Billerbeck
Mit Herz und Verstand unterrichtet

Billerbeck/Havixbeck. Lehrer sind das Gesicht einer Schule. Generationen von Schülern erinnern sich mit Schmunzeln an bestimmte Worte, die humorvolle, vielleicht auch ironische Art ihres Lieblingspaukers oder an die ein oder andere Panne. Wer nach langen Dienstjahren auf seine Schulkarriere zurückblickt, geht oft mit einem lachenden und weinenden Auge, so auch diese fünf Lehrenden des Anne-Frank-Kollegiums, die ihren Abschied vom Kollegium gefeiert haben. Schulleiter Dr. Torsten Habbel fand für jeden ganz persönliche Worte, wie es in einer Pressemitteilung der Schule heißt.

Mittwoch, 17.07.2019, 14:08 Uhr
Bei der Verabschiedung: (v.l.) Dorothea Maunz, Heiner Meschede, Schulleiter Dr. Torsten Habbel, Friederike Held-Stangemann, Joachim Schmidt und Anette Blawatt. Foto: Steinböck/AFG Foto: az

Es sei ihre runde Brille gewesen, die dafür sorgte, dass sich Anette Blawatt für die Schule entschieden habe: „Bei ihrem Abitur sagten alle: Anette, Du wird Lehrerin!“, erzählt Habbel schmunzelnd. Nach dem Referendariat arbeitete Blawatt allerdings zunächst in der freien Wirtschaft, kümmerte sich um Kinder und Familie. 2002 – ihr Sohn machte gerade Abitur an der AFG – bekam sie dort ihre erste Stelle. Besondere Stärken der Lehrerin für Hauswirtschaft und Englisch lagen im sozialen Bereich, etwa bei Streit in der Klasse: „Anette Blawatt hat mit Herz und Verstand unterrichtet“, beschrieb Habbel die Kollegin.

Auch Friederike Held-Strangemann übte ihren Beruf mit großem Engagement als Klassen- und Beratungslehrerin aus. Habbel betonte ihren Einsatz für die Verbesserung der Ausbildungsmöglichkeiten von Referendaren an der AFG und die Weiterentwicklung von Methoden für individuelles, eigenständiges Lernen. Um ihren hohen Ansprüchen gerecht zu werden, habe Held-Strangemann die Stundenzahl reduziert. Für die Zukunft plant die Lehrerin für Erdkunde und Mathematik eine Weltreise im Wohnmobil.

Der erste Eindruck von Dorothea Maunz steht dem Schulleiter noch lebhaft vor Augen: „Vor zehn Jahren saß ich hier im Forum bei einer Feier als frisch gewählter Schulleiter. Als das Kollegium auf der Bühne stand und sang, fiel mir eine Frau auf, die, fröhlich tanzend, meinen Blick auf sich zog.“ Dorothea, vom Kollegium Dolly genannt, habe treffend vermittelt: „Hier herrscht eine gute Atmosphäre“. Drei Durchgänge Schüler von Klasse 5 bis 10 hat Maunz begleitet: „So konnte ich sehen, wie meine Schüler gedeihen“, sagte die Pädagogiklehrerin. „Von Kollegen als ‘Königin der Korrekturen’ bekannt, korrigierte sie in Englisch und Pädagogik bis zu acht Klassenarbeiten und Klausuren gleichzeitig. Ihr Lieblingsfach Pädagogik habe sie so „stark gemacht“, dass es in Havixbeck heute als beliebtes Abiturfach gilt – im Grund- und Leistungskurs. Im (Un-)Ruhestand lässt sich die Pädagogin nun für den Umgang mit Demenzkranken fortbilden.

Heiner Meschede hat 40 Schuljahre unterrichtet, an der AFG fand er seine Heimat. Zahlreiche Projekte gehen auf sein Konto, darunter das sogenannte Mutoto-Projekt, das bedürftige Kinder im Kongo unterstützt. Ein Drittel der erlaufenen Spendengelder des Sponsorenlaufs gingen mehrfach nach Lubumbashi. „Wie gut es uns hier in Deutschland geht, wurde im Kontakt mit Mutoto nicht nur den Schülern, sondern auch uns Lehrern bewusst“, sagte Habbel. Ein weiteres Projekt des Chemie- und Technik-Lehrers war die Förderung von Regenerativität, sei es durch Solarplatten auf dem Dach oder durch den mobilen Solarwagen der AFG.

Joachim Schmidt hat die AFG kurz nach der Gründung, vom zweiten Jahr an, begleitet. „Das war ein hartes Stück Arbeit“, erinnerte sich Schmidt. Dass sich der Deutsch- und Sportlehrer mit der Schule so verbunden fühlt, liegt nicht nur an seiner Pionierarbeit oder an der engagierten Hilfe zur Integration von Flüchtlingen, sondern auch daran, dass alle drei Kinder zur AFG gegangen sind und zum Teil Partner haben, die ebenfalls auf der Gesamtschule Havixbeck waren. „In meiner Familie ist viel AFG drin“, sagte Schmidt, der in der Schule wohl auch weiterhin ein gern gesehener Gast ist, denn: In zwei Jahren wird der erste Enkel hier angemeldet.

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