Rund 120 Teilnehmer bei Gedenkfeier mit De Bilter Bürgermeister
„Mahnmal für alle Tage“

Coesfeld. Das hat es noch nicht gegeben: Ein niederländischer Bürgermeister aus De Bilt hält zum Volkstrauertag in Coesfeld die Gedenkrede. Diese Premiere gab es gestern mit Arjen Gerritsen, der es als eine „außerordentliche Äußerung der Freundschaft zwischen Coesfeld und De Bilt“ bezeichnete, dass er vom Coesfelder Bürgermeister Heinz Öhmann dazu eingeladen wurde. „Mehr als Sie vielleicht denken, realisiere ich, wie ungewöhnlich es ist, dass ich an Ihrem Volkstrauertag reden darf“, sagte er vor den rund 90 Teilnehmern plus Aktiven bei der Krankzniederlegung am Mahnmal an der Letter Straße. Auch einige weitere Gäste aus Coesfelds Partnerstadt De Bilt waren dabei.

Sonntag, 17.11.2013, 19:16 Uhr

In den Niederlanden sei der Gedenktag für einige wenige kein Nationalereignis, sondern ein nationalistisches, bedauerte Gerritsen. Es verstehe sich zwar, dass die Narben durch die deutschen Besatzer der Niederlande im Zweiten Weltkrieg schmerzten, wenn es sich um Opfer dieser Besatzung handele. Einen ausschließlichen Blick in die Vergangenheit wollte er aber nicht gelten lassen. „Durch Ihre Einladung, hier reden zu dürfen, unterstreichen Sie und ich, dass Gedenken kein nationalistisches Erleben der Geschichte ist, sondern ein universales Lernen für die Zukunft“, sagte Gerritsen.

Das Gedenken der zahllosen Opfer sei nicht ohne Verpflichtung, befand der De Bilter Bürgermeister. „Dieses Gedenken ist auch ein Mahnmal für alle Tage bis zum nächsten Jahr.“ Es verpflichte zur „Bekämpfung der Armut, zur Forderung der Chancengleichheit, zum Schutz des freien Glaubens, des freien Wortes und des freien Gewissens“, sagte Gerritsen. Freiheit gehe aus Nächstenliebe und aus Solidarität hervor. Es gelte, sich mit anderen zu vertragen, die anders denken oder leben, sich umzusehen nach denjenigen, die weniger haben und anständig umzugehen mit dem, was für andere wertvoll ist. „Nur so werden die Opfer geehrt.“

Bürgermeister Heinz Öhmann sprach seinen Dank für die bewegenden Worte aus. „Es ist immer noch etwas ganz Besonderes, wenn ein Niederländer am Volkstrauertag zu uns spricht“, sagte er.

Musikalisch wirkten die Stadtkapelle und der Crescendo-Chor mit, die Kränze legten Vertreter von Marine-Kameradschaft, DRK und Feuerwehr mit Vertretern der Stadt nieder. | Kommentar

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