Coesfeld
Pfarrer Kirchhoff gilt als Gründungsvater

Coesfeld. Es ist kein besonderer Geburtstag, aber immerhin ein runder: der Posaunenchor der evangelischen Kirchengemeinde feiert am Sonntag (17. 6.) sein 90-jähriges Bestehen in einem Gottesdienst, zu dem auch Bläser aus dem Kirchenkreis Steinfurt-Coesfeld-Borken erwartet werden.

Donnerstag, 14.06.2018, 06:02 Uhr

Der Posaunenchor gibt nach dem Festgottesdienst ein Ständchen auf dem Marktplatz. Foto: Sonja Maschlanka

Der Überlieferung folgend gründete der evangelische Pfarrer Kirchhoff am 1. Mai 1928 einen Posaunenchor. Auf Kosten der Kirchengemeinde wurden gebrauchte Blasinstrumente angeschafft: sechs Posaunen, ein Tenorhorn und ein Flügelhorn. Vermutlich spielten einige Bläser auch ihre eigenen Instrumente. Vierzehn aktive Mitglieder spielten damit zum ersten Mal am 23. September im Gottesdienst.

Die evangelische Kirchengemeinde stand damit ganz in der Tradition des Posaunenwesens. Der Ursprung liegt in der sogenannten Erweckungsbewegung in Ostwestfalen, einer Erneuerung des kirchlichen Glaubensgefühls im 19. Jahrhundert. Der große Aufschwung der Posaunenarbeit ist vor allem dem westfälischen Pfarrer Johannes Kuhlo zu verdanken. Er vermittelte den Bläsern eine einheitliche Stimmung der Instrumente, eine besondere Notation sowie eine gesangliche weiche Blastechnik. Kuhlo sah das geistig-musikalische Zentrum der Posaunenchöre im evangelischen Choral und dessen Bearbeitungen, aber auch die Übertragung von Motetten und anderen Gesangswerken prägten den Literaturbestand, der sich zum Teil bis heute erhalten hat.

Auch in Coesfeld nahm das Blasen eine erfreuliche Entwicklung. Als zentrale Aufgabe stellte sich für die Bläser die Mitwirkung im Gottesdienst, aber auch zu vielen anderen festlichen Anlässen wurde geblasen, so zum Beispiel bei Gemeindefeiern, bei Jubiläen und Geburtstagen sowie in der Neujahrsnacht vom Turm der evangelischen Kirche.

Naturgemäß war die Posaunenchorarbeit in den vergangenen neun Jahrzenten Schwankungen unterworfen – in jeder Hinsicht. So sah man früher das bläserische Klangideal in „Weich, Rundung, Fülle“ und verwendete entsprechend weitmensurierte Instrumente, das heißt Hörner in allen Lagen. Die Trompeten waren dabei nicht erwünscht. Nach 1960 wurde der Weg zu den „engeren“ Instrumenten beschritten (fast ausschließlich Trompeten und Posaunen), teilweise in kleiner, barocker Bauweise.

Heute, wo alle Stile und auch die Romantik und besonders die zeitgenössische Literatur wieder gepflegt werden, ist das Instrumentarium vielfältiger und gemischter geworden.

Der Festgottesdienst am 17. Juni in der Evangelischen Kirche am Markt beginnt um 10 Uhr. Anschließend (ca. 11.30 Uhr) treffen sich die Bläser zu einem Ständchen auf dem Marktplatz.

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