finden in der üppigen Vegetation Zeigerarten für den Standort einer Halbtrockenwiese. Sie nennen sich zum Beispiel „Dorniger Hauhechel“ oder „Gemeiner Odermenning“. Alles Spezialisten, die sich mit tiefen Wurzeln und anderen Strategien das Biotop erobert haben. Über Generationen hinweg sind wichtige Merkmale im Erbgut verankert worden, die das Überleben im Klima der münsterländischen Baumbergen sichern.

Nicht einmal eine Stunde später reihen sich 15 verschiedene Arten auf einem ausgebreiteten Bettlaken auf. Genau solche Ecken sucht Landschaftsökologin Corinna Becke mit ihrer Kollegin Stephan.

Wegrandstreifen, die sich durch eine große Anzahl unterschiedlicher Flora auszeichnen und eine Herberge für Insekten, Vögel und andere Tiere bieten. Im Spätsommer ist „Erntezeit“ für die Ökologen. Abgemäht trocknet das Mahdgut an diesen Spenderstandorten eine Zeit und wird später zur Impfung artenarmer Gebiete verwendet. Ausnutzung der natürlichen Samenbank. Und um genau diese zu finden, hat sich das Naturschutzzentrum Ehrenamtliche an Bord geholt.

Hobbybotaniker und Naturfreunde, die in einem vorher abgesprochenen Gebiet, die Wegrandstreifen auf Artenvielfalt prüfen und einordnen. „Ziel ist es, die schönen Säume zu finden“, meint Corinna Becke und erklärt mit Kollegin Stephan den Freiwilligen die wichtigsten Erkennungsmerkmale der Pflanzen, die in einem Kartierbogen erfasst werden sollen.

Entdeckungslust und Goldgräberstimmung macht sich breit. Doch es gibt auch Skeptiker. Einer der Teilnehmer ist sich unsicher. Er befürchtet Fehler bei der Bestimmung von Pflanzen zu machen. Aber ein Falsch gibt es eigentlich nicht. Denn es ist eine äußerst hilfreiche Arbeit, die die Hobbykartierer leisten. Sie selektieren Gebiete vor. Hinweise auf mehrere verschiedene Blühpflanzen sind bereits sehr brauchbare Indizien.

Landschaftsökologin Stephan: „Wir brauchen die Hilfe, um mit den Daten die interessanten Gebiete zu identifizieren.“ Diese Fundstellen werden dann von Profis genau analysiert. Alle Gebiete selbst zu kartieren, sei für das Naturschutzzentrum personell und finanzielle nicht leistbar. Deshalb ist Stephan froh auf die positive Resonanz der Freiwilligen für das Projekt „Vielfalt am Wegesrand“. Bis Herbst dieses Jahres soll die Kartierung von den Ehrenamtlichen abgeschlossen sein. Mit dem Vorhaben soll im Kreis Coesfeld die Artenvielfalt erhöht werden. Das ist keine Arbeit, die schnell erledigt ist. Es wird mehrere Jahre dauern, bis ein Erfolg deutlich sichtbar wird.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6770909?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F947609%2F
So stellt sich die SPD den neuen Hafen-Markt vor
Die Baustelle am Hafencenter liegt still. Nach Vorschlägen der SPD könnte dort anstelle eines großen Supermarktes eine Markthalle entstehen, ohne dass die bereits fertigen Rohbauten abgerissen werden.
Nachrichten-Ticker