Emotionale Diskussion bei der Bürgeranhörung zum Wochenendhausgebiet Stevede
„Die Priorität der Stadtentwicklung lag woanders“

Coesfeld (hlm). Mit besorgter Stimme meldet sich eine Zuhörerin zu Wort: „Seit 22 Jahren lebe ich hier. Jetzt habe ich Angst. Wo soll ich wohnen.“

Freitag, 09.06.2017, 09:54 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 08.06.2017, 18:51 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Freitag, 09.06.2017, 09:54 Uhr
Bürgeranhörung zum Bebauungsplan Wochenendhausgebiet Stevede: Da musste Ludger Schmitz als Vertreter der Stadtverwaltung (stehend) einige Kritiken von Nutzern des Campingplatzes auf der Bürgeranhörung einstecken. Foto hlm Foto: az

In die gleiche Kerbe schlägt ein Frührentner: „Ich bekomme 700 Euro Rente. Sie bedrohen meine Existenz. Ich kann mit meinem Geld gerade noch am Leben teilhaben.“ Es sind Stimmen von Dauerbewohnern der Campinganlage Drees in Stevede. Seit den 1970er Jahren hat sich auf dem ausgewiesenen Gelände eine siedlungsähnliche Struktur, mit über 300 Parzellen, entwickelt. Die Stadtverwaltung wusste es. Blickte nicht so genau hin. Den Fehler der Vergangenheit räumt erster Beigeordneter Thomas Backes auf der Bürgeranhörung zur Änderung des Flächennutzungsplans „Wochenendhausgebiet Stevede“ ein. Er taxiert vorsichtig: „In den 1985 Jahren lag die Priorität der Stadtentwicklung woanders.“

Nun sucht die Verwaltung einen Kompromiss für einen rechtlichen Rahmen, der die Entwicklung auf der Fläche regeln soll. Auslöser war ein Brand auf dem Gelände im Jahr 2012. Die Feuerwehr kam nur erschwert zum Brandort. Bei dem Feuer entstand ein überschaubarer Sachschaden.

Es hätte aber auch anderes ausgehen können. Die Beteiligten sind sich einig: Der Brandschutz hat hohe Priorität. Auf den Plänen erläutert Architekt Carsten Lang die Maßnahmen. Zwischen zwei Wochenendhäusern gilt ein Abstand von fünf Metern. Ist das nicht möglich, muss ein Fachbetrieb einen Brandschutz errichten. Zusätzlich werden auf dem gesamten Gelände Zuwegungen für große Fahrzeuge ausgebaut.

Die Änderung des Bebauungsplans justiert die Größe der versiegelten Fläche pro Parzelle. Die Stadtverwaltung geht einen Schritt auf die Platznutzer zu. Statt der gesetzlich vorgeschriebenen maximalen Gebäudefläche von 40 Quadratmetern setzt sie 70 Quadratmeter für die Bebauung, zehn Quadratmeter für Freisitze oder Ähnliches, 15 Quadratmeter für Carports und zehn Quadratmeter für Abstellflächen fest. Bis zur Genehmigung des Bebauungsplans, die Stadt rechnet mit Ende dieses Jahres, besteht auf dem Gelände Baustopp.

Unruhe unter den rund 80 Anwesenden entsteht, als Ludger Schmitz vom Fachbereich Planen, Bauen und Wohnen der Stadtverwaltung, das Thema Dauerbewohner anspricht.

Grundsätzlich ist das außerhalb innerstädtischer Flächen untersagt. Die über Jahrzehnte gewachsenen Strukturen sollen nicht mit der Brechstange ausgehebelt werden. Der Vorschlag: All jene, die seit dem Stichtag 15.7.2016 65 Jahre alt sind, werden weiterhin dort geduldet. Die Anderen der rund 120 Betroffenen erhalten eine Übergangsfrist von fünf Jahren, um den Platz als Dauerbewohner zu verlassen. „Das kann man nicht am Lebensalter festmachen“, kritisiert eine 30-jährige Coesfelderin, die schon immer auf dem Platz ihren Lebensmittelpunkt hat. Sie fordert die Berücksichtigung der Wohnzeit. Einige müssen schlucken. Sie fürchten den Verlust investierten Geldes. Sie sorgen sich um das Wegbrechen sozial gewachsene Gemeinschaften. Die Stadtverwaltung hat einsehen und will nochmals mit den Betroffenen Einzelgespräche führen.

Bis zum 3.7. können noch Fragen und Anregungen zum Bebauungsplan bei der Bauaufsicht im Rathaus eingereicht werden. Nach den Sommerferien wird sich dann der Rat mit dem Thema beschäftigen.

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